Leseempfehlung 1: Bericht aus “Prädatorland”

In der New York Times vom 15. August berichtete Stephen Castle unter dem Titel “Wolves, Resurgent And Protected, Vex Swedish Farmers” über die Probleme schwedischer Farmer und Schafszüchter mit der wachsenden Wolfspopulation in der Provinz Värmland. Der Farmer Ulf Ekholm, dessen Schafe hinter fünf Litzen Stromzaun weiden, bewacht von zwei massigen Wolfshunden, beschreibt die Situation als einen “Belagerungszustand”. Er hat einen schönen Spitznamen für diesen “anscheinend so idyllischen und üppigen Winkel skandinavischer Landschaft” gefunden: Prädatorland.

Die Schafzüchterin Elsa Lund Magnussen sagt, ein Wolfsangriff würde ihren Betrieb “für fünf Jahre zerstören”, es wäre “ein Desaster”. Aber sie scheint zu wissen, dass dieser Angriff eines Tages kommen wird. Ein Jäger beschreibt, wie er auf einer Elchjagd im Jahr 2008 seinen Hund durch eine Wolfsattacke verloren hat: “Das ist etwas, was du nie vergisst, wenn du deinen Hund so schreien hörst”, wird Claes Goran Lindberg zitiert. Zwei Monate später erwischte es seinen anderen Hund: Lindberg fand nur Kopf und Hals, den Rest hatte der Wolf gefressen. Lindberg sagt: “Wenn du die Spuren der Wölfe im Schnee siehst, macht es keinen Spaß, die Kinder zum Spielen rauszulassen.”

Aber, und das wird vielen bekannt vorkommen, über die schwedische Wolfspopulation bestimmen Leute, die nicht auf dem Land in Värmland leben: Da sind schwedische Tierrechtler und Naturschützer, die mit Spendengeldern medienwirksame Pro-Wolf-Kampagnen fahren und die Klagen von Jägern und Farmern als dummes, hysterisches Gerede abtun. Sie fordern, dass die noch relativ kleine schwedische Wolfspopulation (ca. 415 Tiere) auf 1500 bis 3000 Individuen anwachsen müsse. Per Dunberg von einer schwedischen Wolfsfreunde-Vereinigung, der – wie könnte es anders sein – in Stockholm lebt, vergleicht die Ressentiments der Landbewohner gegenüber dem Wolf mit Rassismus: Es sei “absolut derselbe mentale Prozess”.

EU-Bürokraten aus dem fernen Brüssel schreiben Warnbriefe an die schwedische Regierung, weil diese 44 Wölfe zum Abschuss freigegeben hat und drohen, Schweden vor dem Europäischen Gerichtshof zu verklagen. Es habe Alternativen zum Abschuss nicht sorgfältig genug geprüft und nicht dargelegt, dass der Abschuss die Art nicht gefährde. Der EU geht es um den Schutz einer angeblich bedrohten Spezies – schließlich habe Schweden die entsprechenden Abkommen und Verträge unterzeichnet. Unter den Betroffenen in Värmland gäbe es derweil “eine wachsende Frustration über die EU”, konstatiert Stephen Castle.

Elsa Lund Magnussen meint, ein Teil des Problems sei ein Demokratiedefizit: “Die Leute, die hier leben, sollten in den Entscheidungsprozess zu der Frage eingebunden sein, wie viele Wölfe wir hier vertragen können.” SE

Beitragsbild: Der Artikel in der Online-Ausgabe der NY Times, Copyright: NYT

3 Gedanken zu „Leseempfehlung 1: Bericht aus “Prädatorland”

  1. Ronald Braun

    Das ist halt das Zauberlehrling-Syndrom unserer selbsternannten Naturschützer: Der Zauberlehrling macht aus einem Besen einen Wasserträger, der läuft aus dem Ruder und überflutet das Haus, daraufhin zerhackt er den mit einem Beil mit der Folge, dass nun zwei Wasserträger noch mehr Unheil anrichten, bis der Meister dem Spuk ein Ende setzt.

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  2. Paul

    bzgl. der vorherigen Antwort :
    ….doch, wo soll bei uns der MEISTER herkommen – wir haben doch nur LEER-linge – auch wenn diese sich wie Meister “vorkommen”
    wenn es nicht gefahrlaufen würde, ernst zu werden – wäre das alles eine “Lachnummer” / über MEISTER, die keine sind…..
    Ich wäre froh, mich mit dem ” ernst-werden ” zu irren, aber l e i d e r werde ich recht bekommen…..

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  3. Benedikt

    Das erinnert mich an die Wölfe in den USA. Ein sehr sehenswertes Video dazu auf Youtube trägt den folgenden Titel: Wolves – Episode 11 – Boone and Crockett Country .
    Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=4Ry6RyjBAMQ
    Dort wird deutlich, wo die Entscheidungen getroffen werden. Jedenfalls nicht durch Wissenschaftler oder die Menschen auf dem Lande. Wir sollten daraus lernen!

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