Lieber ohne Biber?

Wie schön für die Politik, dass es einen Schuldigen gibt, der bestens dafür taugt, von den Versäumnissen im Hochwasserschutz abzulenken. Gemeint ist der Biber, der nach dem Elbhochwasser dem Populismus geopfert werden soll. Der eigentliche Skandal indes ist, dass für Millionen Euro sanierte Deiche nicht grabesicher sind.

Wir veröffentlichen diesen nach dem Oderhochwasser 2010 geschriebenen Beitrag aus aktuellem Anlass – die Reaktionen der Politik sind nach jedem Hochwasser ohnehin die selben.

Der einst fast ausgerottete Biber erobert sich seine Reviere zurück und verursacht gewaltige Schäden. Jetzt sollen es die Jäger richten – die wollen aber nicht. Ein Lehrstück über den Umgang des Naturschutzes mit seinen Erfolgen.

 An manchen Stellen ähnelt der nach dem Hochwasser von 1997 für 218 Millionen Euro sanierte Oderdeich in seiner neuen Löchrigkeit dem sprichwörtlichen Schweizer Käse: Alle dreißig Meter markieren Fähnchen und Pflöcke neu entdeckte oder bereits behobene Biberschäden. Zwischen Spitz und Bienenwerder oder bei Zollbrücke wurden bis zu 18 Biberbaue auf 200 Deichmeter gezählt, bis zu 100 Schäden haben Helfer während des diesjährigen Hochwassers provisorisch behoben – pro Woche. Noch lassen sich die von dem Nager verursachten Kosten nicht genau beziffern. „Es geht aber auch gar nicht um die Schadenshöhe“, stellt Gernot Schmidt, Landrat des Kreises Märkisch Oderland klar: „Es geht darum, dass der Biber am Deich eine Gefahr für Menschenleben darstellt – und dann ist ein Biber zuviel.“

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Mit Sandsäcken notdürftig reparierter Biberschaden am Oderdeich. Foto: SE

Viele Bewohner des Oderbruchs sehen das genauso. In Polen, wo das Hochwasser 15 Menschenleben forderte und 8000 Hektar Land überflutete, sind die Abschusszahlen für den auch dort streng geschützten Biber heraufgesetzt worden. Auf deutscher Seite fordern Lokalpolitiker, den Abschuss des Nagers, eine „Null-Toleranz-Strategie“ im Bereich von Hochwasserschutzanlagen und die Aufnahme ins Jagdrecht.

Buhmann der Nation

Landrat Schmidt winkt ab: „Für die landes- und bundespolitisch gewollte Wiederansiedlung des Bibers sind Landesumweltamt und Landesumweltministerium verantwortlich,also sollen die sich Gedanken über die Regulierung machen. Wir sollten das Problem nicht auf ehrenamtlich tätige Jäger abwälzen, die so zum Buhmann der Nation werden.“ Die Jäger wären schlecht beraten, wenn sie sich ohne Not in umweltpolitische Auseinandersetzungen hineinziehen lassen. Es sei ein grundsätzliches Problem in Deutschland, meint der Landrat, zugleich Präsident des Landesfischereiverbandes, dass Fachleute wie Jäger und Fischer mit einer über Jahrhunderte gewachsenen Kompetenz in Hege und Pflege von Natur und Wildtieren sich gegenüber ideologisierten, fachfremden Lobbygruppen nur sehr schwer durchsetzen können.

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Landrat Gernot Schmidt. Foto: SE

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