Lesefrüchte 4: Grün würgt

Die Auslassungen der grünen Landtags-Abgeordneten Ursula Hammann zu “mehr Tierschutz bei der Jagd” in der FAZ und anderswo sind ein Monument der Unwissenheit, Verlogenheit und Heuchelei.

Mit der Jagd ist es wie mit dem Autofahren: So richtig lernt man es erst nach der Prüfung. Niemand würde behaupten, einer sei Jäger oder könne jagen, bloß weil er gerade die Jägerprüfung abgelegt hat. Wenn die grüne Landtagsabgeordnete und “Tierschützerin mit Herzblut” Ursula Hammann also im FAZ-Interview stolz verkündet, sie hätte jetzt den Jagdschein gemacht, um “auf Augenhöhe mit den Jägern diskutieren zu können”, wie sollte man das anders bewerten als ein Eingeständnis ihrer geradezu erschütternden Ignoranz? Seit Jahrzehnten sitzt Hammann im Landtag, seit Jahrzehnten macht sie (Anti-)Jagd-Politik – und erst jetzt hält sie es für erforderlich, die erforderliche Mindestqualifikation zu erwerben, um “ernst genommen zu werden?”

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht hier ja nicht um eine Stammtischdiskussion, wo selbstverständlich auch jeder Nicht-Jäger seine unqualifizierten Ansichten beisteuern mag. Aber Frau Hammann und ihre Grünen Parteigenossen schicken sich an, Jagd und Jagdgesetze nicht nur in Hessen zu verändern, sie haben die Macht, es zu tun. Da wäre es schon schön, wenn sie wenigstens wüssten, worum es geht. Bei einer Jungjägerin im ersten Jagdscheinjahr, die überdies nicht vorhat, die Jagd jemals auszuüben, darf man das bezweifeln. Aber eigentlich geht es nicht um Unwissenheit. Es geht um Ablehnung, Gegnerschaft, um einen Kampf gegen Jagd und Jäger, und das wird aus Hammanns Worten bei allem Bemühen um politikgerechte Verschleierung auch deutlich genug.

Obwohl der Interviewer der FAZ sich bemüht, kritische Fragen zu stellen, gelingt es ihm nicht (vermutlich weil er selbst nicht übermäßig viel Ahnung vom Thema Jagd hat), das eigentlich empörende an Hammanns Äußerungen herauszuarbeiten: Für uns Jäger ist Jagd die legitime nachhaltige Nutzung einer nachwachsenden Ressource. Hammann nimmt – sorgsam verklausuliert – eine geradezu dramatische Umwertung vor. Jagd sei “gelegentlich zur Regulierung notwendig”, räumt sie ein. Und das zeigt schon sehr deutlich, wohin die Reise geht (und wo wir Jäger auf keinen Fall landen wollen): Jagd als reine Schädlingsbekämpfung.

Man müsse sich fragen, so Hammann, “ob es wirklich notwendig ist, ein bestimmtes Tier zu schießen.” Eine Ente oder Gans zu schießen, um sie aufzuessen, begründet in ihren Augen offensichtlich keine Notwendigkeit – wieso auch, schließlich ist auch vegetarische/vegane Ernährung möglich. Ausgehend von dieser Vorstellung einer erforderlichen Notwendigkeit sind Hamman und ihre Grünen Khmer dann “die einzelnen Tierarten durchgegangen und haben gefragt, aus welchen Gründen ein bestimmtes Tier geschossen werden sollte.” Im Fortgang von Hammanns Ausführungen wird dann überdeutlich, dass es keine Übertreibung ist, von einer beabsichtigten Reduzierung von Jagd und Jägern auf Schädlingsbekämpfung zu sprechen: “Auf die Frage, beispielsweise, warum die Graugans geschossen werden müsse, welche Schäden in Hessen durch die Graugans entstanden sind, gab es dann keine Antwort”, so Hammann im FAZ-Interview.

Man muss einen Moment innehalten und sich klar machen, was diese Umwertung bedeutet: Die grüne Verbotspartei will etwas verbieten, was Menschen seit Millionen Jahren betreiben, was uns als “Jäger und Sammler” als Art charakterisiert und nur noch ausnahmsweise zur Abwendung von Schäden zulassen. Das ist so radikal und autoritär, dass sich wirklich auch jeder nichtjagdende, nichtrauchende, nicht-Auto-fahrende Bürger bange fragen sollte: Welches Verbot kommt als nächstes?

Um das Verbotsregime durchzusetzen, ist eine weitgehende Entmündigung des Jägers beabsichtigt. Der konnte bisher selbst entscheiden, ob beispielsweise der Hasenbesatz in seinem Revier eine Bejagung hergab oder nicht. Jetzt soll eine staatliche Verbotsinstanz und Behörde zwischengeschaltet werden: Bei den Graugänsen etwa die Staatliche Vogelschutzwarte. “Die Zahlen der Vogelschützer – das sind objektive Kriterien?”, fragt sich da sogar der Interviewer der FAZ. “Welches Eigeninteresse sollte die von drei Bundesländern – Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland – getragene Staatliche Vogelschutzwarte haben?”, fragt Frau Hammann zurück – was an Heuchelei und Verlogenheit kaum noch zu überbieten ist. Der Slogan “Grün würgt” muss sich wohl auf den Brechreiz beziehen, den solche Äußerungen hervorrufen.

Denn was das für Leute sind, die in staatlichen Vogelschutzwarten und Naturschutzbehörden sitzen und wessen Politik die nahestehen, ist sattsam bekannt, Fälle von sehr eigenwilliger Interpretation von Naturschutzgesetzen durch Behördenmitarbeiter sind ebenso dokumentiert wie Manipulationen der “Roten Liste” durch Naturschutzverbände. Da hilft es auch nicht weiter, dass Ursula Hammann sich gern auf “wissenschaftliche und wildbiologische Erkenntnisse” (damit kennt die gelernte Bankkauffrau sich aus…) beruft, etwa wenn sie in der Gießener Zeitung unter dem Beifall des Peta-Abgesandten verkündet, dass Hunde […] Kitze und Rehwild jagen […], sei “mehr als zweifelhaft.” Klar, wenn man stets nur die angeblichen sogenannten “Erkenntnisse” von gleichgesinnten “engagierten Wissenschaftlern”, zur Kenntnis nimmt und missliebige Forschungsergebnisse ignoriert, kann man sogar die klassischen Grundsätze der Biologie und alltäglich zu beobachtende Räuber-Beute-Beziehungen leugnen. Vielleicht sollten wir Jäger mal den Einsatz von Stöberhunden überdenken, wenn es “mehr als zweifelhaft” ist, dass Hunde Rehe jagen…

Es ist allzu offensichtlich, wobei es den Grünen wirklich geht: Die Jagd zu bekämpfen und zu beschneiden, so sehr es nur geht, durch Verbote und behördliche Gängelung den verbleibenden Rest so unattraktiv zu machen, dass die Jäger freiwillig hinschmeißen. Der Natur und den Tieren wird das nicht nützen. Nicht nur weil die Erfahrungen mit Jagdverboten vielerorts zeigen, dass Hunger und Krankheiten die nicht bejagten Bestände dezimieren, sondern weil es vielerorts allein den Hegebemühungen und Biotopverbesserungsmaßnahmen der Jäger zu verdanken ist, dass es überhaupt noch Lerchen, Feldhasen, Rebhühner, Wachteln und Kiebitze gibt. Das dürfte sich bald erledigt haben.

Schlimmer als die Auswirkungen auf die Natur ist die gesellschaftspolitische Dimension der grünen Anti-Jagd-Agenda. Es dürfte wohl keinen anderen Politikbereich geben, in dem die Gegner und Todfeinde einer gesellschaftlichen Gruppe über deren Wohl und Wehe bestimmen – so wie es der Fall ist, wenn den Grünen in allen möglichen Koalitionen die Jagdpolitik als Spielwiese überlassen wird. Wenn die Rechtspopulisten die Flüchtlingspolitik bestimmten und Autohasser die Verkehrspolitik, wäre es um den sozialen Frieden im Lande bald geschehen. In der Jagd geschieht genau das, und das ist es, was die Jäger zu zigtausenden auf die Straße treibt. Wir Jäger können uns zu Recht den alten Sponti-Spruch zu eigen machen: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt! SE

Beitragsbild: Internetseite von Ursula Hamman auf der Seite der Landtagsfraktion der hessischen Grünen.

 

4 Gedanken zu „Lesefrüchte 4: Grün würgt

  1. MH

    Ja, die Augenhöhe von Frau Hammann. Zumindest hatte sie in weiser Voraussicht schon ein Schild mitgebracht “Danke für die Höflichkeit”. Es sollte doch nur die passende Verordnung zum Gesetz geschaffen werden. Anstelle dessen die übliche Hetze gegen die Jäger im FAZ-Interview. Danke, Frau Hammann, für diesen Blick in Ihr Innerstes.

    Gut, daß es ein paar Leute gibt, die in die Zukunft schauen können und alles zum Guten wenden werden.

    À propos Zukunft: Wir dürfen gespannt sein, was bei der Jagdverordnung seitens der CDU noch passieren wird, wenn schon die GRÜNEN auf ihren Seiten kommunizieren, daß die Verordnung “dankenswerterweise durch unsere grüne Staatsministerin aus dem Lahn-Dill-Kreis Priska Hinz auch gegen den Widerstand einiges kleinen Teils der Bevölkerung umgesetzt (wird)”.

    http://www.gruene-lahn-dill.de/home/?no_cache=1&expand=581252&displayNon=1&cHash=dfe14609c164c3bfbbc7d983d9e7d9fc

    Antworten
    1. Paul

      Sprichwort ( Zitat ) : … es ist unglaublich, wieviel Geist aufgeboten wird, um Dummheiten zu beweisen ….

      Vermutung : Frau Hamann hat ihren Jagdschein auch mittels einer der ( bekannten / üblichen ) “Schnellbesohlungs-Lehrgänge” erworben ??!??

      Ergänzung : … weil sich einer mit Bäumen auskennt, muß er sich noch lange nicht mit dem Wald auskennen ….. !!!!

      Abschluß / Zitat : Eine falsche Allgemeinbildung und damit die Verflachung der Bildung haben dazu geführt, das jeder jedes zu können glaubt . – Kurt Tucholski –

      Antworten
  2. FRank

    Das Problem liegt bei uns!

    Lieber SE,

    vielen Dank für den sehr treffenden Beitrag und die Verlinkungen zu den Quellen. Dein Schlusssatz wie ebenso de Feststellung Dr. Rothers, dass die “roten Listen” den NS-Verbänden (schöne Analogie…;-) nur Instrument zur Spendenwerbung und Daseinsberechtigung sind, treffen es auf den Kopf. Mehr noch: Es ist die gesamte Thematik “Natur”, die mit allen erdenklichen Mitteln zur Konstituierung und Etablierung von politischem Einfluss und wirtschaftlicher Macht dient. Wie weit das geht, mag bspw. das im derzeit diskutierten Entwurf für ein neues NRW-LNatSchG mit einem geplanten Flächenvorkaufsrecht für die Verbände zeigen.

    Deine Kritik an Frau Hamann (würg!) verkennt indes, dass Politiker angesichts der Komplexität ihrer Ressorts leider selten wirklich eine detaillierte Ahnung von Fachfragen haben. Das schlägt sich in mannigfacher und erfolgreicher Einflussnahme – Stichwort Lobbying – weit über die Grenzen grüner Ressorts hinaus nieder. Nur haben es im Themenkreis Natur die Grünen geschafft, erfolgreich ihre Claims abzustecken. Und je mehr sie in Bedrängnis geraten – bspw. weil ihnen Frau Merkel recht erfolgreich ein Thema nach dem anderen “klaut” (von Atomkraft bis Flüchtlingspolitik) – desto existentieller wird es für sie, diesen Claim mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Dazu müssen ihnen zum einen alle sich bietenden Allianzen recht sein, zum anderen stört bei diesem Ziel natürlich jeder legitim durch die Kulturlandschaft “streunende Sachkundige”, dessen Wissen die Deutungshoheit dieser “neuen naturreligiösen Hohepriester” gefährden könnte, weswegen sie (die Sachkundigen) alle an die Kette gelegt gehören – egal ob Jäger, Angler, Bauern, Förster, Imker, Schäfer oder sonstwer.

    Dazui haben nicht nur die Grünen, sondern auch ihre modernen Truppen – in anderen thematischen und geografischen Zusammenhängen in den Nachrichten schlicht Taliban genannt – ihre Lektionen über das Funktionieren von Demokratie, Gesellschaft und öffentlichem Diskurs gründlich gelernt. Und fahren nun Dank geschickten strategischen Vorgehens die reiche Ernte ihrer Bemühungen ein. Ein wichtiges Element dieser Strategie ist das altbekannte “divide et impera” – teile und herrsche; in diesem Zusammenhang vllt. besser mit “spalte und herrsche” zu übersetzen. Und damit fällt das Problem auf uns zurück…

    Bspw. werden den Schäfern gerade Leckerchen in Sachen Vertragsnaturschutz hingehalten, der Viehwirtschaft Entgegenkommen mit Übergangsregelungen beim Ferkelkupieren in Aussicht gestellt, etc. pp. Auf dass die einzelnen Gruppierungen eines eigentlich gemeinsamen Grundinteresses (legitime Nutzung natürlicher Ressourcen) bloß nicht auf die Idee kommen, die Aussicht auf bestehende einstweilige Teilbehauptung ihrer selbst durch allzu forsches Auftreten in mächtigen Allianzen mit anderen zu gefährden. Sie verstärken damit nur einen Infekt unter den Landnutzern, der sich so nachgerade zur sie vollständig dahinraffenden Seuche auszubreiten droht…

    Was haben denn wir Jäger bspw. auf politischem Feld in den letzten Jahrzehnten getan? Uns bspw. mit Bauern in Fragen der Wildschadensregulierung verhakt, mit der Forstwirtschaft in Sachen WaldundvormitgegenWild und und und. Der eine dem anderen (im gleichen Boot) “sein Deibel” – das macht das Geschäft der Spalter leicht und wird den Kahn zum Kentern bringen.

    Da werden – fürchte ich – nunmehr auch keine egal wie großen eilends zusammengetrommelten Demos mehr helfen und keine Rückbesinnung auf die eigentlich doch gemeinsamen Interessen der Landnutzer. Denn wie nur die zwei o. a. ganz aktuellen Beispiele zeigen, funktioniert das Keile treiben zur Übernahme von erst Deutungshoheit und schließlich politischer und wirtschaftlicher Macht nach wie vor exzellent. Was auch durch eigene, oft von sehr kleinteiligem Denken begünstigte Ängste forciert wird.

    Von dem Aufstand jedenfalls, den es beim gegenwärtigen Stand des Fortschritts – in diesem wie gesagt über Jahrzehnte betriebenen Prozess! – benötigte, um eine Umkehr zu schaffen, sehe ich nicht nur uns Jäger meilenweit entfernt. (Die hier zufällig herausgegriffenen Jäger, Förster, Schäfer und Bauern mögen mir verzeihen, hier als Beispiele genannt worden zu sein – sie sind tatsächlich nicht mehr als dies!) Dazu wäre es nötig, zunächst einmal wirklich die gemeinsame Strategie der grünen Naturschützer klar zu sehen, ihr Gefährdungspotential und letztliche Zielrichtung zu erkennen – um sie dann, so noch nicht zu spät, wirksam durchkreuzen zu können. Wie wenig die einzelnen Verbände dazu schon strukturell in der Lage sind, mag das Beispiel England zeigen – dort musste sich erst eine verbandsunabhängige und -übergreifende Countryside Alliance bilden, um selbst solche Anachronismen wie bspw. die Foxhunts zu bewahren. Die CA hat sich nach meiner Erinnerung so etwa vor gut einer Dekade formiert – bei schon seinerzeit deutlich weniger grünem Einfluss im Unterhaus! Weswegen wir Landnutzer in Deutschland der Entwicklung mindestens so lange bereits hinterher hinken.

    Ob sich dieser Rückstand noch wird aufholen lassen, vermag ich kaum zu hoffen. Fest steht aber, sollte dies überhaupt noch eine Chance haben: Es ist allerhöchste Eisenbahn! Nix fünf vor Zwölf, Freunde – mindestens dreiviertel Eins!

    Antworten
    1. Paul

      Sprichwort ( Zitat ) : … es ist unglaublich, wieviel Geist aufgeboten wird, um Dummheiten zu beweisen ….

      Vermutung : Frau Hamann hat ihren Jagdschein auch mittels einer der ( bekannten / üblichen ) “Schnellbesohlungs-Lehrgänge” erworben ??!??

      Ergänzung : … weil sich einer mit Bäumen auskennt, muß er sich noch lange nicht mit dem Wald auskennen ….. !!!!

      Abschluß / Zitat : Eine falsche Allgemeinbildung und damit die Verflachung der Bildung haben dazu geführt, das jeder jedes zu können glaubt . – Kurt Tucholski –

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.