Lesefrüchte 3: Jagdverbot entzieht Dorf die Existenzgrundlage

Aufmerksame Jawina-Leser haben ähnliche Geschichten schon gehört, aber das macht nichts: Manche unliebsame Wahrheit kann man nicht oft genug verbreiten: Vor zwei Jahren hat Botswana die umstrittene Trophäenjagd verboten, die New York Times hat sich in dem abgelegenen Dorf Sankuyo im Okawango-Delta umgesehen und die verheerenden Folgen des Jagdverbots dokumentiert: “A Hunting Ban Saps a Village’s Livelihood” ist der Artikel von Norimitsu Onishi überschrieben. Ein Dorfbewohner bringt es auf den Punkt: “Früher, als es die Jagd gab, wollten wir diese Tiere beschützen, weil wir gut an ihnen verdient haben – heute haben wir keinen Nutzen von ihnen. Die Elefanten und Büffel zerstören unsere Felder und nachts kommen die Löwen in unsere Kraals.” Großraubwild wird zudringlicher, wenn es dunkel wird, trauen sich die verängstigten Dorfbewohner nichts mehr ins Freie.

Auch die Einkommenssituation der Dorfbewohner hat sich drastisch verschlechtert: Über Jahre hinweg haben die Abschuss- und Lizenzgebühren der Trophäenjäger und die Einnahmen für Tracking, Trophäenaufbereitung und andere Dienstleistungen Geld nach Sankuyo gebracht – Geld, das verwendet wurde, um Toiletten und Brunnen zu bauen und Häuser für die Ärmsten. Die Erlöse aus der Tropäenjagd finanzierten Stipendien für die Jungen und Renten für die Alten. Im Jahr 2010 hat Sankuyo 600.000 Dollar an der (nachhaltigen!) Erlegung von gerade einmal 120 Tieren verdient – das ist vorbei. “Das war das, was den Leuten den Schutz der natürlichen Ressourcen nahebrachte: Wir haben ihnen gesagt, dieser Löwe oder Elefant hat deine Toilette oder deinen Brunnen bezahlt”, sagt Sankuyos Bürgermeister.

Der Artikel liefert auch eine (von vielen) Begründungen dafür, warum Foto-Tourismus kein Ersatz für die Trophäenjagd ist: Foto-Touristen kommen meist nur an spektakuäre, gut erschlossene Orte – abgelegene Käffer wie Sankuyo, die für Jäger gerade interessant sind, lassen sie links liegen. Jäger benötigen weniger Infrastruktur, wenige Jäger bringen mehr Geld als ein ganzes Rudel Touristen, weshalb Jagdreisende nicht die üblen Auswirkungen des Massentourismus mit sich bringen.

Die Jagd dient den zwei großen Zielen, Einkommen zu generieren und die Tiere zu schützen, resümiert ein im Artikel zitierter Experte für Wildtiermanagement: Ironischerweise wurden weniger Tiere getötet, als es die Jagd gab. In Folge des Jagdbanns kehrt der Hass auf die Tiere zurück. SE

Beitragsbild: Der zitierte Artikel in der New York Times.

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