Kommentar: “Sogenannte Spielregeln”

Der Jawina-Bericht über den Rausschmiss deutscher Mitglieder aus dem tschechischen Schweißhundeverband CMKCHB hat den Schweißhundeführer Dettmar Delbos veranlasst, uns einen ausführlichen Kommentar zu schreiben, den wir im folgenden ungekürzt wiedergeben.

“Wer gibt unseren in Ehren ergrauten deutschen Schweißhundeverbänden eigentlich das Recht, Verbandsmonopolismus zu betreiben? Wer gibt ihnen das Recht, festzulegen, wer welchen Hund zur Jagd führen darf und mit darüber zu bestimmen, in welchem Verband ein Jäger Mitglied sein darf, unabhängig vom Alter, Herkunft, Hautfarbe oder Geldbeutel?”

“Betr.: JAWINA „Skandal: Tschechischer Schweißhundeverband schmeisst deutsche Mitglieder raus

Sehr geehrter Herr Elison,

bitte gestatten Sie mir, dass ich zu dem oben genannten Artikel einige Gedanken äußere.
Ich bin seit vielen Jahren im Besitz eines Jagdscheins und führe einen nun fast schon 10-jährigen BGS-Rüden slowakischer Zucht, ausgestattet mit allen gültigen FCI-Papieren. Vorprüfung wurde seiner Zeit erfolgreich bestanden und die Jagdtauglichkeit durch erfolgreiche tierschutzgerechte Nachsuchen bestätigt.

Bedingt durch Eigenkündigung per 31.12.2015 war ich mehrere Jahre Mitglied im CMKCHB, dem tschechischen Schweißhundeverband. Diese Mitgliedschaft wurde angestrebt, weil eine Mitgliedschaft in den traditionellen deutschen Schweißhundeverbänden und die Aussicht jemals einen BGS/HS Welpen zu bekommen aufgrund meines Alters, Jahrgang 1950, schlichtweg unmöglich war. Die von mir betreute Gebirgs-Hochwildjagd jedoch erforderte einen Spezialisten um eine tierschutzgerechte Nachsuche sicherzustellen.

Ähnliche Überlegungen mag auch andere deutsche Jagdkollegen/-Innen zu einer Mitgliedschaft im CMKCHB veranlasst haben, sodass die Anzahl der in Deutschland beheimateten Mitglieder über die letzten Jahre auf fast 40 Personen anstieg. Von Seiten des CMKCHB wurde einer Mitgliedschaft deutscher Staatsbürger nicht widersprochen, ganz im Gegenteil.

Nach harmonischen ersten Jahren, Teilnahmen an Hundeführerschulungen und Übungen zur Verbesserung der Nachsuchenleistungen, Teilnahme an Zuchtschauen, Ablegen erforderlicher Vorprüfungen mit überwiegend guten und sehr guten Ergebnissen, sowie das herausragende Ergebnis eines deutschen Mitglieds beim internationalen Pokal „Moravky pohar 2013 CACT v. 26. 10. bis 27. 10. 2013 mit 392 Punkten (Sieger mit großem Abstand vor dem Zweitplatzierten m. 288 Punkten) dürften das ernste Bestreben nach guten Nachsuchenleistungen unterstreichen.

Diese Aktivitäten unterstreichen jedoch auch, dass es ein großes Interesse der deutschen Mitglieder gab/gibt, am Vereinsleben teilzunehmen und dem europäischen Zusammenwachsen Rechnung zu tragen. Freundschaften und gemeinsame Unternehmungen mit den tschechischen Jagdkammeraden waren die logische Folge. Freiwillig und ohne Zwang haben die deutschen Mitglieder auf Stimmrecht im Verband und auf Zuchtabsichten bis auf Weiteres verzichtet. Soviel zur Vorgeschichte.

In den zwei letzten Jahren mehrten sich jedoch die Anzeichen, dass es speziell einem traditionellen deutschen Schweißhundeverband, dem Vernehmen nach, dem Bayrischen GebirgsSchweißhundeverband v. 1912 e. V. in ersten Linie, nicht gefiel, dass vermehrt deutsche Jäger/-innen im CMKCHB als Mitglied geführt werden/wurden.  Eine mögliche Einflussnahme von außen auf den Vorstand des CMKCHB war nicht mehr zu übersehen.

Offizielle Stellungnahmen oder Benachrichtigungen über Änderungen  im Zusammenhang mit der Mitgliedschaft der deutschen Mitglieder durch den Vorstand des CMKCHB blieben aus. Vielleicht traute man sich auch nicht Farbe zu bekennen, wohl wissend, dass es keine Möglichkeit lt. Satzung des Verbands gibt, die die Mitgliedschaft nicht tschechischer Personen in Frage stellt.

Erste konkrete Schwierigkeiten dokumentierten sich ab 2014 in der zunehmend schleppenden Bearbeitung und Aushändigung notwendiger internationaler Papiere im Zusammenhang mit dem Kauf von Welpen und in der Nichtbeantwortung von konkreten Anfragen beim Vorstand des CMKCHB. Obgleich lt. Satzung des CMKCHB den tschechischen Mitgliedern gleichgestellt, ergingen keine Einladungen zu Mitgliederversammlungen mehr. Eine offizielle Kündigung der Mitgliedschaft der deutschen Mitglieder ist darüber hinaus bis dato ausnahmslos ausgeblieben. Sie dürfte laut Satzung des CMKCHB wohl auch schwierig wenn nicht gar unmöglich sein, da eine Begründung fehlt und wohl auch nicht „konstruiert“ werden kann. Auch wurde der gezahlte Mitgliedsbeitrag 2016 bis dato nicht zurücküberwiesen.

Gute Nachsuchenleistung: Der BGS des Verfassers nach erfolgreicher Nachsuche auf Gams. Copyright: privat

Das es konkrete Einflussnahmen auf den Vorstand des CMKCHB gegeben hat und wohl auch weiterhin gibt, dokumentiert nunmehr der Brief von Herrn Scherr, KBGS, auf die Anfrage der JAWINA. Jedoch erscheint die Begründung für den bis dato noch immer nicht offiziell ergangenen Ausschluss deutscher Mitglieder mehr als durchsichtig und konstruiert.

Es kann ja sein, dass es sogenannte „Spielregeln“ im ISHV beim internationalen Austausch von Welpen gibt. Die Frage aber sei gestattet, wer diese „Spielregeln“ aufstellt und wer sich daran zu halten hat, resp. wo sie denn niedergelegt sind. Oder werden diese Spielregeln fallweise erdacht um eigene, KBGS, Interessen zu schützen? Die Einhaltung der sog. Spielregeln in die Verantwortung des einzelnen, einen Welpen kaufenden Mitglieds zu legen, ist mehr als lachhaft. Vielmehr sollte sich Herr Scherr mit dem tschechischen Verband in Verbindung setzen auf Einhaltung der besagten Spielregeln zu drängen, wenn sie denn bestehen.

Die Nichteinhaltung der besagten Spielregeln nun als Basis heranzuziehen um  darauf zu drängen ca. 40 deutschen Mitgliedern im CMKCHB, quasi in Form einer Sippenhaft die Mitgliedschaft zu entziehen, weil angeblich eine entsprechende „Ausbildung eines Schweißhundes für die tierschutzgerechte Nachsuche“ nicht gewährleistet wäre, ist an den Haaren herbei gezogen und disqualifiziert darüber hinaus den tschechischen Verband, der die Prüfungen abgenommen und die Eignung der Hunde bestätigt hat.

Nein, vermutlich geht es hier um etwas ganz anderes! Unter dem Deckmantel der Erhaltung eines genetisch unbedenklichen Zuchtmaterials und einer kontrollierten Schweißhundeausbildung zur Sicherstellung einer tierschutzgerechten Nachsuche sollen kommerzielle Interessen der deutschen, traditionellen, KBGS/VH, Zuchtverbände und deren „einzig gültiges“ Wissen um die Jagd, die Schweißhundeausbildung und -zucht gewahrt bleiben. Und hier haben sich bitte alle anderen Zuchtverbände unterzuordnen, aber bitte nur und ausschließlich nach den deutschen Vorgaben.

Es ist schon erstaunlich, dass sich bis dato die Schweißhundeverbandslandschaft von den 2 deutschen Verbänden Vorschriften machen lässt. Die Verbandsführungen der nicht deutschen Verbände mögen selbst bewerten, ob dies gänzlich ohne Eigennutz geschieht. Man mag die Gründung und den Zulauf zu anderen Schweißhundeverbänden beklagen. Schuld an dieser Situation jedoch sind KBGS und VH selbst! Durch die logenähnliche, restriktive, teilweise an Arroganz und Überheblichkeit grenzende Verbandsführung, die restriktive Vergabe von Welpen nur an einige „genehme“, jüngere Mitglieder wurde das Terrain für die Gründung neuer Schweißhundeverbände und dem Zulauf der Mitglieder erst begründet.

Anstatt sich mit diesen Verbänden auf Augenhöhe zu treffen und dafür zu sorgen, sie in den JGHV aufzunehmen, werden bis dato alle Bemühungen unternommen um genau dies zu verhindern. Anstatt nach Möglichkeiten zu suchen, diese Verbände zu kontrollieren und damit den Genpool  für die Zucht zu erweitern und eine einheitliche, waidgerechte, gleichwertige Ausbildung der Hunde zu garantieren, werden diese Verbände diskriminiert und diffamiert. Sog. Schwarzzuchten wäre dann wohl der Boden entzogen worden.

In der Betriebswirtschaftslehre ist nachzulesen, wo Bedarf, dort auch ein Markt! Konkurrenz, auch im Verbandsleben bewirkt  manchmal Wunder! KBGS/VH haben die Zeit verschlafen und beharren auf ihren jahrlangen Traditionen des allein gültigen Wissens. Sie werden die Zeit nicht zurückdrehen, auch mit noch so großen Anstrengungen.

Es wird Zeit, in neuen Dimensionen zu denken! Speziell im größer werdenden Europa mit hoffentlich auch weiterhin offenen Grenzen. Wer gibt unseren in Ehren ergrauten deutschen Schweißhundeverbänden eigentlich das Recht, Verbandsmonopolismus zu betreiben? Wer gibt ihnen das Recht, festzulegen, wer welchen Hund zur Jagd führen darf und mit darüber zu bestimmen, in welchem Verband ein Jäger Mitglied sein darf, unabhängig vom Alter, Herkunft, Hautfarbe oder Geldbeutel?

Ich persönlich bin froh, dass es diese Vielfalt nunmehr gibt und bin sicher, sie wird wachsen, mit oder ohne Zustimmung der Vereinsführung von KBGS/VH. Vielleicht ist es nicht ganz abwegig zu sagen, Verbandsführungen im zusammenwachsenden Europa können voneinander lernen und falsch verstandenes Beharren auf althergebrachten Denkweisen ist, was es ist, falsch! Beruhigend zu wissen ist jedoch auch, und hier darf ich wieder eine Anleihe bei der  Volkswirtschaftslehre machen, Monopole schaffen sich langfristig selbst ab. Dies wird auch hier geschehen, für mich ein Lichtblick.” D.H.D.

Beitragsbild: Der slowakische BGS von Dettmar Delbos. (Copyright: privat)

JAWINA dankt für das Einverständnis zur Veröffentlichung von Text und Bildern.

 

 

Ein Gedanke zu „Kommentar: “Sogenannte Spielregeln”

  1. Hörig Mario

    Ein sehr lesenswerter Beitrag.
    Hier wurde alles korrekt wiedergegeben, genauso hat sich alles zugetragen.
    Ich selber war bei Vorprüfungen (selber geführt) Hauptprüfung und vielen gemeinsamen Veranstaltungen dabei. Es war immer sehr harmonisch, genau so wie Zusammentreffen unter Gleichgesinnten nun einmal ablaufen.
    Viele tschechische Züchter haben Welpen gern nach Deutschland abgegeben. Deswegen ist aber kein einziger tschechischer Jäger ohne Hund geblieben.
    Es ist wirklich bedenklich, wie von Seiten der beiden deutschen Vertreter im ISHV über diesen Verein ihr Einfluss auf andere Mitgliedsvereine angewand wird.
    Mittlerweile ist die Klage der Deutschen Mitglieder gegen die Entscheidung des (mittlerweile auch ehemaligen) Vorstandes des tschechischen Klubs in Prag eingereicht und bearbeitet worden.
    Auch wurden in der Slowakei auf Wunsch der Mitglieder dort vorgezogene Vorstandswahlen abgehalten.

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