Konferenz Koexistenz mit Grossraubtieren: “Immer größere Herausforderungen”

Am 17. Oktober fand im Europäischen Parlament in Brüssel die Konferenz “Koexistenz mit Großraubtieren: Herausforderungen und Lösungen” statt. Zentrale Aussage: Es bedarf viel wirksamerer Maßnahmen zur Abschwächung der zunehmenden Konflikte zwischen Menschen und Großraubtieren in Europa. Die Konferenz stand unter der Schirmherrschaft von MdEP Karl-Heinz Florenz von der EVP-Fraktion und Vorsitzender der Intergruppe „Biodiversität, Jagd, Ländliche Aktivitäten“ des Europäischen Parlaments und wurde von FACE, dem Zusammenschluss der Verbände für die Jagd und Wildtiererhaltung in der EU, organisiert. Die aktuellen Managementprogramme und Schadensregelungen müssen geeignete Lösungen für die Koexistenzangesichts der Zunahme vieler Großraubtierpopulationen in Europas dicht besiedelten und multifunktionalen Landschaften bieten.

MdEP Karl Heinz Florenz stellte hierzu fest: “Das Zusammenleben von Mensch, Landwirtschaft, Natur und Tourismus mit gewissen Wildtierarten wie dem Wolf stellt uns vor immer größere Herausforderungen. Der Wolf ist ein politischer Katalysator und erhitzt derzeit europaweit die Gemüter, insbesondere in besiedelten ländlichen Räumen. Daher fordere ich, dass wir gute Managementpläne für Wölfe und andere bestimmte Wildtiere erarbeiten. Nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Faktoren sollten berücksichtigt werden. Wir müssen an das Thema sachlich und ohne Glaubenskriege herangehen und die Sorgen vieler Landwirte und Landbesitzer ernst nehmen. Bei allen Lösungsansätzen ist es wichtig, die betroffenen Landwirte, Landbesitzer, Jäger und Förster vor Ort mehr in die Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen und nicht über die Köpfe hinweg zu entscheiden.”

Dr. Nicola Notaro, Referatsleiter Naturschutz der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission verwies auf die Tatsache, dass Großraubtiere ein integraler Bestteil der Ökosysteme und Landschaften in Europa wären und der zentrale Ansatz zur Bewältigung der Konflikte zwischen den menschlichen Interessen und der Präsenz von Großraubtieren in der Entwicklung eines konstruktiven Dialogs mit Interessenvertretern, Landwirten, Jägern und Institutionen liegen sollte. Hierzu gehörte neben dem Kenntnisaustausch und der Zusammenarbeit auch die Nutzung der derzeit im Rahmen der EU-Gesetze und Politik zur Verfügung stehenden Instrumente, welche ausreichend flexibel wären, um an verschiedene Kontexte und geographische Gegebenheiten angepasst werden zu können. Herr Notaro verwies hierzu auf den Aktionsplan der EU für Natur, Menschen und Wirtschaft als Mittel zur Umsetzung dieser Maßnahmen.

Csaba Borboly, Mitglied des Ausschusses der Regionen und Präsident des rumänischen Landkreises Harghita, berichtete über die Ausarbeitung eines Berichts des Ausschusses der Regionen mit Schwerpunkt auf die Optimierung der Koexistenz zwischen Menschen und Großraubtieren. Herr Borboly verwies auf die bestehenden Konflikte durch den Braunbären in der eigenen Region und auf die unlängst erlassene problematische Quotenbeschränkung für Abschüsse und unterstrich, dass es für Rumänien notwendig sei, EU-Mittel für Natura-2000-Gebiete zu nutzen, die Koexistenz von Menschen und Großraubtieren zu verbessern sowie wissenschaftlich fundierte Ansätze für die Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Daniel Heindl von der Niederösterreichischen Landwirtschaftskammer berichtete über die extremen Schwierigkeiten für die traditionelle Weidewirtschaft in einigen Gebieten. Herr Heindl forderte konfliktfreie Gebiete, vor allem in den Alpenregionen Europas mit intensiver Weidewirtschaft. Die traditionelle, über viele Jahrhunderte gewachsene Almwirtschaft, stelle einen ökologischen und kulturellen Trumpf des Alpenraums dar und sollte in der Zukunft erhalten bleiben, ohne dass gesonderte Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Luis Suarez vom WWF Spanien verwies auf verschiedene Beispiele der gelungenen Koexistenz zwischen Menschen und Großraubtieren. Herr Suarez betonte, dass Konflikte gelöst werden können und verwies hier auf eine Vielzahl präventiver Maßnahmen sowie den Bedarf nach einer guten Zusammenarbeit der Interessenvertreter. Auch der LIFE-Förderzuschuss der EU und nationale Fonds zur Entwicklung des ländlichen Raumes könnten erfolgreich zur Verbesserung der Koexistenz zwischen Menschen und Großraubtieren genutzt werden. An der Konferenz nahmen verschiedene Mitglieder des Europäischen Parlaments, darunter Bendt Bendtsen (Dänemark), Annie Schreijer-Pierik (Niederlande), Renata Briano und Herbert Dorfmann (Italien), Stefan Eck (Deuchland) sowie John Stuart Agnew (Vereinigtes Königreich) teil, die sich aktiv an den Diskussionen beteiligten. PM

FACE ist der Zusammenschluss der Verbände für die Jagd und Wildtiererhaltung in Europa. Seit seiner Gründung 1977 vertritt FACE als internationale, nicht – gewinnorientierte Nichtregierungsorganisation die Interessen von sieben Millionen Jägern in Europa. FACE setzt sich aus seinen Mitgliedern, den nationalen Jagdvereinigungen aus 36 europäischen Ländern einschließlich der 28 Mitgliedsländer der EU, sowie sieben assoziierten Mitgliedern zusammen und hat seinen Sitz in Brüssel. FACE folgt den Grundsätzen der nachhaltigen Nutzung und gehört seit 1987 der Weltnaturschutzunion IUCN und seit kurzem auch Wetlands International an. FACE engagiert sich mit seinen Partnern für eine Vielzahl jagdrelevanter Belange zur Förderung der Jagd in Europa, welche von internationalen Umweltabkommen bis hin zu Umsetzungsmaßnahmen auf lokaler Ebene reichen. www.face.eu

Beitragsbild: Konferenz “Koexistenz mit Großraubtieren: Herausforderungen und Lösungen” Foto: FACE

2 Gedanken zu „Konferenz Koexistenz mit Grossraubtieren: “Immer größere Herausforderungen”

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Das Europaparlament hat mal wieder bestätigt: After all is said and done there is much more said than done!
    Auf Deutsch sage ich, insbesondere auch an deutsche Politiker und Gesetzgeber: lasst den Worten bald Taten folgen, sonst geht die Akzeptanz für Isegrim im ländlichen Raum bald von Null in den Minusbereich.

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  2. Ronbi

    Und noch ne Kommission.
    Wie wäre es mit einem Woöfsmanagement, wie in Schweden.
    Wolfsfreien Gebieten für die Weidewirtschaft.
    Selbstverteidigungsrecht für Schäfer, vielleicht mit der “Lupara.”

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