LJV Brandenburg fordert Notwehrrecht und Entschädigung bei Wolfsangriffen auf Jagdhunde

Vor der bevorstehenden Überarbeitung des Wolfsmanagementplans Brandenburg (WMP) hat der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) einen Forderungskatalog zur zukünftigen Ausgestaltung des Wolfsmanagements veröffentlicht. Der LJVB fordert unter anderem eine Herabsetzung des Schutzstatus des Wolfs, ein Notwehrrecht bei Wolfsangriffen auf Jagdhunde sowie die “rechtssichere Entnahme” kranker Wölfe.

Im folgenden die Forderungen des LJVB im Wortlaut:

Der aktuelle, bis einschließlich 2017 befristete WMP des Landes Brandenburg soll fortgeschrieben werden. Um dem Anspruch eines WMP dahingehend gerecht zu werden, das Konflikte zwischen Mensch und Wolf nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen bzw. weitestgehend entschärft werden, fordert der Landesjagdverband Brandenburg e.V. im Zuge der Evaluierung des Wolfsmanagementplans:

1. Allgemein

  • Befristung des WMP auf maximal 3 Jahre
  • halbjährliche öffentliche Auswertung zu: Bestandsentwicklung des Wolfes, Schäden, Konflikten mit dem Wolf und bei Notwendigkeit Nachsteuerung im WMP
  • Konkrete Initiative des Landes Brandenburg zur Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes von Anhang IV in Anhang V der FFH-Richtlinie

2. Monitoring/ Wolfsbestand

  • Flächendeckendes Monitoring in allen Landkreisen, das aktuell und öffentlich ist
  • Vereinfachung des Wolfsmonitorings durch Bereitstellung einer Smartphone-App
  • Festlegen eines „Akzeptanzkorridors“ im Sinne von Bestandsobergrenzen
  • Festlegung von Zuständigkeiten und Maßnahmen bei Erreichen der Obergrenzen und im Umgang mit Problemwölfen
  • Ausweisen von Wolfsgebieten, die als vorrangige Rückzugsräume dienen (Truppenübungsplätze, Tagebau-Rekultivierungsflächen)
  • Definition „Problemwolf“
  • Bei Vergabe von Monitoringflächen und „Suchräumen“ durch das Land sind die Grundbesitzer und Jagdausübungsberechtigten miteinzubeziehen

3. Wissenschaftliche Begleitung/ Abschußplanung

  • Erforschung der Wechselbeziehungen Beutegreifer/Beute sowie Wolf/Mensch (Raum-Zeit)
  • Genetische Untersuchungen zur Herkunft und im Hinblick auf Hybridisierung der brandenburgischen Wölfe (Reinrassigkeit)
  • Rudelbezogene Nahrungsanalysen sowie flexible Abschussplangestaltung bei Schalenwild in von Wölfen besetzten Revieren

4. Koordination und Kommunikation

  • flache, d.h. regionale, Entscheidungshierarchien beim Umgang mit Problemwölfen
  • Genehmigung von Vergrämungsmaßnahmen innerhalb einer 24-Stunden-Frist
  • Genehmigung zur Entnahme von Problemwölfen innerhalb von 48 Stunden in Absprache mit den Jägern
  • Entnahme von Wölfen aus Jagdrevieren durch Jagdausübungsberechtigte; Agieren von Bevollmächtigten ausschließlich in Abstimmung mit Jagdausübungsberechtigten

5. Rechtssicherheit/ Entschädigung/Schutz

  • Rechtssicherheit für Jäger bei Wolfsangriffen auf Jagdhunde während der Jagdausübung (Notwehr)
  • Möglichkeit der rechtssicheren Entnahme von kranken Wölfen
  • Rechtsanspruch auf vollumfängliche finanzielle Entschädigung für von Wölfen verletzte und getötete Jagdhunde auf Basis der Tierarztkosten bzw. des tatsächlichen Wertes unter Beachtung des Ausbildungsstandes
  • Bereitstellung wolfssicherer Schutzausrüstung für brauchbare Jagdhunde
  • Vollumfängliche Entschädigung/ Risikoübernahme bei Wolfsangriffen auf Weidetiere und dadurch verursachte Sekundärschäden (Verkehrsunfälle infolge von Ausbrüchen  beunruhigter Weidetiere) PM LJVB

Beitragsbild: Titelbild des WMP Brandenburg 2013-2017. (Bildschirmfoto)

Ein Gedanke zu „LJV Brandenburg fordert Notwehrrecht und Entschädigung bei Wolfsangriffen auf Jagdhunde

  1. RK

    Ein “Notwehrrecht” (§ 32 StGB) braucht man vermutlich nicht, schon allein weil Notwehr nur bei Angriffen gegen Menschen (nicht gegen Tiere, also Sachen) einschlägig ist. These: Schon der allgemeine rechtfertigende Notstand (§ 34 StGB) reicht aus, um einen Wolf zu strecken, der einen (Jagd)Hund verfolgt: Es geht um einen Angriff gegen eine Sache (Hund) und gegen das Eigentum des Hundeführers am Hund, ergänzend ggf. um Tierschutzgedanken. Kein Jäger und Hundeführer ist verpflichtet, dem Wolf beim ggf. grausamen langsamen Verspeisen des eigenen Jagdhundes zuzusehen, weil Tierschutz bzgl. des Wolfes und sonstige Schutzvorschriften bei der Abwägung zwischen den Rechtsgütern entweder schon gar nicht berücksichtigt werden müssen oder jedenfalls hintanstehen müssen.

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