Klage für den Wolf

Ein Beitrag von Rainer Schmidt / Arkebek www.schmidt-arkebek.de

Aus den Steppen und Wäldern des Ostens zieht es den Grauhund, den Wolf, zurück in die Gebiete Westeuropas. Der Weg wurde ihm durch das Fallen des Eisernen Vorhanges geöffnet, der als Grenze von Menschenhand nur selten einen Durchschlupf in vielerlei Hinsicht ermöglicht hatte.

In der Frühgeschichte, der Homo sapiens lebte als nomadisierender Jäger und Sammler, näherte sich der Wolf dem Menschen und nutzte als Resteverwerter dessen Abfallhaufen. Die feinen Sinne, das Gehör und der Geruch, das Sozialverhalten, die Fähigkeit, im Rudel zu leben und zu jagen, beobachtete der jagende Mensch und nahm sich der Wolfwelpen an. So wurde der Wolf dem Menschen als Jäger unter Jägern ein Begleiter, der Rudelfremde nicht duldete und die Sippe auf Leben und Tod verteidigte. Etwa so erfolgte die Domestizierung des ersten Wildtieres in dem Zeitraum von 40.000 – 15.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung.

Rainer Schmidt: Der Wolf als Begleiter und Jagdkumpan

Der Mensch wurde schließlich sesshaft, säte Getreide und schuf sich damit Besitz. Der Besitz, dessen Eingrenzung und die damit verbundene Ausgrenzung anderer trennte die Menschheit im Sinne des Philosophen Jean-Jacques in Herrscher und Unterworfene, beziehungsweise auf einer neuartigen Ebene in Freund und Feind. Wohl spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde der Wolf dem Menschen eine Plage. Aus menschlicher Sicht war er in Hinblick auf die domestizierten Nutztiere nun Fressfeind, wenn er die große unberührte und unbesiedelte Wildnis verließ, um in menschlicher Nähe seinen Hunger zu stillen. Der Mensch begann zu dieser Zeit, mit Weitsicht, Ausdauer und Geschick vielseitig nutzbare Hunderassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zu züchten.

Aus mythologischer Sicht war der Wolf damals das Symbol einer freien, wilden und geheimnisvollen Natur, die insofern als intakt anzusehen war, als dass die Kulturvierung durch den Menschen erst einen Anfang erfahren hatte. In der altgermanischen Vorstellung waren die Wölfe Geri und Freki Begleiter des Kriegsgottes Odin, die siegbringenden Grauhunde der Schlacht. Allerdings verschlang der Fenriswolf dann mit der Götterdämmerung, dem Untergang Odins und der Welt alles Sein. Bei den Römern galt der Wolf als Beschützer, zumal Romulus und Remus von einer Wölfin ernährt und großgezogen worden waren. Zum Dank gründeten Romulus und Remus an jenem Ort 753. v. Chr. die Stadt Rom. Interessanterweise galt bzw. gilt der Wolf als heiliges Tier, so bei vielen Indianervölkern und den Inuit Nordamerikas. Selbst im Dschungelbuch wird das Findelkind Mowgli von einem Wolfsrudel großgezogen, worin ein Sinnbild mütterlicher Aufopferung zu sehen ist.

Nachdem der Wolf dem Menschen mit dem Beginn seiner Sesshaftigkeit ein Fressfeind geworden war, entwickelte er sich in den Geschichten, die man sich vermutlich am Lagerfeuer oder am wärmenden Herd erzählte, zu einem Bösewicht. Dem Wolf wurde über den gesamten Zeitraum des Mittelalters Übles nachgesagt, er sei ein Gehilfe des Teufels, der Hexen und Zauberer. Als Aas- und Leichenfresser war er der Menschenfresserei überführt, eine blutrünstige Bestie und eine Bedrohung menschlichen Lebens, dadurch dass er das Vieh der Menschen riss. Als Beispiel für den schlechten Ruf des Wolfes sei hier an die Märchen „Rotkäppchen“ oder „Die sieben Geißlein“ bzw. an den Begriff Werwolf erinnert. Die Kriege der Menschen, sei es der Dreißigjährige Krieg im 17. Jahrhundert oder der Siebenjährige Krieg im 18. Jahrhundert, schufen dem Wolf einen reich gedeckten Tisch. Nicht bestattete Leichen und herrenloses Vieh sowie entvölkerte Landstriche ließen die Populationen anwachsen. Epidemien (wie z. B. Cholera und die Pocken) und Hungersnöte schufen ihm darüber hinaus ein Schlaraffenland.

Die wachsende Bevölkerungszunahme, die Ausweitung der Bewirtschaftungsflächen und die Gewinnoptimierung vernichtete den Lebensraum vieler Tiere im westlichen Europa. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Wolf hier gänzlich ausgerottet. Im Norden und im Süden verblieben einige kleinere und begrenzte, im Osten die größeren Rückzugsmöglichkeiten für den Wolf.

Rainer Schmidt: Die Rückkehr des Wolfes

Das Jahr 2000 gilt als das Jahr der Rückkehr des Wildnis-Botschafters Wolf nach Deutschland, im Osten Sachsens wurde zu dieser Zeit das erste Wolfspaar beobachtet. Heute scheint er zurückgekehrt zu sein, der geschmähte Wolf, zurück in das Gebiet seiner Vorfahren, das lange vor dem Menschen seine Heimat war. Er setzt die Branten und Spuren in den Sand der westlichen europäischen Kulturlandschaften. Da rufen viele „Willkommen Wolf“ den naturentfremdeten Zeitgenossen zu, aber auch Klagen sind wegen des durch ihn verursachten Schadens in der Viehhaltung zu vernehmen.

Ich beklage das Schicksal des Wolfes. In der Frühgeschichte mag es eine Koexistenz, eine Art Symbiose gegeben haben, als es dem Menschen gelang, ihn sich zu seinem Jagdgefährten zu erziehen. Spätestens mit dem Beginn der Sesshaftigkeit sah der Mensch den Wolf dann als Bedrohung und Gefährder. Und so ist es heute noch. Die heutigen Monokulturen der Korn-, Raps- und Maisäcker gleichen Wüsten. Auf den Einöden werden die viel zu hohen Güllemengen, produziert durch die Massentierhaltung, ausgebracht. Insektizide und Pestizide und weitere Chemiegifte tragen zu einem Artensterben bei, das über die Insekten, über die Vögel bis hin zum Säugetier reicht. Die Böden, die Gewässer, die Luft, die Atmosphäre sind der industriellen Ausbeutung und Verschmutzung durch den Menschen ausgesetzt. Lärm, Gestank, Menschen in Dörfern und Städten, wohin der Wolf auch zieht. Zwar gibt es ein paar Fleckchen, die Naturschutzgebiete, die der Mensch der Flora und Fauna zugesteht. Da die Gebiete für den Wolf zu klein sind, werden seine Nachkommen aber durch ihn selbst verstoßen und vertrieben, sobald das Rudel zu groß geworden ist. So ist der vertriebene Wolf gezwungen sich ein eigenes Jagdrevier zu suchen. Gefahren erwarten ihn, wohin sein Lauf ihn führt. Als rastlose Streuner müssen Wölfe Zäune und Straßen überwinden und unsere zerschnittenen Industrielandschaften durchqueren. Europaweit säumen zu abertausenden die Wild-Verkehrsopfer als Kadaver und Aas die Verkehrsnetze, eine reiche Beute und Fraß für die Wanderer. Immer häufiger werden auch hier immer mehr Wölfe als Verkehrsopfer ihr unnatürliches Ende finden.

Rainer Schmidt: Des Wolfes bitteres Ende

Beklagenswerter, bemitleidenswerter, armer zurückgekehrter Wolf! Deine Zukunft in unseren ausgeräumten, artenverarmenden, bevölkerungsdichten und zersiedelten Landschaften Westeuropas ist dunkel. Hier ist dir ein artgerechtes Verhalten gar nicht möglich, du wirst zwangsläufig auffällig. In einem Märchen siegen stets die Guten, in der Wirklichkeit sieht das oft anders aus. Selbst in die Welt der Märchen kannst Du nicht verschwinden. Auch dort ist kein guter Platz für dich. Isegrim, du armer Hund, Du dauerst mich!

Text und Illustrationen: © Rainer Schmidt/Arkebek www.schmidt-arkebek.de

Die Red. dankt dem Verf. für Text und Bilder und JAWINA-Leser PF für den Hinweis!

Beitragsbild: Rainer Schmidt: Der Wolf nähert sich dem Menschen

33 Gedanken zu „Klage für den Wolf

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Zutreffender Situationsbericht. Welchen Schluss muss man daraus ziehen? Soll die Kulturlandschaft sich für den Wolf verändern, weil er hier keine optimalen Lebensbedingungen vorfindet, oder muss Isegrim an die Kulturlandschaft angepasst werden? Man sollte bei der Beantwortung der Frage immer im Gedächtnis behalten, dass es auf der Nordhemisphäre nach wie vor riesige und gut geeignete Wolfshabitate gibt. Als Art ist der Wolf überhaupt nicht gefährdet.

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  2. Eckhard Fuhr

    Lieber Herr Pfannenstiel, darüber haben wir doch schon so oft gesprochen, aber von der fixen Idee, der Wolf passe nicht in unsere Kulturlandschaft, können Sie offenbar nicht lassen. In unserer bis zum Anschlag gedüngten und in Folge dessen mit Schalenwild vollgestopften Zivilisationssteppe findet er ganz hervorragende Lebensbedingungen. Als kluges Tier weiß er das und verhält sich völlig seiner Natur gemäß, wenn er diese Gebiete wieder besiedelt. Die Vorstellung, dass Wölfe nur in Sibirien glücklich sein könnten, ist geradezu albern. Auch wegen der Ruhe und der Rückzugsmöglichkeiten sollte man sich keine übertriebenen Sorgen machen. Die moderne Land- und Forstwirtschaft kommt fast ohne menschliche Arbeitskräfte aus. Es gibt riesige Gebiete, die kaum eines Menschen Fuß betritt. Wir sollten aufhören, den Wolf auch noch mit unseren romantischen Wildnisvorstellungen zu traktieren.

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    1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

      Herr Fuhr, da ich jetzt weiß, dass Sie der ÖJV sind, wundert mich nix mehr. Als ich Ihren Kommentar las, sah mein geistiges Auge eine zugehängte Frau in Schwarz vor der Klagemauer, zeternd und jammernd, dass es so wenig Wölfe bei uns gibt. Auch sah es unseren Wald, wo an den Besucherparkplätzen das Schalenwild hervorquoll und die allgegenwärtigen Pilzsucher etc. zu erdrücken suchten. Auch sah es die Forstunternehmer mit ihren Harvestern, die reihenweise die Naturverjüngung platt machen, über Rehmassen hinweg rollen und Holzwüsten zurück ließen. Als ich zu mir kam, fiel mir wieder ein: Am schönsten hat´s die Forstpartie, denn der Wald wächst ohne sie.
      Der Scharlatan von Wohlleben hat das längst erkannt.

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    2. JB

      Hallo Herr Fuhr,
      danke für diese wunderbaren Zeilen. Sie sprechen mir aus dem Herzen. Ich glaube Herr Pfannenstiel liegt total falsch. Der Wolf kann hier sehr gut leben. Das sollten sich alle Jäger und Wolfsfeinde hinter die Ohren schreiben. Der Wildbestand ist zu hoch (Massentierhaltung im Freien) und schadet in diesen Massen dem Wald, der ja gerade im Klimawandel besonders bedroht ist und mit dem Wolf sich erholen kann.

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      1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

        Wem plappern Sie denn nach? Könnte es sein, dass es sich bei Ihnen um Klimakterium handelt oder haben Sie etwas genommen? Massentierhaltung beim Schalenwild und der Wolf als Heilsbringer für den Wald, so was kann nur träumen der zu heiß waldgebadet hat.

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  3. Ronbi

    Zu Tränen gerührt, bin ich.
    Nur ist der Wolf ein Tier, kein Mythos. Und wir sind es auch nicht, gehören zu den Trockennasenprimaten.
    Am Anfang der Begegnung, bis heute, war Homo sapiens sapiens Beute für Wölfe.
    Letzter Übergriff am 24.07.2019 in Estland auf eine Frau (en.wikipedia.org)
    Wie der Wolf zum Hund wurde, darüber gibt es viele Geschichten.
    Eher kaum als heldenhafter Jagdbegleiter.
    Eher wohl, als Müllfresser. Den Instinkt zur Kotfresserei haben die Zamperl sich bewahrt.
    Vielleicht waren es die einfühlsammen Steinzeitfrauen, die kleine Wolfsknäuel aufnahmen.
    Vielleicht waren es aber auch Windeln auf vier Pfoten, wie heute noch bei einem afrikanischen Stamm.
    Vielleicht war es aber auch nur mitmaschierender Proviant.
    Romulus und Remus, gute PR im Altertum.
    Jedenfalls hat es die Römer nicht abgehalten, riesige Hunde, zum Schutz ihrer Herden zu züchten.
    Mowgli – wie viel hat der gute Kipling von Biologie gewußt? Shirkan, der Tiger als Schurke.
    In Indien, haben wir eine Vielzahl von tödlichen Wolfsattacken, zu verzeichnen.
    In späteren Epochen, galt dann, als guter Herrscher, wer sein Volk, eben auch vor Wölfen, zu schützen verstand.
    Zum schlechten Ruf, haben neben den Wölfen selbst, sicher auch die Kirchen ihren Beitrag geleistet.
    Schmetterlinge, die die Seelen der Toten stehlen. Der Teufel, der Herr der Fliegen.
    Schwarze Hunde, schwarze Katzen, geht gar nicht.
    Den Wölfen ging es gut, auch auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs.
    Geht es den Menschen schlecht, geht es den Wölfen gut.
    Gilt bis heute. Wirtschaftskriese und die Menschen haben andere Dinge imKopf, als sich um Wölfe zu kümmern.
    Natürlich kommen Wölfe auch mit kleinräumigen, zersiedelten Landschaften zurecht.
    Aber kommen wir mit den Wölfen zurecht?
    Wälder voller Schalenwild, stimmt das wirklich? Wenn, dann sind Kahlschläge und fortlaufende Mastjahre der Bäume die Ursache.
    Irgendwann ist das Schalenwild abgewandert oder aufgefressen.
    Unsere Herden sind leichte Beute, Wölfe werden kaum davon ablassen.
    90 cm, 110 cm usw hohe Elektrozäune als Schutz? Wenn der Wolf springt, berührt er den Boden nicht, kann folglich keinen Schlag erhalten. Was hält ihn zurück und wie lange. Etwa das feine Sirren in stromführenden Leitungen, was unsere Ohren kaum wahrnehmen.
    Für 600 Schafe, 8 Herdenschutzhunde. Angewandter Irrsinn. 1000 Euro pro Hund und 1000 Euro Unterhalt pro Hund pro Jahr.
    Wollen wir extensive Weidewirtschaft oder eine weitere Industrialisierung, von Tierzucht?
    Und am Schluß werden die armen, armen Wölfe auf der Straße zusammengefahren, wo bleibt das Mitgefühl für Wildsau, Reh, Hirsch, Hase, Igerl und die vielen anderen.
    Warum hat der Luchs, in Fabel, Märchen und der Wirklichkeit, keinen schlechten Ruf, ist fast nicht vorhanden.
    Der Wolf dagegen, um so deutlicher vertreten.

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  4. Ronbi

    Nachtrag
    Hier herrscht auch die Agrarsteppe.
    Nur ist sie vollgestopft von Bikern, Läufern, Nordic Walkern, Spaziergängern, Hundegassigehern, Reitern.
    Und im Winter, von Bikern, Läufern, Langläufern, Nordic Walkern, Spaziergängern, Hundegassigehern, Reitern.

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    1. JB

      Hallo Ronbi,
      haben Sie vergessen,? Der Wald ist für alle da. Vielleicht gibt es auch zu viele Jäger, Tier-und Menschenhasser.
      Wir sollten alle mal auf dem Teppich bleiben und Vernunft annehmen. Ich fühle mit jedem totgefahrenen Wildtier, sogar für Dachs, Wolf, Hase Igel und Vögel.

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      1. Ronbi

        Der Wald ist für alle da: Harvester, Forwarder, Skidder. Und ab mit ihm nach China.
        Abgesehen davon, regulieren Wölfe gar nichts. Nicht einmal des Försters Fobie vor Wildverbiss.
        Die Reguliert nur guter Waldbau.
        Sonst regulieren in dieser Welt, die Beutetiere, die Beutegreifer.i

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  5. Ralf

    Irgendwie war mir klar, dass der stellvertretende Vorsitzende des brandenburger Ökologischen Jagdvereins (Eckhard Fuhr), sich dazu aufgerufen fühlt, Stellung zu nehmen.
    Mein Vorschlag wäre, dass wir Menschen uns komplett aus Deutschland zurückziehen, damit sich die Wölfe ganz “frei” entwickeln können. Wildnis pur. Dann nämlich gibt’s auch keine Probleme mehr mit den Wölfen. Alles regelt sich selber. Wollen wir nicht sogar in Brandenburg damit anfangen? Wäre doch super für die Wölfe, oder?

    Mal im Ernst: Lieber Herr Fuhr, glauben Sie wirklich das, was Sie da schreiben? Irgendwie vermisse ich den “Gesunden Menschenverstand” bei Ihnen!

    Alleine wenn ich einen Satz lese: “…Die moderne Land- und Forstwirtschaft kommt fast ohne menschliche Arbeitskräfte aus…” .
    Soll das jetzt ernsthaft zunehmende Reibungspunkte in der Beziehung Wolf-Mensch in unserer überwiegend dichtbesiedelten Landschaft entschärfen?
    Ich empfehle Ihnen folgende Lektüre:
    https://www.jawina.de/prof-dr-christoph-stubbe-der-wolf-in-russland-historische-entwicklung-und-probleme/
    Hier sind die Entwicklungen der Wölfe in Russland (bzw. Sowjetunion) aus sämtlichen Perspektiven wissenschaftlich erarbeitet und dargestellt. Ich habe es gelesen? Sie auch? Oder lehnen Sie es ab, weil es nicht Ihrer Vereinsgesinnung entspricht?

    Kurz auf einen Nenner gebracht: der Wolf muss bejagt werden. Mit Abstufung in der FFH-Richtlinie, Aufnahme ins Jagdrecht, Bestimmung von Jagdzeiten und mit Festlegung von Abschusszahlen. Alles andere entstammt nicht dem gesunden Menschenverstand. Es hat was mit Vernunft zu tun und nicht mit Ideologie.

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  6. Karl Schwabe

    Gibt es denn überhaupt verlässliche Zahlen zur Schalenwild-Beute des Wolfes? Ich höre und lese allenfalls von Gatterwild, aber meist von Weide- und Stallvieh als Beute.
    KS

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    1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

      Wie sollen solche Zahlen zustande kommen? Wenn überall dort wo Muffelwild war, der Wolf es aufgefressen hat, wird es wohl so sein, dass er leicht zu schlagendes Wild auch erbeutet. Da der Wolf aber auch ein Feigling ist, bedient er sich lieber an der Fleischtheke der Weidetierhalter bevor er eine wehrhafte Sau angreift. Hierzu sollten sich aber besser Pächter von wolfsgeplagten Revieren äußern, wenn´s die dann noch gibt. Es gibt ja noch nicht einmal eine Karte mit Zahlen, wo der Wolf in D Nutztiere gerissen hat.

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      1. Eckhard Fuhr

        Vielleicht sollte man mal den “gesunden Menschenverstand” einschalten. Es gibt in Deutschland schätzungsweise 800 bis 1000 Wölfe. Sagen wir 1000, das ist leichter zu rechnen. Jeder Wolf braucht pro Woche mindestens ein Tier von der Größe eines Schafs. Das sind 50 pro Jahr, macht 50 000 für alle Wölfe. Es wurden aber bisher in keinem Jahr mehr als 2000 Weidetiere gerissen, sondern deutlich weniger. Tatsächlich aufgefressen wurden noch weniger. Das heißt: Die Wölfe ernähren sich n i c h t von Schafen, sondern von Wild. Das entspricht auch den Ergebnissen Tausender Kotuntersuchungen. Nutztieranteil um 1 Prozent. Und das Schönste daran ist: Schalenwild gibt es trotzdem noch mehr als reichlich.

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        1. Ralf

          @Eckhard Fuhr:
          …na dann wird es ja NIE Probleme mit den Wölfen geben. Wölfe fressen das Schalenwild. Das Schalenwild wird- sagen wir- aufgefressen, was ja NIE passieren wird. Warum eigentlich nicht?
          Wenn doch- was dann? Dann wird die Nahrungsknappheit wozu führen? Selbstauslöschung? Oder vielleicht doch eher mal schauen, was noch so Fressbares rumläuft? Vielleicht macht es auch einfach “puff” und die Wölfe sind weg.
          Aber:
          Steht in §1 Bundesjagdgesetz nicht sowas von “Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes”?
          Das fällt dann hinten runter, oder wie? OK, man könnte argumentieren, dass Muffelwild eh keine heimische Wildart WAR. Aber man sollte bei der Wahrheit bleiben. Das Muffelwildvorkommen der Göhrde war, soweit ich weiß, das letzte verbliebene reinrassige Vorkommen von Muffelwild in Europa. Damit wurde eine bedrohte Tierart in der Göhrde von einer Tierart ausgelöscht, deren Population NICHT bedroht ist. Bitte belehren Sie mich eines Besseren, wenn es anders sein sollte.
          Wie soll es mit den heimischen Wildarten weitergehen? Alles wegfressen lassen und das Bundesjagdgesetz aufheben?

          Wollen oder können Sie den von Ihnen genannten Menschenverstand nicht bemühen? Eigentlich eine rhetorische Frage. Sie wollen es nicht.

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          1. Anko

            Die Verpflichtung zur “Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes” steht im Kontext der HEGE:

            Ҥ 1 Inhalt des Jagdrechts
            (1) Das Jagdrecht ist die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, (Wild) zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur HEGE verbunden.
            (2) Die HEGE hat zum Ziel die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen; auf Grund anderer Vorschriften bestehende gleichartige Verpflichtungen bleiben unberührt. Die HEGE muß so durchgeführt werden, daß Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden, möglichst vermieden werden.”

            Eben diesen dien Bestandteil der Jagdrechts mit der Hegeverpflichtung, lehnt der ÖJV nach meiner Einschätzung vollständig und 100 %ig ab. So gesehen ist die Hegeverpflichtung und dessen verpflichtender Inhalt zur “Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes” für den ÖJV nie ein Argument. Der ÖJV äußert sich dazu etwa wie folgt:

            >>Die Begriffe „Hege“ und „Waidgerechtigkeit“ sind tief in einem traditionellen Jagdverständnis verwurzelt, das die Jagd als Selbstzweck ansieht. Diese Begriffe sind deshalb mit dem Jagdverständnis des ÖJV unvereinbar.<<

            So nachzulesen hier: https://www.oejv.org/home/%C3%B6jv-leitlinien/

            Wobei ich mich wieder einmal frage, wie ein Jagdverband als solcher anerkannt werden kann, der grundlegende jagdgesetzliche Regelungen ablehnt. Aber das ist wieder eine andere Baustelle.

  7. Ronbi

    Feige sind Wölfe sicher nicht. Sonst wären unsere Hunde, durch die Bank, zu nichts zu gebrauchen.
    Wölfe sind äußerst smarte Raubtiere. Ihre Instinkte sind umfassend auf die vorsichtige Jagd und das Überleben ausgelegt .
    Ein gebrochener Lauf nützt ihnen nichts, er ist ihr Ende. Trotzdem leben Wölfe ein sehr gefährliches Leben, was, wie bei vielen Beutegreifern, die hohen Nachkommenszahlen pro Wurf belegen.
    Ihre Nahrung besteht in der Hauptsache aus Rewild, kann aber genausogut Maus oder Regenwurm sein.
    Und wenn nichts anderes verfügbar ist und die Jagdtechnik gegeben ist, wird aus einem Regenwurm auch eine Hirschkuh oder ein ausgewachsenes Wildschwein.
    Weidetiere spielen eine geringe Rolle. Was nicht heißt, dass das auch für den Tierhalter gilt.
    Deswegen ist ein pragmatisches Wolfsmanagement und die rechtliche Absicherung von Tierhaltern, bezüglich Selbstverteidigung, überfällig.
    Der Versuch einer Annäherung – Was frisst der Wolf – unternimmt Wolfszone.de.
    http://www.wolfszone.de/000main/texte/wasfrisstderwolf.pdf

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  8. Dr. Wolfgang Lipps

    Die Diskussion darüber, ob der Wolf nun in unsere Kulturlandschaft passt oder nicht, ist müßig. Der Wolf ist da, er wandert weiterhin zu, er vermehrt sich kräftig, und er ist gekommen, um zu bleiben. Die Politik, eigentlich eher der Mangel an Politik, hat ihm das erlaubt. Jetzt müssen also wir einschließlich der Politik sehen, wie wir mit diesem interessanten, klugen, lernfähigen, zwar nicht feigen aber sicherlich vorsichtigen Raubtier umgehen. Dabei wird allerdings im wesentlichen herumgeeiert. Die Politik ist weder koordiniert noch effizient, wie man unter anderem an dem geballten Unsinn in Brandenburg sehen kann. Bauern und Viehzüchter erheben zum Teil vernünftige und zum Teil törichte Forderungen, die die gegenwärtige Rechtslage weitgehend ignorieren. An der müsste sowohl in der Bundesrepublik als auch in der EU gearbeitet werden, aber viel ist da nicht zu sehen und viel ist wahrscheinlich auch in nächster Zeit nicht zu erwarten.

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  9. Rainer Schmidt-Arkebek

    Ergänzend einige Zahlen aus dem Jahr 2018, Entstehung des Textes, Klage für den Wolf.

    Seit seiner Rückkehr, 2000, bis heute wurden mehr als 3.500 Nutztiere von dem Wolf gerissen.
    Quelle: Spiegel Online am 10.4. 2018

    Zahlen zu gerissenen Wildtieren liegen nicht vor.
    In 2016 wurden alleine in dem wildreichen Deutschland 228 550 Paarhufer durch Verkehrsunfälle getötet.
    Quelle: DJV v. 23.3.2017.

    2017, so wird geschätzt, gab es in Deutschland, 150 bis 160 lebende Wölfe.
    Seit der Rückkehr des Wolfes im Jahr 2000 wurden 140 Wölfe durch den Verkehr getötet!
    Quelle: Spiegel, Online am 10.4.2018.
    R. Schmidt-Arkebek

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  10. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Hallo Herr Fuhr, nur noch eine kleine Anmerkung. Gerade weil wir uns schon mehrfach zum Thema Wolf unterhalten haben, sollten Sie eigentlich wissen, dass ich keineswegs die fixe Idee habe, der Wolf passe nicht in unsere Kulturlandschaft. Ich habe seit zwanzig Jahren immer wieder gesagt, dass auch Deutschland angestammtes Verbreitungsgebiet von Canis lupus ist. Allerdings meine ich, der Wolf müsse an die Kulturlandschaft angepasst werden, wie viele europäische Nachbarn es tun, ohne der Art zu schaden. Es kann bitte nicht umgekehrt sein, dass wir uns, dass die Landeskultur sich an den Wolf anpassen müssen.

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    1. Titus von Unhold

      “Es kann bitte nicht umgekehrt sein, dass wir uns, dass die Landeskultur sich an den Wolf anpassen müssen.”

      Warum eigentlich nicht? Nur weil der Mensch sich jetzt 200 Jahre lang nach belieben (relativ ungefährdet) in der Landschaft bewegen konnte? Weil es dann schwieriger würde, dem schnöden Mammon zu fröhnen? Das sind in der derzeitigen politischen stimmung extrem schwache Argumente.

      https://en.wikipedia.org/wiki/Rewilding_(conservation_biology)

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  11. Zündelnerlaubt

    Das Geschriebene regt zum Nachdenken an.
    Solange aber der Mensch glaubt, dass er die Krönung der Schöpfung ist und Kirche und Politik ihm das weiter suggerieren, nur weil er Lesen und Schreiben kann, wird der Mensch die Erde weiterhin über die Maßen ausbeuten und Tiere wie den Wolf als unbebetene Konkurenten oder gefährliche Wohlstandsvernichter ansehen. Selbst Reh und Hirsch werden als Parasiten gebrandmarkt, wo sie die Streichholzzucht stören, denn jetzt werden sie auch zu Klimaschädlingen.
    An der Schwelle zum Kollaps kommt die Panik und alles ist schuld und der Mensch das arme Opfer.
    Glaubt Ihr Euch alle selbst eigentlich noch?

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  12. mikka

    Vielen Dank für den interessanten und wertvoll bebilderten Beitrag Herr Schmidt-Arkebek!
    Danke an Herrn Ellison für die Plattform.
    Wir sollten aufhören immer wieder jagdlich über diesen Nahrungsopportunisten zu diskutieren.
    Fakt ist: “gekommen um zu bleiben”, mit Sicherheit – welches Lebewesen macht das nicht!
    Fakt ist: der Wolf ist ein massiver Kulturfolger und wird immer versuchen die leichteste Beute ungestört zu erlangen.
    Fakt ist: auf Grund der Natur und Kulturausstattung, ist Deutschland in der Lage hohe Wolfszahlen zu tragen…
    Fraglich ist nur, ob das auch die Gesellschaft will ?!!!! Schmeißen wir als Jäger nicht den ersten Stein! Der ÖJV sollte seine Aufklärung bitte bei den betroffenen Landwirten betreiben, diese freuen sich massiv, wenn jemand zum Streicheln vorbei kommt. Man entschuldige meinen Sarkasmus.

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  13. Outsider

    Frage: Könnte das “Herumeiern” der Politiker, wie Herr Doktor Lipps es nennt, daran liegen, dass man den Jägern diese Aufgabe nicht zutraut? Da beim Regulieren der nicht geschützten Arten erfolglos agiert wird (Jagdstrecken steigen bei Reh, Sau und Hirsch) klingt das Ansinnen der Jäger, nun den streng geschützten Wolf regulieren zu wollen wie ein Ruf nach der “Kür” ohne die “Pflicht” zu können.

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  14. Dr. Wolfgang Lipps

    Hallo Outsider: Das Regulieren der nicht geschützten Arten durch die Jäger gelingt tatsächlich ziemlich gut – nicht vollkommen, aber gut. Ohne Jäger ginge garnichts! Denn: das Lamentieren über die angeblich überhand nehmenden Schalenwildbestände ist unehrlich, weil undifferenziert – es trifft partiell und regional sicherlich da und dort zu, aber überwiegend haben wir – noch – einen einigermaßen artenreichen und gesunden Wildbestand (die Paragraphen 1 der Jagdgesetze!). Hier in meinem Beritt wird ohne sachlichen Grund auf die “kleinen und großen Rindenfresser” mit rechtswidrigen Mitteln Jagd gemacht; das ist halt die “Wald-ohne-Wild-Interessenpolitik”. Deshalb wird es nicht zu vermeiden sein, den Wolf – mit strengen Vorgaben und begleitenden Regeln – früher oder später ins Jagdrecht zu nehmen.

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  15. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Es war und bleibt ein Kapitalfehler der Umweltpolitik, dass die Rückkehr des Wolfes OHNE die Jagdberechtigten “beschlossen” wurde. Die Jagd ist ja nicht nur ein Grundrecht sondern auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Das wurde und wird immer noch ausgeblendet oder gehört das zur Grünen Strategie, die Jagd als Grundrecht kaputt zu machen? Die gegenwärtige gesellschaftspolitische Situation spiegelt eine Stimmung wider, die mit strengem Artenschutz nicht erklärbar ist sondern die lähmende Unfähigkeit zum Handeln sichtbar macht.

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  16. Outsider

    Weitere Fragen: Die Bundeswaldinventur sieht Brandenburg beim Wildverbiss ganz vorn. Müssten wir nicht dem Waldsterben 2.0 ein “Waldwachsen von unten” (artenreicher Nachwuchs) entgegensetzen und ist der Wolf da nicht hilfreich? Verwechselt Herr Doktor Lipps ggf. einen artenreichen mit einem flächendeckend hohen Wildbestand? Der wohl notwendige Waldumbau kommt ohne Zaun jedoch nur in wenigen Revieren voran. Letzte Frage: Wie groß ist der Einfluss der Jagd wirklich, wenn z.B. die Strecken bei Reh und Sau über Jahrzehnte ansteigen?

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    1. admin Beitragsautor

      Es stimmt nicht, dass die Jagdstrecken “über Jahrzehnte ansteigen”, bei den Sauen gibt es Anstiege wg. ASP-Prophylaxe und der dadurch begründeten Abschussprämien, bei den anderen Schalenwildarten sieht die Sache anders aus.
      Vgl.:
      https://mlul.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.611444.de
      Rotwild minus 17%, Damwild minus 13%, Rehwild minus 10%, Muffelwild minus 10% gegenüber dem Vorjahr.
      Die Bundeswaldagentur zeigt vor allem eins: Dass es dem deutschen Wald sehr gut geht. Der Holzvorrat steigt an, es wächst mehr nach, als geerntet wird. Wo und wenn es dem Wald nicht so gut geht, liegt das vor allem an den von Förstern in der Vergangenheit angelegten Monokulturen.
      Vgl.:
      https://www.bundeswaldinventur.de/dritte-bundeswaldinventur-2012/
      Es ist ungerecht und ungerechtfertigt, das Schalenwild für die forstlichen Fehler und Sünden der Vergangenheit und für die Profitmaximierungsinteressen der Waldbesitzer büßen zu lassen, zumal der massive Jagddruck Verbiss und Schäle oftmals erhöht und es oftmals gar nicht der Verbissdruck ist, der Naturverjüngung nicht hochkommen lässt. SE

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      1. Titus von Unhold

        “Die Bundeswaldagentur zeigt vor allem eins: Dass es dem deutschen Wald sehr gut geht.”

        Nach der Dürre 2018 – die noch immer anhält – sieht das aktuell anders aus. Alleine die Waldzustandsbrichte aus den letzten Wochen (die nur 2018 berücksichtigen) zeigen dass es dem Wald so schlecht geht wie seit den 80er Jahren nicht mehr. Ja, das ist Schuld der Generationen die es vor zig Jahrzehnten nicht besser wussten. Aber die Vergangenheit ist vorbei und wir haben jetzt Einfluss auf die Zukunft.

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  17. Ronbi

    Wer etwas für Canis lupus übrig hat, sollte dafür sein.
    Senkung des Schutzstatus.
    Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht.
    Schutzjagden, nach dem Vorbild von Schweden.
    Vergrämungs Abschüsse,
    Die Möglichkeit, zur Selbstverteidigung ihrer Tiere, für Tierhalter, nach dem Vorbild von Frankreich.
    Definierte Landstriche (Almen, Dämme etc) nach Möglichkeit, wolfsfrei zu halten.

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