LJV Baden-Württemberg besorgt um Winterfütterung

“Füttern verboten?”, fragt der LJV Baden-Württemberg in einer aktuellen Pressemitteilung: “Futterhäuschen und Meisenknödel für unsere Vögel stellt niemand in Frage. Doch was ist mit Nahrung für Reh, Hirsch und Gams? Wird Füttern und Tierschutz im Winter mit zweierlei Maß gemessen?” Draußen sei es eiskalt, heißt es weiter: “Schnee bedeckt Felder und Wälder. Eine harte Zeit für alle Tiere, die sich ihr Futter selber suchen müssen. In Parks tummeln sich Enten und stürzen auf jedes Stückchen Brot, das von lachenden Kindern ins Wasser geworfen wird. Eltern, die ihren Sprösslingen die Natur etwas näher bringen wollen, stellen ein Futterhäuschen im Garten auf, füllen es mit Sonnenblumenkernen und drapieren Meisenknödel in die Obstbäume.

Doch wer macht sich Gedanken um die Tiere des Waldes? Wildtiere, die normalerweise nicht bis in den Garten oder Stadtpark kommen? Wir leben in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft mit vielen Störungen für unser Wild. Es kann sich nicht mehr so bewegen, wie es eigentlich will und muss deshalb in Notzeiten gefüttert werden. Für diese meist scheuen Vertreter fühlen sich Jäger verantwortlich. Das zeigen sie auch durch Fütterungen. Kein Jäger würde beim Verhungern zuschauen, sondern rechtzeitig Futter in den Wald schleppen.

Doch nun will das Ministerium diese Möglichkeit und die Vorgaben des Gesetzes noch stärker einschränken. Jäger und Waldbesitzer dürfen künftig nicht mehr wie früher in ihrem Revier dem Wild über den Winter helfen. Es werden zusätzliche hohe bürokratische Hürden eingebaut, so dass artgerechte Fütterung fast nicht mehr möglich ist. Fütterung soll künftig nur noch auf sehr großer zusammenhängender Fläche und mit einer Konzeption möglich sein, die dem Ministerium vorzulegen ist. Damit könnte ein einzelner Revierinhaber, der sich querstellt, die Fütterung verhindern; zu Lasten des Wildes.

Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann fragt ganz offen: „Soll das Verhungern- lassen künftig tierschutzgerechtes Wildtiermanagement sein? Sollen wir Jäger beim Leiden tatenlos zuschauen, wo Fütterung geboten ist? Es kann doch nicht sein, dass die letzte Gruppe in der Bevölkerung, die sich für Wildtiere in aller Konsequenz verantwortlich fühlt, durch das Ministerium zum Zuschauen gezwungen wird. Solche überdimensionierten „bürokratischen Handschellen“ lassen wir uns nicht ohne Gegenwehr anlegen.“ PM LJV BaWue

Beitragsbild: Illegale Fütterung? Dieses Stück Rotwild bedient sich am Vogelfutter im Garten. Copyright: Naturpix.ch/Gansner-Hemmi

 

Ein Gedanke zu „LJV Baden-Württemberg besorgt um Winterfütterung

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Verbale Abrüstung und weniger Schaum vor dem Fang täte der Diskussion um das Füttern von Wild in der Kulturlandschaft gut. Das für mich entscheidende Kriterium bei der Frage “Fütterung von Wild ja oder nein?” ist eben die Kulturlandschaft. Wenn sie verhindert, dass Wild seinem natürlichen Lebensrhythmus nachgehen kann, wie das beispielsweise für das Rotwild insbesondere im montanen und alpinen Raum zutrifft, dann muss in der Notzeit gefüttert werden, um dem Anspruch unseres mit Verfassungsrang ausgestatteten Tierschutzes gerecht zu werden. Wenn Fütterung dazu dient, mehr Wild auf der Fläche zu haben, als die Habitatkapazität zulässt oder Wild im eigenen Revier zu halten, dann muss Fütterung verboten werden. So einfach ist das. Und noch etwas muss man auch als Angehöriger der grünen Zunft sagen dürfen, ohne sofort angefeindet zu werden. Gerade weil es in diesem Spannungsfeld zu viele missbräuchliche Fütterungen gab und gibt, haben die Überlegungen zum totalen Fütterungsverbot beim Gesetzgeber – sicher auch auf Einflüsterungen von Ökofantasten hin – solch radikale Formen angenommen.

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