Kurze Replik zu den Ausführungen von RA Jens Ole Sendke

Ein Beitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Hier zeige ich der geneigten Leserschaft Bilder eines LR, einen „Fels in der Brandung der Zeit“, wie es der von mir hochgeschätzte Rechtsanwalt Jens Ole Sendke ausgedrückt hat. Bei meiner vorerst letzten Jagd in Namibia konnte ich mich von den überragenden Qualitäten dieses Gefährts überzeugen. Allerdings wäre es ehrlicher zu sagen, ich musste mich überzeugen lassen. Denn dieser Fels, auf den Jens Ole Sendke anscheinend einen Großteil seines Privatlebens aufgebaut hat, bescherte uns einen nächtlichen Gewaltmarsch durch die von ihm so eindrucksvoll beschrieben Wildnis des südlichen Afrikas. Ich sage deshalb uns, weil meine Frau, als Ehefrau eines Jägers durchaus einschlägig leidgeprüft, diesen Marsch auch durchstehen musste. Doch der Reihe nach.

Dieser LR mit Linkssteuerung (die Fotos sind nicht seitenverkehrt) stammt vermutlich aus Deutschland und hat es auf verschlungenen Wegen irgendwann bis nach Namibia auf die Farm unserer Freunde geschafft. Die Kenntnis über die Herkunft dieses Blechhaufens ist im Dunkel der Geschichte verloren gegangen. Der „Fels in der Brandung“ lief zwar noch, röchelte jedoch zum Gotterbarmen und stieß aus dem verbliebenen rostigen Auspuffstummel Wolken aus, die auch den liberalsten Grünen bei uns zur Verzweiflung ob des nahenden Endes der Welt getrieben hätte. Der Tank befand sich unter dem rechten Vordersitz und musste täglich gefüllt werden. Dazu musste jeweils das Sitz“polster“ gelüftet werden. Ich schätze den Spritverbrauch auf 30 Liter auf 50 km! Die Scheinwerfer des LR waren beinahe ein Totalausfall. Wenn man allerdings ein Knöpfchen drückte (man sieht es auf dem Foto an mehreren Kabeln fast bis zum Gaspedal herunterhängen), dann leuchtete das Fernlicht einer Seite. Sobald man den Knopf losließ, war auch das Licht wieder aus. Also mussten nächtens entweder der Fahrer oder der Beifahrer diesen Knopf während der Fahrt ständig gedrückt halten, um nicht in der afrikanischen Wildnis auf Abwege zu geraten.

Kein überflüssiger Schnickschnack: Cockpit des von Prof. Pfannenstiel gewürdigten klassischen Land Rover. Foto: HDP

Bei jeder für unsere Vorstellungen unbedeutenden Bodenwelle wurde einem als Folge des einzigartigen und weltweit bekannten Federungskomforts eines LR der Knopf aus der Hand geschlagen und musste in der darauf folgenden Finsternis erst wieder gesucht und gedrückt werden. Dass viele solcher Felsen in der Brandung noch heute fahren, liegt schlicht an der ideologisch verbrämten LR-Ideologie, die schon masochistische Züge aufweist.

Eines Tages brachte uns nun ein Mitjäger mit diesem Schrotthaufen zum Nachmittagsansitz, fuhr dann ein Stück weiter und setzte sich ebenfalls an. Wir hatten sehr guten Anblick und kurz vor dem Dunkelwerden noch das seltene Glück auf 60 m einen Leoparden zu sehen, der sich auf einem Termitenhügel wie ein Denkmal präsentierte. Für ein Foto war es leider schon zu dunkel. Im Hochgefühl dieses seltenen Anblicks warteten wir in heiterer Stimmung auf unseren Abholer, der sich kurz darauf auch knatternd mit einer Riesenauspufffahne wie ein geschweifter Meteor näherte. Unsere heiteren Empfindungen nach dem Anblick dieses herrlichen Leoparden wichen aber jäh nach etwa 200 m Fahrt. Die Fahrt war nämlich zu Ende. Rien ne vas plus! Irgendjemand hatte anscheinend vergessen, den Tank des nimmersatten LR vor unserer Ausfahrt zu füllen. Ich glaube allerdings eher, dass die Tankkapazität für unseren nachmittäglichen Jagdausflug einfach zu gering war. Und zu allem Unglück war der Akku des Funkgeräts so schwach, dass wir keine Hilfe von der Farm holen konnte. So mussten wir zu dritt, unser Chauffeur, meine Frau und ich, die beiden Jäger mit zeitweilig geschultertem Gewehr, den Rückweg zu Fuß antreten. Es war eine glückliche Fügung, dass der gerade am afrikanischen Himmel gleißende zunehmende Mond uns den Weg wies. Meine Frau, obgleich Försterstochter und von jeher mit den Gefahren wilder Tiere vertraut, äußerte mehrfach die Befürchtung, vielleicht die Beute eines Leoparden oder einer Hyäne zu werden, weshalb wir beiden Jäger etwa die Hälfte des über 10 km langen Weges im Voranschlag marschierten und des Öfteren nach allen Seiten sicherten, insbesondere dann, wenn aus der Vielzahl der Tierstimmen der afrikanischen Nacht irgend ein Laut besonders nah oder bedrohlich erschien. Erst als die Lichter der Farm in Anblick kamen, sahen wir einen Wagen auf uns zukommen. Man hatte sich dann auf der Farm schließlich doch Sorgen über unseren Verbleib gemacht und eine Suchmannschaft in Bewegung gesetzt.

Tanken nicht vergessen: Gäste-Land Rover auf einer Farm in Namibia. Foto: HDP

Inzwischen hat es sich glücklicherweise auch in Afrika herumgesprochen, was es tatsächlich mit dem „Fels in der Brandung“ auf sich hat, und Toyota hat LR dort und auch in Asien längst den Rang abgelaufen. Wenn ein paar Nostalgiker mit masochistischer Veranlagung weiter auf der Rückbank eines LR „das Haupt demütig“ neigen wollen, um die Welt zu sehen, so sollen sie das tun.

Mein Ding ist das nicht. HDP

Beitragsbild: Betagter Land Rover in Namibia. Foto: Hans-Dieter Pfannenstiel

2 Gedanken zu „Kurze Replik zu den Ausführungen von RA Jens Ole Sendke

  1. Grimbart

    Geil, Riffelblech!
    Dafür, dass nicht getankt wird kann der LR nichts. Das ist Afrika. Ich kann mich auch daran erinnern, dass von Nachtfahrten in Namibia abgeraten wird. Wozu braucht man also so was überflüssiges wie Fernlicht? Den Bildern nach zu urteilen müsste das ein 109er sein. Der hat schon locker 40 Jahre auf dem Buckel. Über deutsche Abgasnormen braucht man da wirklich nicht reden. Mit so einem sind wir auch durch die Gegend gefahren. Dass öfter mal ein Zwangsstopp eingelegt werden musste lag aber nicht am Fahrzeug an sich, sondern an den runden schwarzen Dingern, die sich Reifen nannten. So was legt sich der Landwirt bei uns noch nicht mal auf die Siloplane. Afrika halt.

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