Konflikte mit Jagdgegnern: “Der Konfrontation besser aus dem Weg gehen”

Regelmäßig schaffen es Konflikte zwischen Jägern und Jagdgegnern oder Jagdstörern in die Presse. Verfolgungsjagden, Vandalismus, verbale oder tätliche Auseinandersetzungen sind keine Seltenheit. Für Jäger steht dabei viel mehr auf dem Spiel, als für ihre Kontrahenten. Wir haben mit dem Anwalt und Justiziar des LJV Brandenburg, Jens Ole Sendke, über das richtige Verhalten im Konfliktfall gesprochen.

JAWINA: Aktuell berichtet die Lokalpresse über die Auseinandersetzung zwischen einem Jagdstörer bei Delitzsch, der nachts mit einer Taschenlampe herumgeleuchtet hat, um so das Wild zu vertreiben. Jetzt behauptet er, von einem Jäger mit der Waffe bedroht worden zu sein. Was steht für den Weidmann auf dem Spiel?

Jens Ole Sendke: Eine Menge. Als Legalwaffenbesitzer geht man bei solchen Auseinandersetzungen ein weitaus höherer Risiko ein, als ein Jagdgegner, der vielleicht schon viermal vorbestraft ist. Es kann durchaus passieren, dass noch am selben Abend die Polizei vor der Haustür steht und “zur Gefahrenabwehr” die waffenrechtlichen Erlaubnisse des Jägers einzieht und auch seine Jagdwaffen gleich mitnimmt. Zumindest für die Dauer des Ermittlungsverfahrens, das sich einige Zeit hinziehen kann, ist es dann erst einmal nichts mehr mit Jagd. Kommt es zu einer Verurteilung oder auch einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen, können Jagdschein und WBK für mehrere Jahre futsch sein.

Was ist im Konfliktfall mit Jagdgegnern anzuraten?

Auf jeden Fall der Konfrontation so gut es geht aus dem Weg gehen. Wenn sich eine Auseinandersetzung nicht vermeiden lässt, sollte man auf keinen Fall die Waffe dabei haben. Diese sollte vor einem etwaigen Streitgespräch im Auto oder bei einem Mitjäger deponiert werden. Aber noch besser ist es, wie gesagt, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

Sonst behauptet der Jagdgegner, er sei mit der Waffe bedroht worden und der Jäger hat ein Problem…

Genau so ist es. Diese Vorgehensweise wird in Jagdgegnerkreisen auch empfohlen.

Was ist also zu tun, wenn ich den Ärger auf mich zukommen sehe und nicht ausweichen kann?

Im Zweifel sofort die Polizei rufen. Leider kann es in ländlichen Gegenden lange dauern, bis die Polizei irgendwo im Wald eintrifft. Wenn andere Jäger mit ansitzen, kann man sie bitten, als Zeugen hinzuzukommen. Dies sollte aber auf keinen Fall dazu führen, dass man sich stark fühlt. Temperamentvolle Mitjäger sollte man unbedingt zur Mäßigung und Zurückhaltung auffordern, sonst machen sie alles nur noch schlimmer.

Ist es sinnvoll, Ton- oder Videoaufzeichnungen mit dem Smartphone anzufertigen?

Das kann sinnvoll sein und eine Beweisführung erleichtern. Jedoch sind Datenschutzaspekte zu beachten. Eine Aufnahme ohne ein vorrangiges Interesse und eine Speicherung können gegen geltendes Recht verstoßen.

Wenn ein Jagdgegner und ein Jäger sich in die Haare kriegen und es kommt zu polizeilichen Anzeigen – steht dann immer Aussage gegen Aussage?

Das kommt darauf an: Wenn es zwei Beschuldigte gibt und zwei Ermittlungsverfahren geführt werden, dann steht Aussage gegen Aussage. Ist einer Zeuge – und somit zu einer wahrheitsgemäßen Aussage verpflichtet –  der andere aber Beschuldigter, so wird den Aussagen des Zeugen möglicherweise eher Glauben geschenkt.

Und wer zuerst Anzeige erstattet ist Zeuge, der andere automatisch Beschuldigter?

So ist es. Deshalb ist es sinnvoll, sofort Anzeige zu erstatten. War der andere vor einem bei der Polizei und man reicht seine Anzeige gegen ihn nach, so ist der erste Satz, den man zu hören bekommt, dass gegen einen selbst in dieser Angelegenheit auch ermittelt würde und man daher das Recht habe, die Aussage zu verweigern und so fort.

Wie kann ich mich als Jäger überhaupt gegen Jagdgegner und Jagdstörer zur Wehr setzen?

Wenn ich ein Kennzeichen habe oder die Täter sonst wie bekannt sind, hilft der Weg zum Amtsgericht. Ich kann auf Unterlassung klagen oder eine einstweilige Verfügung beantragen. Das Jagdausübungsrecht ist ein eigentumsähnliches Recht und unterliegt dem Schutz der zivilrechtlichen Vorschriften. Das ist auch durchaus unangenehm für den Störer, denn die Verfahrens- und Gerichtskosten in diesem Bereich sind hoch, im Zweifel höher als ein Bußgeld. Ich kann außerdem bei den Behörden auch Anzeigen wegen Jagdstörung, Befahren der Waldwege und diverser anderer Ordnungswidrigkeiten oder Vergehen erstatten. Gegen unbekannte Täter ist es natürlich weitaus schwieriger, sich zur Wehr zu setzen. Anzeigen gegen unbekannt sind aber durchaus sinnvoll.

Die Fragen stellte Stephan Elison.

Beitragsbild: Umgestürzter Hochsitz. Foto: SE

 

 

Ein Gedanke zu „Konflikte mit Jagdgegnern: “Der Konfrontation besser aus dem Weg gehen”

  1. Ralf

    “Ist es sinnvoll, Ton- oder Videoaufzeichnungen mit dem Smartphone anzufertigen?
    Das kann sinnvoll sein und eine Beweisführung erleichtern. Jedoch sind Datenschutzaspekte zu beachten. Eine Aufnahme ohne ein vorrangiges Interesse und eine Speicherung können gegen geltendes Recht verstoßen.”

    Als Jäger ist man selten zu Zweit. Aus meiner Sicht ist das Smartphone in der Heutigen Zeit eine gute Möglichkeit (wenn nicht gar die einzige Möglichkeit), die Situation im Video festzuhalten. Hierdurch kann auch eine durch Jagdgegner geäußerte Bedrohung entkräftet werden. Es kann nicht schaden, bei der Aufnehme die Situation im Video zu schildern. Vielleicht auch nach Möglichkeit das Entladen filmen und “auf’s Video sprechen”:

    “Ich entlade mein Gewehr. Der Verschluss bleibt geöffnet/der Lauf abgeknickt. Das kann mein Gegenüber sehen. Heute ist der…., … Uhr. Ich befinde mich ….. . Mir gegenüber befindet/befinden sich….. . Er ist hier mit einem Pkw mit dem Kennzeichen…. . Soeben hat er folgendes gemacht. …störte meine Jagdausübung durch… ”

    Das ist das Prinzip der Bodycams der Polizeien. Aufzeichnung schreckt schon ab. Man sollte sich das Handy allerdings dann nicht wegnehmen lassen. Mal abgesehen davon, dass der Jagdgegner dann den Tatbestand des Raubes erfüllen würde… . Ein Jäger hat ein vorrangiges Interesse. Nämlich das Interesse der anschließenden Anzeigenerstattung. Lasst euch nicht sagen, dass ihr das nicht dürft. Ihr dürft es! Es darf nur nicht veröffentlicht werden.

    Und auch im Hinterkopf behalten: auch Jagdgegner haben Smartphones. Und auch wenn die Veröffentlichung den Straftatbestand des Verstoßes gegen das Kunst- und Urheberrechtsgesetz erfüllen würde- haltet euch an die Regeln! Ruhig bleiben und nicht provozieren oder zu irgendwelchen “rechtlich ungünstigen” Handlungen hinreißen lassen. Alles filmen, was die machen und dann anzeigen. Möglichst ruhige Bilder ohne Wackler sind von Vorteil. Also beruhigen und konzentriert filmen.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.