Kanada: Familie beim Campen im Zelt von Wolf angegriffen

Ein Wolf hat am Freitag (09.08.) eine Familie angegriffen, die in ihrem Zelt auf dem Campingplatz Rampart Creek im kanadischen Banff National Park übernachtete. Dabei wurde der Ehemann, Matt Rispoli, durch Wolfsbisse an Arm und Hand verletzt.

Elsa Rispoli, Matts Ehefrau, hat den Vorfall auf Facebook geschildert: Demnach ist der Wolf nachts auf das Zelt gesprungen und hat die Zeltbahn zerrissen. Während die Frau versuchte, die zwei kleinen Söhne mit ihrem Körper vor dem Wolf zu schützen, warf sich Matt zwischen sie und den Wolf. Der Wolf verbiss sich in Matts Arm, es gelang ihm zunächst, den Wolf auf den Boden zu drücken und dessen Kiefer mit den Händen auseinanderhalten, was ihm schwerere Verletzungen erspart haben dürfte. Während der ganzen Zeit schrien alle vier verzweifelt um Hilfe. Schließlich gelang es dem Wolf jedoch, den Familienvater fortzuschleifen, während seine Frau an seinen Beinen zog, um ihn zurückzuhalten.

Das verzweifelte Geschrei während des Kampfes, der eine Ewigkeit zu dauern schien, obwohl sich alles wohl nur ein bis drei Minuten abspielte, wie Elisa Rispoli schreibt, lockte schließlich einen Mann von einem benachbarten Zeltplatz an. Der Zeltnachbar, Russ Fee, beschreibt das Erlebnis live als Studiogast gegenüber dem Calgary Eyeopener: Er sei von den schrecklichen Schreien aufgewacht und aus seinem Zelt gestürzt. Mit Entsetzen hätte er gesehen, wie ein riesiger Wolf eine junge Familie attackierte. “Der Wolf war so viel größer, als jeder Hund, den ich jemals gesehen habe”, schildert Fee.

“I cannot and don’t think I’ll ever be able to properly describe the terror.” “Ich kann dieses Grauen nicht angemessen beschreiben und werde es wohl nie können.” Bericht über den Wolfsangriff von Elisa Rispoli, der Ehefrau des attackierten Familienvaters, auf Facebook (Screenshot, Ausschnitt) https://web.facebook.com/erispoli/posts/10220663614484506?_rdc=1&_rdr

Die Schreie seien von einer solchen Intensität gewesen, dass er sofort gewusst habe, dass etwas schreckliches im Gange sei. Russ Fee musste ein gutes Stück laufen, um zu dem Zelt zu gelangen. Dort sah er den Wolf, eben im Begriff den Familienvater aus dem Zelt zu zerren. Beherzt versetze er dem Wolf einen Tritt in die Hüftregion. Daraufhin ließ der Wolf von seinem Opfer ab, lief aber nicht weg. Der Retter fragte sich, ob er nicht gerade einen großen Fehler gemacht habe: “Ich habe den Tritt sofort bedauert,” berichtet Russ Fee auf CBC, “Es war, als ob ich mich mit jemand angelegt hätte, der in einer ganz anderen Gewichtsklasse kämpft.”

Sobald der Wolf abließ, stürzte Familienvater Matt Rispoli aus dem Zelt, seine eine Seite völlig mit Blut bedeckt. Er war aber auch ziemlich in Rage, die beiden schrien den Wolf an, der immer noch nicht die Flucht antrat. Erst als beide den Wolf mit “riesigen Felsbrocken” bewarfen, verzog er sich schließlich. Die Familie begab sich nach erfolgreicher Abwehr des Wolfsangriffs zum Zeltplatz ihres Nachbarn und Retters, wo alle zusammen im Fahrzeug von Russ Fee Schutz suchten.

Der Park wurde nach dem Vorfall umgehend geschlossen. Ein Suchtrupp spürte den Wolf auf, er wurde erschossen. Eine DNA-Untersuchung bestätigte der Nationalparkverwaltung zufolge, dass es sich um den Wolf handelte, der die Familie angegriffen hatte. Es soll sich um einen alten Wolf am Ende seiner Lebensspanne handeln, der vermutlich nicht mehr fit genug war, um Wildtiere zu erbeuten.

Matt Rispoli wurde nach der Erstversorgung durch Sanitäter vor Ort in ein Krankenhaus nach Banff geflogen, wo seine Wunden versorgt wurden. Die Familie sei “ziemlich traumatisiertm aber ok”, schreibt Elisa Rispoli auf Facebook, wo sie sich überschwänglich bei ihrem Retter aus dem Nachbarzelt bedankte. SE

Beitragsbild: Anordnung der Sperrung des betroffenen Gebiets im Nationalpark Banff nach der Wolfsattacke. Quelle: Parks Canada/Twitter

Die Red. dankt JAWINA-Leser Jowohunter für den Hinweis!

 

19 Gedanken zu „Kanada: Familie beim Campen im Zelt von Wolf angegriffen

  1. kilalli

    “Es soll sich um einen alten Wolf am Ende seiner Lebensspanne handeln, der vermutlich nicht mehr fit genug war, um Wildtiere zu erbeuten.”

    Genau so ist es, denn “in der Regel” tun Wölfe den Menschen nichts, wie man hierzulande ja schon die Kinder lehrt. Die in Deutschland lebenden Wölfe sind ja durchschnittlich noch recht jung, also bleibt noch etwas Zeit, bis man die Kinder etwas anderes lehren muss.

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  2. RK

    Auch hier wieder die triviale Erkenntnis, dass ein Groß-“Prädator” eine massive Gefahr für den Menschen ist, was hierzulande von Balkonbiologen und Politikern verdrängt wird. Die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht und die konsequente Bejagung in siedlungsnahem Bereich sowie eine massive Bestandsreduzierung auf Werte vergleichbar den nordischen Ländern sind m.E. die einzig schlüssigen und notwendigen Maßnahmen. Sie werden vermutlich erst dann möglich sein, wenn (neben tausenden im Freiland gehaltenen Tieren) die ersten Menschen bei uns “dran glauben” müssen und auf dem Altar der ökologisch korrekten Dogmatik (und der Spendenzuflüsse an “NGOs”) geopfert worden sind…

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  3. Anko

    Kann gar nicht sein: Zwar reißen Wölfe Sauen, Rotwild, Rinder, Pferde, Elche … also eigentlich alles, was irgendwie geht. Vor uns Menschen aber, die wir außer der Fähigkeit zum Pfeiffen und Klatschen im Walde zumindest von hause aus wirklich nichts Gegenzuhalten haben, insbesondere keine den vorgenananhtejnBeutetieren vergleichbare Masse, Kraft oder Geschwindigkeit, haben Wölfe angeborene Furcht, ja sogar Panik.

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    1. Keule

      Genau, unsere Wölfe machen so etwas nicht!
      Deshalb habe ich auch kein Verständnis dafür, dass man den Wolf gleich abknallen musste! Man hätte ihn betäuben, nach Deutschland fliegen und irgendwo in Brandenburg oder Sachsen auswildern sollen. Da wohnen kaum Menschen und die da wohnen wählen alle AfD. Kommt also nicht drauf an, ob die gefressen werden.

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    2. Noldi

      Träumer Typen!
      Tiere können immer etwas schänden!
      Meine Erfahrung nach mehrmonatigen im Busch schlafen ist; das gefährliche und unberechenbare Raubtier ist der 2Beiner !

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  4. Ronbi

    Verstehe nicht, warum Menschen, die sich ins Gelände von Großraubtieren begeben, kein Pfefferspray dabei haben.
    Auch Einhandmesser könnten bei einem einzelnen Wolf nützen (im Gegensatz zu hier in Kanada und USA nicht verboten).
    Schusswaffen sind in Nationalparks leider verboten.
    Der letzte Wolfsangriff in Europa, war am 24.07.2019 in Estland. Da wurde eine Frau von einem Wolf gefährlich verletzt.
    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_wolf_attacks

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    1. Ronbi

      Niemanden scheint es zu interessieren, dass am 24.07.2019, hier in Europa/Estland, eine Frau von einem Wolf schwer verletzt worden ist.

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      1. Anko

        Danke für den Hinweis! In einer auf Wikipedia zum Estland-Wolf v. 24.07.2019 genannten Quelle wird gemutmaßt, dass es sich um einen “alten Wolf” gehandelt habe. Na mal schauen, das Kapitel Wolf fängt hier in Deutschland ja gerade erst an, hier werden die Wölfen nicht nur mehr, sondern auch älter.

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      2. Titus von Unhold

        Warum sollte es jemanden interessieren? Tiere greifen andere Tiere an und Menschen sind nun einmal auch nur Tiere.

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  5. jochen

    Also das kriege ich jetzt irgendwie nicht zusammen:
    Schließlich gelang es dem Wolf jedoch, den Familienvater fortzuschleifen, während seine Frau an seinen Beinen zog, um ihn zurückzuhalten.
    vs.
    Es soll sich um einen alten Wolf am Ende seiner Lebensspanne handeln, der vermutlich nicht mehr fit genug war, um Wildtiere zu erbeuten.

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    1. admin Beitragsautor

      Auch ein alter Wolf mit ca. 70 kg Lebendgewicht ist noch ein ernst zu nehmender Gegner, ob die Zähne nun abgenutzt sind oder nicht. Vor diesem Szenario – alternde Wölfe, die sich weigern, friedfertig zu verhungern – warnen Wolfsforscher wie Valerius Geist übrigens seit langem. SE

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      1. jochen

        Ein sich wehrender erwachsener Mann, scheint mir schwerer zu erbeuten zu sein, als diverses Kleinwild. Vor allem daß er nach dem vermutlich hartnäckigen Widerstand nicht abgelassen hat, spricht für mich nicht für einen unfitten, altersschwachen Wolf. Muß ja kein Wapiti sein, aber ein Weißwedelhirschkalb scheint mir da, im Vergleich, deutlich weniger Ärger zu machen?

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        1. admin Beitragsautor

          Ob Kalb oder Kleinwild – beide dürften wacherer Instinkt haben und schneller laufen können, als ein Tourist in seinem Zelt.

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  6. KS

    Die interessante Wolfsopfer-Seite bei Wikipedia nur in Englisch? Ist das nicht diskriminierend für deutsche Muttersprachler? Oder aber – laut Kleist: Was das Volk nicht weiß, macht das Volk nicht heiß.

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    1. Titus von Unhold

      Die Wikipedia lebt ausschließlich von der Arbeit derer, die dort mitmachen. Entweder ist das Thema für viele nicht wichtig genug, oder diejenigen die es interessiert, sind der englischen Sprache mächtig. Somit musst du wohl entweder deine Sprachkenntnisse erweitern, oder jemanden dazu bewegen die Seite zu übersetzen und allen zugänglich zu machen.

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      1. Rombi

        Oder aber in Deutschland ist es nicht gewollt, dass so eine Liste in der Wikipedia auftaucht.
        Da auch die/der Artikel über den Wolf ziemlich nett und nicht neutral sind.

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