Lieber ohne Biber?

Blechen für den Biber

Schmidt fordert den Aufbau eines Bibermanagements im Oderbruch. Ziel ist einerseits die Sicherung einer stabilen Biberpopulation in geeigneten Lebensräumen, andererseits die Verhinderung und Beseitigung von Biberansiedlungen in Tabuzonen. Die Bestandsregulierung möchte Schmidt den Gewässer-und Deichverbänden überlassen, die bereits über geschulte Fachkräfte für den Bisamfang verfügen.

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Durch Biberdämme vernässte Ackerfläche im Oderbruch. Foto: SE

Ulf Wolter vom KJV Seelow sieht das ähnlich. Seiner Einschätzung zufolge stehen die Jäger im Oderbruch der Biberjagd mehrheitlich ablehnend gegenüber, weil sie das damitverbundene Imageproblem ebenso fürchten wie eventuelle Forderungen nach Wildschadensersatz. Dabei wäre die Aufnahme des Bibers ins Jagdrecht nicht zwangsläufig mit Wildschadensersatz verbunden: „Das Bundesjagdgesetz regelt die Wildschadensersatzpflicht für alles Schalenwild, Fasane und Wildkaninchen“, erklärt der Berliner Rechtsanwalt Jens Ole Sendke. „Darüber hinaus gibt es etliche Arten wie Hasen oder Ringeltauben, die dem Jagdrecht unterliegen und Schäden verursachen, für die aber keine gesetzliche Wildschadensersatzpflicht besteht.“

Allerdings gäbe es vermutlich Bestrebungen, den Jägern entsprechende Forderungen in den Jagdpachtverträgen aufs Auge zu drücken, meint der Jurist. „Angesichts exorbitanter Schäden und schwieriger Bejagung ist von der vertraglichen Übernahme von Biberschäden aber dringend abzuraten.“

Naturschutz zum Nulltarif?

Während Jäger die Biberjagd mehrheitlich ablehnen, gibt es nicht wenige Umweltschützer, die den Biber angesichts zunehmender Probleme und einer ablehnenden Bevölkerung ganz gern im Jagdrecht sehen würden. Natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, zitieren lassen will sich mit diesem Bekenntnis keiner. Prof. Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg räumt ein: „Der Biber hat am Deich schlicht nichts zu suchen.“ Seiner Auffasssung nach hängen die massiven Biberschäden am Deich mit dem ungewöhnlichen Zeitpunkt des Hochwassers zusammen: „Wir hatten noch nie Ende April, Anfang Mai Hochwasser, also während der Jungenaufzucht der Biber.“ Die Tiere versuchten, schnell Ersatz für ihre abgesoffenen Bauten zu schaffen.

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Foto: SE

Biberskeptiker führen die jüngsten Probleme darauf zurück, dass die Biberpopulation dank üppigem Nahrungsangebot und fehlender Regulierung explodiert sei. Prof. Freude widerspricht: Es gebe gar nicht so viele Biber am Deich. Die Massierung der Schäden in bestimmten Abschnitten zeige, dass es sich vermutlich nur um eine Familie handle, die durch die Behebung der Schäden immer wieder vertrieben werde. Freudes Behörde erarbeitet gerade ein Maßnahmenpaket, das sich mit dem vom Landkreis geforderten Bibermanagement teilweise deckt. So sollen die Deiche mit Bibergittern und Schotter gesichert, Problembiber weggefangen und Biberburgen kartiert werden. Wildrettungshügel mit Biberröhren sollen die Tiere der Notwendigkeit entheben,bei Hochwasser Ersatzbauten anlegen zu müssen. Klar ist: Auch diese Maßnahmen gibt es nicht zum Nulltarif.

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Einer von vielen: Markierter Biberschaden am Oderdeich. Foto: SE

Der Bejagung der Biber steht Freude kritisch gegenüber. Die Gefahr sei groß, dass – ähnlich wie beim Schwarzwild – durch Eingriffe in die Familienverbände die Sozialstrukturen zerstört würden und Schäden durch herumvagabundierende Jungtiere eher zunähmen. Sinnvoller sei es, Schadbiber mit der Falle zu fangen – und zwar gleich die gesamte Familie. Das ist genau das, was zur Zeit mit den Deichbibern geschieht. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass die gefangenen Tiere nicht getötet, sondern ausgesetzt werden – dort, wo nach Ansicht des Naturschutzes „noch Platz“ ist. Eine fragwürdige Strategie, die umfangreiche Schadensersatzforderungen gegen das Land zur Folge haben könnte – die ersten Gerichtsverfahren laufen bereits.

Alles nur ein Ablenkungsmanöver?

Dabei lenkt die ganze Aufregung um den Biber möglicherweise nur von den eigentlichen Schuldigen ab: „Wo der Biber gräbt, graben auch andere“, sagt der bayerische Biberexperte Gerhard Schwab: „Nutrias, Bisam, Wühlmäuse oder Wildkaninchen. Wenn ein Bau einmal geflutet wurde, lässt sich kaum mehr feststellen, wer der Verursacher war. Aber wenn ein für Millionen Euro neu gebauter Deich nicht grabesicher gebaut wurde, dann ist das ein unentschuldbarer Planungsfehler. Da gehören die Planer zur Verantwortung gezogen, nicht die Biber bekämpft.“ Stephan Elison

Beitragsbild: Durch Biberdamm angestauter Vorfluter im ODerbruch. Foto: SE

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