Kanada: YouTube-Video provoziert Jagdverbot

Eitle Selbstdarsteller und geltungssüchtige Adrenalinjunkies, deren Gier nach Kicks und Klicks sie zu immer extremeren und oft genug fragwürdigen Jagdtrips treibt, die sie dann auf YouTube und anderen sozialen Medien einer angewiderten Öffentlichkeit präsentieren, wachsen sich zu einem ernsten und zunehmenden Problem für die Jagd aus. Ein gutes Beispiel dafür ist der Bodybuilder und ehemalige Speerwerfer Josh Bowmar, der in der kanadischen Provinz Alberta einen kapitalen Schwarzbären mit einem selbst gebauten Jagdspeer erlegt hat. Dabei ließ es sich nicht nur von seiner Frau filmen, auch auf dem Schaft der archaischen Waffe war eine Action-Kamera montiert. Nach der Tat stößt Bowmar eine Serie exaltierter Jubelrufe aus, brüstet sich seiner Tat mit vielen OMGs und näheren Erläuterungen über die Trefflichkeit seiner Waffe und der Größe seines Heldenmuts. Den verletzten Schwarzbären überlässt er über Nacht sich selbst und damit, wie Kritiker Bowmars vermuten, einem langwierigen Todeskampf. Aber es sei ja, wie Bowmar einräumt, “offensichtlich zu gefährlich”, einen Bären in der Dunkelheit nachzusuchen.

Das Video rief wütende Proteste nicht nur von Tierschützern hervor. Journalisten, normale Bürger, Politiker, aber auch Großwildjäger äußerten sich bestürzt bis angewidert über das wahlweise “barbarische“, “unakzeptable”, “archaische“, “kranke Abschlachten” des Bären. Die fröhliche Ausgelassenheit, der Ego-Taumel und die Angeberei Bowmars nach dem Wurf (“I just did something I don’t think anybody in the world has ever done.”) dürften einiges zu der abstoßenden Wirkung des Videos beitragen. Masha Kalinina von der amerikanischen Tierschutzorganisatio Humane Society International kritisierte in der Latin Post: Niemand könne behaupten, dass hier irgendeine Fähigkeit zutage tritt, dies sei keine Demonstration jagdlichen Könnens und habe sicherlich nichts zu tun mit Natur- und Artenschutz, wie Trophäenjäger oft argumentieren. Es sei ein bloßer selbstsüchtiger Blutrausch, die Begierde nach einem Nervenkitzel und einer Trophäe auf Kosten eines unschuldigen Lebens. [“No one could argue there is any skill involved here, no exhibition of hunting prowess, and certainly this has nothing to do with conservation, as trophy hunters often argue. This is pure selfish blood-lust, a desire for a thrill and a trophy at the expense of an innocent life.”]

Nach der Veröffentlichung des Videos 2016 kündigte ein Sprecher des kanadischen Umweltministeriums gegenüber ABC News nicht nur eine Untersuchung des Vorfalls an – Beamte der Fischerei- und Jagdbehörde Albertas kamen mittlerweile zu dem Schluss, dass die Jagd zum Zeitpunkt, als sie stattfand, legal war – sondern auch ein Verbot der Jagd mit Speeren.

Für Bowmar hatte das Video auch persönliche Konsequenzen: So verlor seine Frau einen Sponsorenvertrag mit dem Fitnessausstatter Under Armour. Bowmar hat die Erlegung des Bären mit dem Speer indes vehement verteidigt: Der Bär sei nur noch etwa 60 Meter gegangen und “innerhalb von Sekunden” gestorben.” Dies sei so human und ethisch wie es nur ginge in der Großwildjagd: “Glauben Sie mir, schrieb Bowmar, niemand sorgt sich mehr um diese Tiere als wir Jäger, insbesondere ich selbst.” [Trust me, no one cares more about these animals than us hunters, especially me,”]. Außerdem werde nichts verschwendet, er esse das Fleisch der von ihm erlegten Tiere, Wild sei wohlschmeckend und gesund.

Das kommt einem natürlich bekannt vor, denn das sind einige der Argumente, mit denen viele Jäger die Jagd rechtfertigen. Und genau das ist das Problem: Dass diese Argumente in Verbindung mit extremen und für viele Menschen einfach nur extrem abstoßenden Praktiken Jagd und Jägerschaft insgesamt unglaubwürdig machen und massiv in Misskredit bringen.

Das angekündigte Verbot von Speeren auf der Jagd wurde in Alberta jetzt übrigens umgesetzt. Die Änderungen des Jagdgesetzes werden mit dem Beginn der Jagdsaison 2018 wirksam. Die Gesetzesänderung werde von waghalsigen Aktionen abschrecken und sicherstellen, das Großwild nicht unnötigem Leiden unterworfen werde, heißt es zur Begründung in einer Presseerklärung der Regierung Albertas. [These changes will discourage reckless actions and ensure big game animals are not subjected to unnecessary suffering.]

Insofern muss man Josh Bowmar zustimmen: Sein Schwarzbär ist nicht umsonst gestorben. SE

Beitragsbild: Bowmar in Video, in dem er einen Schwarzbären mit dem Speer erlegt (Screenshot / YouTube).

2 Gedanken zu „Kanada: YouTube-Video provoziert Jagdverbot

  1. J. Körner

    Bei manchen Zeitgenossen, die sich und ihr erlegten Kreaturen in etablierten Jagdmedien veröffentlichen, habe ich auch meine Zweifel ob sie wissen, was sie damit in der Öffentlichkeit bewirken.
    Wenn ich die Jagd als Nahrungsbeschaffung oder als Prädatorenbeschränkung betreibe kann ich die Veröffentlichung der Erfolge/Mißerfolge doch zweifelsfrei auf mein jagdliches Umfeld beschränken.
    Dieser ganze Mist, der als Jagderfolg auf Filmmedien veröffentlicht wird, ist für die unaufgeklärte Bevölkerung doch eher abschreckend. Wer das als Jäger nicht begreift ist für mich ein Ignorant unterster Klasse.
    Mein jagdlichen Erfolge habe ich für mich abgespeichert (im Hirn — ja, ich hab’ sowas…) und kann davon ggf. davon berichten. Angepasst an die jeweiligen Zuhörer.

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  2. Bf

    Die Jagd mit Pfeil und Bogen wie mit dem Speer gehört verboten, hier kann man nicht von ethischer Jagd sprechen und eine tierschutzkonforme Tötung von Wildtieren wird in den meisten Fällen mit dem ersten Speer oder Pfeil nicht erreicht.

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