LJV Hessen fordert mehr Grünbrücken

Der Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen muss mit der Errichtung von Querungshilfen verbunden sein, fordert der Landesjagdverband Hessen (LJVH) in einer Presseerklärung: Der stetig zunehmende Verkehr macht den Aus- und Neubau von Autobahnen und Bundesstraßen erforderlich. Die Hauptverbindungsstränge – in Hessen zählen hierzu die A44 Kassel-Eisenach sowie die A45 und A5 in der Nord-/Südachse – müssen dem erhöhten Verkehrsaufkommen gerecht werden. Zudem nimmt Hessen unter allen Bundesländern eine besondere Position ein: Der Ausbau von Versorgungs- und Transporttrassen, Siedlungs- und Gewerbebau seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 nimmt zusätzlich viele freie Flächen in Anspruch. Insgesamt durchqueren rund 17.300 Kilometer Straßen das Land. Davon entfallen 1.000 km auf Bundesautobahnen und rund 1.300 km auf Bundesstraßen.

Für Wildtiere ergeben sich daraus direkte Auswirkungen in ihrem Lebensraum: Straßen, hohe Wildschutzzäune entlang der Autobahn oder Bundesstraße begrenzen den noch nutzbaren Lebensraum durch unüberwindbare Barrieren. Das Rotwild als größtes heimisches Säugetier leidet besonders unter der Zerschneidung großer Waldgebiete. Als Rudeltier benötigt der König der Wälder große zusammenhängende Flächen. Aber auch andere Wildtiere, wie die Wildkatze, brauchen artgerechte Lebensräume zu Ihrer Entwicklung.

Beim Rotwild zeichnen sich bereits erste messbare Negativauswirkungen ab: Die Tiere leben nahezu kaserniert, jahrzehntealte Fernwechsel sind nicht mehr begehbar und führen so zwangsläufig zu einer genetischen Verarmung einzelner Rotwildpopulationen.

Erste Ergebnisse des Rotwild-Genetik-Projektes, das der Landesjagdverband nun hessenweit gemeinsam mit Prof. Gerald Reiner vom Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen umsetzt, belegen bereits eine eingeschränkte genetische Basis zwischen der östlichen und westlichen Population entlang der A5 und A45.

Die Bundesautobahn 7, als längste Autobahn Deutschlands, durchquert auch Hessen in Nord-Süd-Richtung im Bereich des „Michelsrombacher Waldes“ bei Hünfeld. Bis zum Bau der Grünbrücke „Rotes Kreuz“ zwischen Hünfeld und Fulda entwickelte diese stark befahrene Autobahn eine erhebliche Trennwirkung für Wildtiere und separierte auch die dortige Rotwildpopulation.

Seit 2012 ermöglicht dieses Bauwerk den Wildtieren das Überqueren der Autobahn. Die Wiedervernetzung der Lebensräume und der dort lebenden Tiere ist in diesem Abschnitt gelungen. Untersuchungen und Monitoringbeobachtungen belegen die Wirksamkeit des Bauwerkes. Neben zahlreichen Säugetierarten überqueren auch Amphibien und Fledermäuse die Autobahn.

Selbst bei Tageslicht wechselt das scheue Rotwild (hier ein Alttier/weibliches erwachsenes Stück Rotwild) über die Grünbrücke an der A7. Quelle: Wildkamera HessenMobil

Den Themen „Lebensraumerhaltung, Wildtierkorridore und Biotope für Wildtiere“ widmet der LJV Hessen seit 1989 große Aufmerksamkeit. Bei Aus- und Neubauten von Bundesautobahnen und Bundesstraßen fordert der LJV eine verbindliche Festschreibung von Querungshilfen als Ausgleichsmaßnahme in den jeweiligen Planfeststellungsverfahren.

Aktuell setzen sich die Naturschutzverbände aus Hessen und Nordrhein-Westfalen, zu denen der Landesjagdverband Hessen gehört, gemeinsam für den Bau einer Grünbrücke an der A45 in Höhe Haiger/Burbach ein. Dort soll die Autobahn sechsspurig ausgebaut werden. Eine weitere Grünbrücke an der A49 in Nordhessen befindet sich bereits im Bau.

Beitragsbild: Außenansicht Grünbrücke “Rotes Kreuz” auf der A7 zwischen Fulda und Hünfeld, Quelle: Markus Stifter

Ein Gedanke zu „LJV Hessen fordert mehr Grünbrücken

  1. RK

    Einerseits bauen wir (meist zu Recht) Grünbrücken, andererseits sollen Habitate durch hohe Wolfsschutzzäune zerschnitten werden… Kleine Widersprüche im links-grünen Naturuniversum, welches den Bezug zur realen Natur längst verloren hat und durch (auch finanzielle) Interessen und Dogmatik sowie fehlendem Respekt vor anderen Menschen (und Weidetieren) geprägt wird…

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