Leuchtendes Beispiel

In unserer Serie “Atemberaubende Naturaufnahmen” veröffentlichen wir heute dieses Handyfoto, aufgenommen am 20.07. gegen 23 Uhr im südöstlichen Berliner Umland. Fragt sich nur, was darauf zu sehen ist: Eine trotz allerhöchster Waldbrandwarnstufe achtlos weggeworfene Zigarette? Die Leuchtdiode an Kalli sein verlorenes Handy? Nichts da: Es handelt sich um ein Weibchen der Art Lampyris noctiluca.

Also ein Glühwürmchen, genauer gesagt das Große Glühwürmchen bzw. Große Johannisglühwürmchen, eine der drei in Mitteleuropa vorkommenden Leuchtkäfer-Arten. Leuchtkäfer erzeugen Licht (Biolumineszenz), wodurch Männlein und Weiblein der jeweiligen Art zwecks Paarung zu einander finden. Bei manchen Arten leuchten männliche und weibliche Tiere, bei anderen nur die Weibchen. Beim hier abgebildeten Großen Leuchtkäfer locken die am Boden sitzenden, hell leuchtenden und flugunfähigen Weibchen die nur nur schwach leuchtenden, dafür aber beflügelten Männchen an.

Manche Leuchtkäfer-Arten senden ein Dauerlicht aus, andere blinken in arttypischen Rhythmen, an denen sich die paarungswilligen Tiere erkennen. Von der, ähm, Paarungswilligkeit gesteuert zu sein, ist jedoch auch beim Leuchtkäfer-Männchen nicht ohne Risiko. So ahmen (laut Wikipedia) Weibchen der Leuchtkäfer-Gattung Photuris das Blinken der Photinus-Weibchen nach, um so paarunsgswillige Photinus-Männchen anzulocken – und sie zu verspeisen: Ein besonders infamer Fall von Mimikry.

Die Leuchtkäfer erzeugen das Licht durch einen biochemischen Vorgang, bei dem Luciferine durch als Katalysator wirkende Enzyme (die Luciferasen) mit Sauerstoff und Adenosintriphosphat (ATP) zu Dioxetanen oxidieren. Beim Zerfall der instabilen Dioxetane wird Licht freigesetzt. Bemerkenswert ist der hohe Wirkungsgrad von 95 Prozent: Nur fünf Prozent der bei der beschriebenen Reaktion aufgewendeten Energie werden als Wärme abgegeben. SE

Foto: SE

Mehr Informationen über Leuchtkäfer, Bestimmungsschlüssel und die Möglichkeit, Vorkommen zu melden, gibt es hier.

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