Leichen pflastern (s)einen Wald

Werner Schmitz – JAWINA-Lesern als Co-Autor des preisgekrönten Afrika-Buchs “Auf Safari” bekannt – hat seinen sechsten Krimi geschrieben. Der Autor ist also ein Routinier, und das merkt man auch, denn “Im Wald der toten Jäger” hat alles, was ein guter Krimi braucht: Eine erkleckliche Anzahl gewaltsam und vorzeitig ins Jenseits beförderter Opfer, ein ganzes Bündel potenzieller Täter mit plausiblem Motiv, eine Prise Sex in Gestalt einiger, in ihrer Unterschiedlichkeit durchaus attraktiver Frauengestalten, die im Leser die Frage provozieren, ob, und wenn ja welche der allein lebende Protagonist am Ende wohl abbekommen wird. Verraten wir natürlich nicht. Man ahnt bis kurz vor Schluss nicht, wer (oder welche) der Verdächtigen es denn jetzt war(en), während im Rückblick alles total plausibel, ja zwingend erscheint, weil man dieser Art von Leuten ja schon immer alles Schlechte zugetraut hat und zutrauen muss. Mental eher schwerfällige Polizisten ermitteln und können heilfroh sein, dass deutlich gewieftere Journalisten ihnen ermittlungstechnisch unter die Arme greifen. Alles so, wie es in einem ordentlichen Krimi sein soll.

Der “Wald der toten Jäger” spielt im Jagd- und Jäger-Milieu, dessen Atmo Schmitz so treffend wie gekonnt eingefangen hat. Es ist flott und flüssig geschrieben, stellenweise sehr witzig und liest sich in einer bettschwerelosen Nachtschicht genussvoll weg. JAWINA-Leseempfehlung also: “Der Wald der toten Jäger” ist der richtige Schmöker fürs Feriengepäck und verkürzt ereignislose Stunden auf dem Ansitz. SE

Werner Schmitz, Wald der toten Jäger, Schreiber unter Mordverdacht, Klappenbroschur, 256 Seiten,16,99 € , 1. Auflage 2016, ISBN: 978-3-440-15221-8, Kosmos-Verlag, Art.-Nr.: 15221

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Werner Schmitz. Foto: privat

Zur Person

Werner Schmitz, Jahrgang 1948, lebt als Journalist und Autor in seiner Heimatstadt Bochum.
Nach der Schulausbildung arbeitete er 15 Jahre als Kommunalbeamter. Ende der siebziger Jahre verließ Schmitz das Rathaus. Es folgten journalistische Lehrjahre bei einer Stadtillustrierten und dem WDR-Lokalradio Dortmund.

In den achtziger Jahren veröffentliche Schmitz drei Kriminalromane, darunter Auf Teufel komm raus, „einen der besten Krimis, die in den letzten Jahren in deutscher Sprache geschrieben wurden“ (FAZ-Magazin).

Von 1989 bis 2007 arbeitete Werner Schmitz als Reporter im Inlandsressort des Stern. 1994 wurde sein Bericht über den gewaltsamen Tod eines deutschen Juden für den Egon-Erwin-Kisch-Preis nominiert. Im selben Jahr erschien Mord in echt mit ausgewählten Stern-Reportagen.
Zehn Jahre später folgte mit Schreiber und der Wolf der vierte Kriminalroman. 2010 veröffentliche Werner Schmitz den Krimi „Das Karpaten-Projekt“ und „Mit der Sonne steh’ ich auf“, die Biographie einer Siebenbürger Sächsin.

Danach übersetzte Schmitz drei Bücher des vergessenen US-Weltbestseller-Autors Robert Ruark ins Deutsche. Für Auf Safari, ein Buch mit Portraits legendärer deutschsprachiger Afrika-Jäger, wurde ihm und Rolf D. Baldus 2015 der Literaturpreis des International Council for Game and Wildlife Conservation (CIC) verliehen.

Die Gesamtverkaufsauflage seiner Bücher beträgt zur Zeit 135.000 Exemplare.

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