Klappen und sitzen

Mobile Ansitzleitern sind eine praktische Sache: Sie sind ruck, zuck aufgebaut und verschwinden nach dem Ansitz im Kofferraum. Wir haben zwei beliebte Modelle getestet.

Die Sauen brechen auf der großen Wiese am Waldrand“, klagt der Landwirt und deutet an, dass er nun doch mal Wildschaden anmelden müsse, wenn das so weitergeht. In dem stadtnahen Gebiet wimmelt es nur so von Spaziergängern, Joggern, Reitern und Mountainbikern. Ein ebenerdig abgegebener Schuss verbietet sich also – viel zu riskant. Jagdliche Einrichtungen gibt es nicht, weil sie hier immer wieder demoliert wurden. Da ist eine mobile Ansitzleiter genau das Richtige: Sie ermöglicht an (fast) allen Stellen im Revier sichere Schüsse aus luftiger Höhe mit dem Erdboden als Kugelfang.

Der weitere große Vorteil ist die schnelle Einsatzbereitschaft: Wer beim Reviergang am Nachmittag eine Stelle entdeckt hat, wo die Sauen brechen oder der Bock fegt, kann dort abends schon sitzen. Zwei beliebte mobile Alu-Ansitzleitern mussten im Test ihre Praxistauglichkeit beweisen: Der „superleichte Baumsitz“ von Frankonia (Art. Nr. 148141) und der Baumsitz „Waschbär“ von Askari (Art. Nr. 144640).

Die Konkurrenzmodelle unterscheiden sich in vieler Hinsicht: Die dunkelgrüneFrankonia-Leiter wiegt 12,6, das froschgrüne Askari- Modell bringt 15,5 Kilogramm auf die Waage. Der Sitz befindet sich bei Frankonia in 2,50 Meter Höhe, bei Askari thront der Jäger auf 2,75 Metern. Für den Frankonia-Baumsitz sind sowohl eine Verlängerung um 1,05 Meter als auch Zusatzstützen erhältlich, die den Baumsitz in eine freistehende Leiter verwandeln – beides gibt es für dieses Askari-Modell nicht. Den richtig großen Unterschied macht der Preis: Der Askari Waschbär kostet regulär 129,99 Euro, Frankonia bietet den Baumsitz für 319 Euro an. Für die QuickLock-Verlängerung werden nochmals 149, für die Zusatzstützen 189 Euro fällig.

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Leiterverlängerung beim Frankonia-Baumsitz.
Fotos: SE

Der günstige Preis des Askari-Sitzes dürfte wenigstens zum Teil dem Ikea-Prinzip zu verdanken sein: Kommt der Frankonia-Baumsitz nämlich weitgehend fertig montiert daher, so müssen Askari-Kunden das Produkt erst einmal zusammenbauen. Die in der Bedienungsanleitung dafür veranschlagte Zeit von einer Stunde erscheint allerdings stark übertrieben: In zwanzig Minuten hatten wir die paar Schrauben festgezogen.

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Askari-Bausatz.

Im Revier

In der Praxis ergaben sich weitere Unterschiede: Die Frankonia-Leiter punktet mit niedrigem Gewicht, schnellem und unkompliziertem Aufbau und ordentlicher Qualität. Auch mit der ratzfatz angesteckten Verlängerung steht die Leiter fest und stabil. Die gut drei Kilo Mehrgewicht des Askari-Modells machen sich bemerkbar, wenn man die Leiter vom Auto zum auserwählten Baum schleppt, außerdem ist sie ein wenig sperriger. Aber auch das Askari-Teil ist in wenigen Minuten auf- und wieder abgebaut und wirkt insgesamt hochwertig. Beide Baumsitze neigen dazu, beim Tragen auseinanderzuklappen – das nervt, lässt sich durch einen Spanngurt oder Ähnliches aber abstellen. Beide Leitern stehen dank der an der Rückseite angebrachten Zahnplatten sicher an Bäumen unterschiedlichen Durchmessers. Der „Waschbär“ wird mit einem Zurrgurt bombenfest mit dem Baum verbunden. Das mit einer KlampeKlampe zu sichernde Bändsel beim Frankonia hat Vorteile in der Handhabung, wirkt aber weniger vertrauenerweckend. Sicherheitsbewusste können einen Zurrgurt aus dem Baumarkt nachrüsten.

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Befestigung mit Bändsel und Klampe beim Frankonia-Sitz.

Wesentliche Unterschiede

Die Sitzprobe fördert den wesentlichen Unterschied zutage: Die Leiter von Askari lehnt mit der Sitzfläche, die von Frankonia mit dem Rückenteil am Baum. Dank der Rückenlehne ermöglicht die Frankonia-Leiter eine entspannte Sitzposition. Bei Askari muss der Baum als Rückenlehne fungieren, wobei die Sitzauflage auch als Rückenpolster dient. Die Form des Baums gibt also die Sitzposition vor, und die ist bei makellos geraden Bäumen schon sehr preußisch aufrecht. Bei langen Ansitzen wird’s daher ungemütlich.

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Das Frankonia-Modell.

Zudem erfüllt die am Sitz angebrachte Gewehrauflage des Askari ihre Funktion nur für Schüsse nach vorn – zu den Seiten hin fällt sie steil ab. Beim Frankonia- Sitz ist die Gewehrauflage am erhöhten Rückenteil angebracht und daher auch nach rechts und links einsetzbar. Deshalb geht es hier auch beim Auf- und Abstieg und Hantieren mit der Waffe weniger beengt zu, zumal die Sitzfläche beim Frankonia zehn Zentimeter breiter ist (41 statt 31 cm).

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Baum als Rückenlehne und Schießauflage beim Askari.

Fazit: In der Funktion bietet der superleichte Baumsitz von Frankonia einige Vorteile: Leichter, bequemeres Handling, bessere Sitzposition und zweckmäßigere Schießauflage. Der Baumsitz „Waschbär“ von Askari ist deutlich billiger und 25 Zentimeter höher als die Basisversion von Frankonia, dafür aber sperriger und unbequemer. SE

 

Ein Gedanke zu „Klappen und sitzen

  1. Joachim Ernst

    Ein kurzer aber alles Wesentliche erfassender Test. Die Preisunterschiede sind gewaltig. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß der Baum als Rückenlehne nur eine Notlösung ist. Um den fegenden Bock abzupassen, sicher ausreichend. Um die Vollmaondnacht auf Sauen durchzustehen, eher kritisch. Denn der Baum muß nicht nur von ansprechendem Wuchs sein, soll er als Rückenlehne dienen, er muß auch makellos sein. Eine kleine spite Ausbuchtung, es muß nicht einmal der Stumpf eines Ästchens sein, verdirbt die Freude am Ansitz nachhaltig. Hinzu kommt, daß man bald nicht mehr entspannt sitzt, sondern hin und her rutscht. Das ist auf einer Metalleiter meist mit naturfremdem Geräusch verbunden. Trotzdem eine mobile Leiter, gleich welcher Bauart, ist immer eine sinnvolle Anschaffung.

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