Laetare

Am vierten Fastensonntag, auch Rosensonntag genannt, soll Jerusalem sich freuen. Laetare, Jerusalem! heißt es zu Beginn der Messe und unser Merkvers lautet: Laetare, das ist das Wahre. Aber auch der Schnepfenjäger darf Freude empfinden. Das Wahre übrigens deshalb, weil der Strich jetzt in vollem Gang ist. Man kann also vermehrt mit in der Abenddämmerung streichenden Schnepfen rechnen.

Beim Verbot der Schnepfenjagd im Frühjahr spielten Artenschutzgründe die Hauptrolle, obwohl die EU-Vogelrichtlinie die Bejagung auch im Frühjahr unter bestimmten Voraussetzungen durchaus zulässt. Aber wie so oft hat Deutschland seine angeblichen EU-Pflichten auch in diesem Punkt eifrig, gründlich und sofort übererfüllt. Selbstverständlich können unterschiedliche Parameter wie Klima, Prädation oder Habitatverluste den Besatz lokal stark beeinflussen. Es kann aber auch bei uns keine Rede davon sein, dass die Jagd sich negativ auf die Besätze auswirkt. Hier kommt die sog. kompensatorische Sterblichkeit ins Spiel. Alle Tiere jeder Population sterben irgendwann durch Verhungern, Krankheit oder Prädation. Das ist eigentlich eine Binsenweisheit. Übrigens sterben Tiere außer im Zoo generell nur selten an reiner Altersschwäche! Wenn die Jagd also die natürliche Mortalität nicht übertrifft, hat sie keinen Einfluss auf Populationsgrößen. Im Umkehrschluss heißt das übrigens in Bezug auf Beutegreifer auch, nur wenn man möglichst flächendeckend und in jedem Jahr mindestens den gesamten Zuwachs abschöpft, kann man den Verliererarten der Kulturlandschaft wirklich helfen.

Dass Schnepfen promisk leben, wurde schon gesagt. Das bedeutet, zwischen Hähnen und Hennen gibt es nur während der Balz Kontakt. Das eigentliche Brutgeschäft bleibt den Hennen überlassen. Ein Hahn kann sich also durchaus mit mehreren Hennen paaren und eine Henne kann sich von mehreren Hähnen treten lassen. Ob es genetische Untersuchungen zur multiplen Vaterschaft eines Geleges gibt, ist mir nicht bekannt. Man weiß aber, dass nur jeweils eine gewisse Zahl von Hähnen am Strich teilnimmt. Werden Hähne dem Jäger beim Abendstrich zur Beute, so nimmt dennoch die Gesamtzahl streichender Hähne im betreffenden Gebiet nicht ab, weil andere Hähne, die bisher nicht an den abendlichen Flügen teilgenommen haben, nun auch zu streichen beginnen. Sie ersetzen also quasi die erlegten Geschlechtsgenossen. Und wegen der Promiskuität trennt man also durch die Jagd keine Brutpaare, wie das bei vielen anderen Vögeln, beispielsweise bei manchen Gänsearten, der Fall wäre.

Jetzt also um Laetare ist die Aussicht auf Jagderfolg besonders hoch. Gewissensbisse, die uns manche angeblich ökologisch Bewanderten einreden wollen, sind absolut überflüssig. Man darf Freude empfinden, Freude über die herrlichen und ungemein stimmungsvollen Vorfrühlingsabende im Revier und den einen oder anderen dabei erbeuteten Schnepf. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Laetare. Foto: Hans-Dieter Pfannenstiel

Bisher erschienen:

Laetare

Reminiscere

Oculi

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