Kritik an “tierschutzwidrigem Vorgehen des MLUK”

In einem Offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden der im Brandenburger Landtag vertretenen Parteien kritisieren Wildmeister Klaus Mordhorst, Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, Prof. Dr. Christoph Stubbe das “tierschutzwidrige Vorgehen des MLUK” bei der Schonzeitaufhebung wegen ASP und appellieren an die Politiker, ihrer “Verantwortung auch für das Wohl unseres Wildes gerecht” zu werden.

Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

“An die Fraktionsvorsitzenden der im Brandenburger Landtag vertretenen Parteien

Sehr geehrter Herr Stohn, sehr geehrter Herr Kalbitz, sehr geehrter Herr Redmann, sehr geehrter Herr Raschke, sehr geehrte Frau Dannenberg, sehr geehrter Herr Vida,

im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist der Schutz der Tiere seit geraumer Zeit in § 20 a festgeschrieben. Dem Tierwohl schenkt die Öffentlichkeit im Bereich der Viehhaltung in der Landwirtschaft nicht ohne Grund zunehmend Aufmerksamkeit. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg (MLUK) hingegen tritt das Wohl freilebender Tiere – Stichwort Wildtiere – mit Füßen.

Am 17.01.2020 hat das MLUK ein Schreiben an den Landesjagdverband Brandenburg e. V. und den Ökologischen Jagdverein Brandenburg-Berlin e. V. gerichtet. Im Zeichen der herannahenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) wird darin die Durchführung von Bewegungsjagden auf Schwarzwild auch über den 15. Januar hinaus im Zeichen der Seuchenprävention dringend empfohlen. Am 16. Januar beginnt allerdings die Schonzeit für wiederkäuendes Schalenwild (Rot,- Dam-, Reh- und Muffelwild). Individuen dieser Wildarten würden also bei solchen Jagden zwangsläufig mit beunruhigt, ohne dass sie bejagt werden dürfen. In besagtem Schreiben des MLUK heißt es: „Weder die Treiber, noch die Hunde, noch das Wild können hier unterscheiden bzw. steuern, wer beunruhigt wird. Das ist tierschutzrechtlich bedenklich.“ Das MLUK folgert daraus, dass man doch dann bei dieser Gelegenheit auch das wiederkäuende Schalenwild mit bejagen sollte und kündigt an, ab sofort Anträge auf Schonzeitaufhebung zunächst bis Ende Januar, perspektivisch aber auch bi Ende Februar zu genehmigen.

Das hat national und international zu erheblichen Diskussionen geführt. So führt z. B. Dr. Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung in einer Stellungnahme aus: „Es ist schlicht unanständig, die ASP als Vorwand für eine intensivere Jagd auf die von vielen Förstern ungeliebten Tierarten zu nutzen.“

Wie sieht es mit Wild im Januar/Februar in Wald und Agrarlandschaft aus? Beim Schwarzwild haben viele Bachen bereits gefrischt. Die Frischlinge sind entweder noch im Wurfkessel oder ziehen bereits mit der Bache. Andere Bachen werden noch hochbeschlagen (hochträchtig) sein. Bei einer Bewegungsjagd zu dieser Zeit werden mit Sicherheit führende Bachen erlegt, deren Frischlinge noch im Wurfkessel liegen bzw. deren Frischlinge unter Druck von Hunden und Treibern von der Mutter getrennt worden sind. Das Erlegen einer führenden Bache ist ein Straftatbestand. Das übrige Schalenwild hat seine inneren Organe anatomisch auf Winterruhe umgebaut und seinen Stoffwechsel dramatisch abgesenkt. Durch Beunruhigung auf der Bewegungsjagd zu dieser Zeit muss das Wild zusätzliche Energie aufwenden, was nur durch vermehrte Äsungsaufnahme kompensiert werden kann. Als Folge davon werden die Wildschäden, vor allem im Wald, noch steigen.

Wir bitten Sie, dieses tierschutzwidrige Vorgehen des MLUK in Ihrer Fraktion zu thematisieren und den zuständigen Minister dringend aufzufordern, Bewegungsjagden auf alle Schalenwildarten nur bis 31. Dezember zuzulassen. Es gibt andere Möglichkeiten, die Schwarzwildstrecke zu erhöhen, wie z.B. ein entsprechendes Prämiensystem oder der Fang von Schwarzwild. Wir sind uns der Verantwortung der Jägerschaft für die Absenkung der Schwarzwildbestände auch im Zeichen der ASP durchaus bewusst.

In § 1 des Landesjagdgesetzes Brandenburg heißt es:

„Wild ist ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Es ist als unverzichtbarer Teil der natürlichen Umwelt in seinem Beziehungsgefüge zu bewahren. Der Schutz des jagdbaren Wildes und seiner Lebensräume ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Werden Sie bitte Ihrer Verantwortung auch für das Wohl unseres Wildes gerecht.

Mit freundlichem Gruß

gez.

Wildmeister Klaus Mordhorst, Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, Prof. Dr. Christoph Stubbe”

Beitragsbild: Offener Brief von Wildmeister Klaus Mordhorst, Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, Prof. Dr. Christoph Stubbe an die Fraktionsvorsitzenden der im Brandenburger Landtag vertretenen Parteien. (Screenshot, Ausschnitt)

Ein Gedanke zu „Kritik an “tierschutzwidrigem Vorgehen des MLUK”

  1. Zündelnerlaubt

    Da tun die Herren das, was eigentlich Aufgabe der Verbände wäre. Das sie dies tun verdient Anerkennung tellt aber unserern bezahlten Verbänden gleichermaßen ein Armutszeugnis aus. Keine Mahnwache organisiert, keine Plakate, keine Kampagne und kein Aufruf dort nicht mitzumachen.

    Es ist auch bezeichnend, das man von der Tierschutzseite nichts hört.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.