Kommentar: Alle Jahre wieder…

Hunderttausende Wildtiere werden vorsichtigen Schätzungen zufolge Jahr für Jahr in Deutschland bei Erntearbeiten getötet, verstümmelt, plattgewalzt, zu blutigem Brei zerhäckselt. Jahr für Jahr produziert der Deutsche Jagdverband (DJV) Broschüren, Flyer, Pressemitteilungen und Videos, in denen für die wildtierfreundliche Mahd – von innen nach außen – geworben wird. Doch dass die Tod und Tierquälerei zwar nicht ausschließende, aber wenigstens auf ein unvermeidliches Maß reduzierende Erntemethode tatsächlich angewendet wird, habe ich noch nie gesehen. Und das, obwohl es, was den Zeit- und Energieaufwand angeht, ziemlich gleichgültig ist, ob nun von innen nach außen oder umgekehrt geerntet wird. Gefordert ist lediglich ein Umdenken, eine Umgewöhnung – aber selbst das ist offenbar schon zu viel verlangt.

Viele Jagdpächter berichten über die frustrierende Verweigerung jeglicher Kooperation von Seiten der Landwirte. Da wird jedes Jahr vor der Erntesaison aufs Neue darum gebeten, doch bitteschön vor der Mahd Bescheid zu sagen, damit die Felder abgesucht, Rehkitze geborgen und das sinnlose und qualvolle Sterben minimiert werden können – um dann bei der Fahrt durchs Revier feststellen zu müssen, dass die Wiesen – über denen Krähen und Bussarde kreisen, um sich an den Kadavern zu mästen –  wieder einmal ohne Ankündigung gemäht wurden. Ein Anruf, eine SMS oder Whatsapp, die dem Landwirt im Wildschadensfall wenig Schwierigkeiten bereiten – leider zu viel verlangt, wenn es um den Schutz von Wildtieren geht.

So wie immer: Auch dieses Getreidefeld wird von außen nach innen abgeerntet. Foto: SE

Natürlich gibt es auch Beispiele für eine funktionierende Zusammenarbeit von Landwirten und Jägern – vor allem dann, wenn Landwirte auch Jäger sind. Aber das scheinen, nach allem, was man sieht und hört, seltene Ausnahmen zu sein. Man fragt sich, warum die Appelle und detaillierten Empfehlungen des DJV für wildtierfreundliche Mahd so völlig ungehört und nutzlos verhallen – und welche Maßnahmen mehr Erfolg versprechen.

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Wunschdenken: Empfehlungen des DJV für tierfreundliche Frühmahd. Copyright: DJV

Landwirte, die Kitze ausgemäht haben, sind vor Gericht schon zu empfindlichen Strafen verurteilt worden. Sollte das die einzige Sprache sein, die sie verstehen? Das wäre bedauerlich, denn an einer weiteren Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Jägern und Landwirten kann keine der beiden Seiten Interesse haben.

Ob es um Massentierhaltung, Antibiotika- und Pestizideinsatz oder ausgeräumte Landschaften mit industriellen Monokulturen geht – Teile der Bauernschaft und ihrer Funktionäre legen eine trotzige, sture Verweigerungshaltung auch berechtigten gesellschaftlichen Forderungen gegenüber an den Tag. Das ist eine – vorsichtig ausgedrückt – kurzsichtige und riskante Strategie. Wer derart abhängig von aus Steuergeldern finanzierten Fördermitteln ist, wie die Bauern, sollte aktiv um Akzeptanz und Verständnis der zahlenden Bevölkerung werben. Das Totspritz- und Tierquäler-Image der Bauern ist dabei wenig hilfreich – es muss überwunden werden. Die wildtierfreundliche Mahd wäre ein Anfang. SE

Beitragsbild: Von Erntemaschinen zerhäckselter Frischling. Copyright: Hans-Dieter Pfannenstiel

Ein Gedanke zu „Kommentar: Alle Jahre wieder…

  1. Luftifux

    Mal was Gutes – zur Abwechslung…. Bei uns funktioniert die Kommunikation zwischen Jäger/ Landwirt / Fahrern – dank Handy und persönlichem Kontakt. Die Fahrer schalten die Lampen an, wenn Wild sichtig wird – scheren auch schon mal aus, um die Sauen rauszutreiben. Die breiten Schneisen geben dann gute Schußfelder, wenn dann noch gute Schützen vor Ort sind – liegen die Sauen. :-))

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