Kanada: Wut über Jagdeinschränkungen nach tödlicher Eisbär-Attacke

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Im Nunavut-Territorium im Norden Kanadas ist ein Mann von einem Eisbären getötet worden. Die aus drei Inuit bestehende Jagdgesellschaft war am Dienstag, dem 21. August von Naujaat aufgebrochen, um Narwale und Karibus zu jagen. Als die Männer am Donnerstag nicht wie angekündigt zurückgekehrt waren, machten sich Rettungstrupps auf die Suche nach den Männern. Treibeis behinderte die Rettungsboote, so dass erst der Hubschrauber eines von der Küstenwache eingesetzten Eisbrechers die Überlebenden ca. 100 Kilometer von der Küste entfernt im Lyon Inlet aufspürte. Drei Tage lang hatten sie dicht zusammengedrängt in ihrem Boot überlebt, den Leichnam ihres getöteten Freundes bewachend, während vier weitere Bären das Boot umkreisten. Packeis und mechanische Probleme mit dem Bootsmotorhatten ihre Rückkehr verhindert. Die kanadische Polizei teilte mit, dass die Eisbärin und ihr Jungtier in Folge des Vorfalls erschossen wurden. Es blieb offen, ob die angegriffenen Jäger, die Rettungsmannschaften oder die Polizei die Abschüsse getätigt haben. Drei weitere Eisbären, die, vom Blutgeruch angelockt, in der Umgebung auftauchten, wurden in den folgenden Tagen ebenfalls erschossen.

Es ist bereits der zweite tödliche Eisbärenangriff auf dem Territorium der Inuit in diesem Sommer. Anfang Juli war der 31 Jahre alte Aaron Gibbons einem Eisbärenangriff zum Opfer gefallen. Er war mit seinen Kindern auf der Insel Sentry Island in Nunavut fischen, als ein Eisbär attackierte. Er rief seinen Kindern zu, sie sollten weglaufen, und stellte sich zwischen den angreifenden Bär und seine Kinder. Gibbons starb, seine Kinder überlebten.

Unter den Inuit herrscht Empörung über die Todesfälle, in den sozialen Medien kocht die Wut hoch. Die Menschen machen die von der Regierung festgesetzten Jagdquoten, die die Zahl der in jeder Region zu erlegenden Eisbären festlegen, für die Toten verantwortlich. Diese würden verhindern, dass die Inuit die Eisbärenpopulation ausdünnen könne, klagte eine Sprecherin der Inuit gegenüber der National Post. “Die Eisbären sind auf unserem Land und das ist sehr, sehr gefährlich”, findet Helena Malliki. “Ich möchte, dass die Inuit jeden Eisbär töten, den sie sehen.”

Gordy Kidlapik, der Onkel des getöteten Aaron Gibbons erklärt, dass Eisbären immer eine Gefahr dargestellt hätten, aber die Situation jetzt eine andere sei: “In den vergangenen Jahren haben Sichtungen und Begegnungen zugenommen”, so Kidlapik, “wir sind jetzt auf einem anderen Level.” Der Eisbärenbestand sei so hoch, dass keine Jagdquoten erforderlich seien. Die Inuit haben ihre Wildtiere über Generationen erfolgreich und nachhaltig gemanaged, betont eine Einwohnerin von Rankin Inlet.

Andrew Derocher, ein auf Eisbären spezialisierter Biologe an Universität von Alberta bezweifelt, dass die Quoten für die Probleme verantwortlich sind: Die Jagdquoten würden in Absprache mit den Jägern festgesetzt, die lokalen Jäger hätten die erlaubte Quote von 100 Eisbären im vergangenen Jahr nicht einmal ausgeschöpft. Derocher warnte, dass vermehrte Abschüsse Tierfreunde in Europa dazu bringen könnte, ein Importverbot auf Eisbärenprodukte durchzusetzen, wie es mit Robbenerzeugnissen bereits geschehen ist. In der Folge brach der Markt zusammen und die Inuit verloren eine wichtige Einnahmequelle.

Das wahre Problem sei das Schwinden des Meereises, so Derocher. Dadurch verlieren die Eisbären ihre angestammten Jagdgebiete und gehen vermehrt auf dem Festland auf Nahrungssuche, wodurch Konflikte mit den Eisbären unvermeidlich zunähmen. Die Menschen in den Eisbär-Habitaten müssten ihr Verhalten ändern, empfiehlt der Biologe. SE

Beitragsbild: Der zitierte Artikel in der National Post (Screenshot)

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