Kommentar: Sind Lüge und Heuchelei eigentlich gemeinnützig?

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Vor kurzem hat der Bundesfinanzhof dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac die steuerrechtliche Gemeinnützigkeit aberkannt mit der Begründung, dass “allgemeinpolitische Tätigkeit” mit der Gemeinnützigkeit nicht vereinbar ist. Das sollte dem Nabu Thüringen zu denken geben.

Zu Recht kritisieren die Vertreter der Thüringer Jägerschaft die geplanten neuen Verbote im Entwurf zum Landesjagdgesetz: So wurde auf den Berliner Bleifrei-Symposien zur Bewertung der Risiken bleifreier Munition und der verfügbaren Alternativen mit aller wünschenswerten Klarheit festgestellt, dass der Eintrag von metallischem Blei aus jagdlicher Schrot- und Büchsenmunition außerhalb von Feuchtgebieten in toxikologischer Hinsicht vollkommen unbedenklich ist. Ein generelles Bleischrot-Verbot ist folglich sachlich nicht gerechtfertigt und damit unverhältnismäßig, zumal bleifreie Schrotmunition in Hinblick auf Tötungswirkung, Abprallverhalten und nicht zuletzt Toxizität hochgradig problematisch ist.

Ähnliches gilt für Totschlagfallen, die in Thüringen auch verboten werden sollen, was dem Nabu Thüringen jedoch noch nicht weit genug geht: Der Verband fordert ein komplettes Verbot der Fallenjagd, also auch der Lebendfangfallen. Begründung: Totschlagfallen würden Tiere “oft nur schwer verletzen, außerdem fange “keine Falle selektiv”, Tiere würden “unnötigen Gefahren ausgesetzt”, so ein Nabu-Sprecher laut insuedthueringen.de .

Das ist schlicht unwahr: Die in Deutschland zugelassenen Totschlagfallen töten in aller Regel sofort und sind “nach internationalen Tierschutz-Standards erfolgreich getestet”, wie ein LJVT-Sprecher konterte.

Für zartfühlende Tierfreunde sicherlich kein schöner Anblick: Aber der Fuchs in der Totschlagfalle ist schnell und schmerzlos getötet worden, die starke Federkraft der Fallenbügel hat ihm das Genick gebrochen. Am Bildrand sind die Holzpflöcke des Fangbunkers zu sehen, mit denen sich der selektive Zugang zur Falle steuern lässt. Foto: SE

Überdies lässt sich die Selektivität einer Falle über die Beköderung und die Gestaltung der Fangbunker durchaus steuern. Die Einlassungen des Nabu Thüringen sind zudem üble Heuchelei, denn dem Nabu ist die Unverzichtbarkeit der Fangjagd für viele Artenschutzprojekte bestens bekannt – er betreibt sie ja schließlich selbst, wie das Beitragsbild eindrücklich zeigt.

Ob es einem gefällt oder nicht: Wenn es darum geht, gefährdete Arten vor dem immer mehr zunehmenden Prädationsdruck durch opportunistische Beutegreifer zu schützen, kommt man ohne effiziente Fallenjagd oftmals nicht aus. Der Nabu Thüringen muss sich daher fragen lassen, ob ihm der Schutz von Allerweltsarten und invasiven Neubürgern wie Mink, Marderhund und Waschbär aus ideologischen oder populistischen Gründen wirklich mehr bedeutet, als z.B. die Erhaltung massiv bedrohter Bodenbrüter wie Rebhuhn, Kiebitz, Feldlerche oder Wiesenweihe.

Wie die linke Landwirtschaftsministerin Birgit Keller die Novellierung des Landesjagdgesetzes unter Hintanstellung demokratischer Spielregeln durchzupeitschen versucht, sorgt bei Vertretern der Jägerschaft für massive Verärgerung: “Vor wenigen Wochen wurde vom Ministerium ein Papier mit Vorhaben veröffentlicht, die noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden sollten”, erklärt ein LJVT-Sprecher gegenüber JAWINA. “Da kam das Landesjagdgesetz nicht vor. Jetzt soll es innerhalb weniger Wochen durchgebracht und zwischen dem 27. und 29. März abschließend im Landtag beraten werden – praktisch zeitgleich mit der Messe Reiten, Jagen, Fischen in Erfurt [29.-31.03], die den Verband organisatorisch und personell auslastet.” SE

Beitragsbild: Betonrohrfalle im Schutzgebiet – der Nabu als Fallenjäger. Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des DJV

 

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