Kalter Hund

Was beim Hundeeinsatz bei eisigen Temperaturen zu beachten ist, damit die Gesundheit des Vierläufers keinen Schaden nimmt.

Text und Fotos: Stephan Elison

Schon beim Zuschauen sprießt die Gänsehaut: Immer wieder stürzt sich die passionierte Hündin in den eisigen Tümpel, an dessen Ufer schon eine dünne Eisschicht glitzert und apportiert unermüdlich Ente um Ente. Danach noch einige Nachsuchen an Land, Raureif färbt das durchnässte Fell des Hundes weiß.

Einsätze wie diese stellen auch für den fittesten Hund eine extreme Belastung dar. Wer Anzeichen von Überforderung und Unterkühlung nicht zu deuten weiß, setzt Leben und Gesundheit des Jagdhelfers aufs Spiel. Deshalb gilt es, beim Hundeeinsatz im Winter ein paar wichtige Punkte zu beherzigen.

Grundsätzlich muss man sich vor jedem Hundeeinsatz die Frage stellen, wie man den Hund in die Kondition bringe, damit er seine Aufgabe erfüllen kann. Ein Stöberhund ohne Kondition gefährdet sich, wenn er im Tiefschnee Sauen stellt und nicht mehr die Kraft hat, einem Angriff blitzschnell auszuweichen. Also muss der Hund entsprechend trainiert werden.

Die Art des geplanten Hundeeinsatzes spielt dabei ebenso eine Rolle, wie die physische Ausgangslage des Hundes. Von einem achtjährigen Hundesenior, der täglich seine Herztabletten schlucken muss, kann ich nicht die Leistung eines Junghundes erwarten. Aber auch die psychische Reife ist in solche Überlegungen einzubeziehen, Überforderung vermeiden – das fordert das Einfühlungsvermögen des Hundeführers.

Tipp: Eine gute Methode, die Fitness eines Hundes zu erhöhen, ist Training am Fahrrad.

Einfluss der Haltungsform

Ein Hund, der im Zwinger lebt ist abgehärteter als sein Kollege aus der Stadtwohnung. Das heißt aber nicht, dass Zwingerhaltung in jedem Fall überlegen wäre: Zwingerhaltung für Meutehunde ist in Ordnung, aber das Meutetier Hund allein im Zwinger vor sich hin vegetieren zu lassen, ist nicht artgerecht. Da ist Wohnungshaltung besser und kommt auch dem Konnex zwischen Hund und Führer zugute.

Wasserjagd

IMG_1870_klein (1)Eine wirksame Methode, den verpümpelten Wohnungshund abzuhärten, existiert leider nicht: Es gibt keine Vorbereitung, du musst den Hund dosiert einsetzen und wissen, wo die Grenzen liegen. Die Verantwortung liegt beim Hundeführer. Wenn sich schon Randeis an den Gewässern bildet, ist es ratsam, die Einsätze kurz zu halten. Deshalb ist es wichtig, genügend Hunde bereit zu stellen, damit sich der einzelne nicht aufarbeitet: Wenn er klamm ist, ist er klamm.

Eine klassische kritische Situation ergibt sich immer wieder bei der Wasserjagd im Herbst: Die Schützen laufen das Gewässer an, schießen die Enten, die hochgehen, und die Hunde apportieren. Dann wartet man auf den Abendstrich und der nasse Hund liegt eine halbe Stunde neben dir auf dem Stand. Also muss er sich vor dem Ablegen trocken laufen dürfen oder abgetrocknet werden. Nach dem Abendstrich darf er sich im Auto aufwärmen, das idealerweise eine Standheizung hat – das vielleicht sinnvollste Extra für den Hundeführer.

Tipp: Sehr gut geeignet zur Hundetrocknung ist Zeitungspapier.

Rasse und Haarkleid

Die Kälteempfindlichkeit von Hunden ist individuell unterschiedlich, hängt aber auch von Rasse und Haarkleid ab. Es ist eine züchterische Aufgabe, Hunde bereitzustellen, die über eine gute Konstitution verfügen. Wenn Hunde eine Bürste stellen, ist ihnen kalt, dann müssen sie raus aus dem Wasser, sonst drohen Gesundheitsschäden. Auch starkes Muskelzittern deutet auf drohende Unterkühlung hin. Es gibt Hunde, die aufgrund ihrer hohen Passion trotzdem weiter arbeiten. Der Hundeführer muss in so einem Fall einschätzen können, was er seinem Hund zumuten kann.

Tipp: Bei der Winterjagd an Fließgewässern trennt sich die Spreu vom Weizen. Wichtig: Hundeführer stehen an Fließgewässern stromabwärts. So können die Hunde die vorbeitreibenden Enten auflesen und arbeiten sich nicht auf.

Nach der Jagd sind die Hunde mit Frotteetüchern oder Zeitungspapier gut abzutrocknen und ins Warme zu bringen. Auch Zwingerhunde dürfen mit ins Haus, bis sie wirklich trocken sind. Dem durchgefrorenen Schwerstarbeiter ist eine Nacht im Haus zu gönnen. Geht man nach der Jagd zum gesellschaftlichen Teil über, so nimmt man den Hund entweder mit ins Wirtshaus, oder lässt ihn im geheizten Auto. Wer keine Standheizung hat, kann sich eventuell helfen, indem er – gegen ein paar Euro Stromgeld – ein Verlängerungskabel von der Wirtschaft legt und einen Heizlüfter ins Auto stellt.

Stöberjagd

Nach der Stöberjagd ist der Hund komplett – mit besonderer Beachtung der Pfoten und Ballen – auf körperliche Unversehrtheit zu überprüfen. Dann kriegt er Futter und darf sich aufwärmen.

Tipp: Bei vielen Hunden bilden sich im Zwischenzehenbereich an den Pfoten hinderliche Schneeklumpen. Abhilfe schaffen Hundeschuhe aus dem Schlittenhundebereich oder vaselinehaltige Salben. Viele Führer kürzen auch die Haare an den Pfoten, dabei ist aber vorsichtig zu verfahren, weil diese auch eine Schutzfunktion haben.

Solange ein Hund in Bewegung ist, läuft er nicht Gefahr, sich zu verkühlen. Kritisch wird es bei der Stöberjagd, wenn nachmittags um drei das Treiben abgeblasen wird, und der Hund nicht da ist. Wenn der nach stundenlanger Jagd erschöpfte, möglicherweise verletzte Hund in den Wintermonaten über Nacht im Revier bleibt, ist die Gefahr des Erfrierens durchaus gegeben. Ortungsgeräte sind hier empfehlenswert. Unabdingbar sind sie für Nachsuchen- und Schweißhunde, die bei der Hetze vielen Gefahren ausgesetzt sind. Wenn wir den Hund schnell finden, ersparen wir ihm, dass er das Stück womöglich stundenlang stellen muss, auch das Wild muss nicht unnötig leiden.

Keine Materialschlacht

Gerade bei Stöberhunden ist zu überlegen, wie viele harte Einsätze ihnen in Folge zuzumuten sind: Drei Tage Jagdeinsatz in der Woche stellen das absolute Limit dar, darüber steigt die Verletzungsgefahr rapide an. Nach zwei Einsätzen hintereinander braucht der Hund zwei Tage Pause. Dem Vierläufer sind Regenerationsphasen zu gönnen, wie es der gesunde Menschenverstand gebietet.

Ansitzjagd

Wir sollten den Hund nicht degradieren und ständig im Auto sitzen lassen. Kleinere Hunde nimmt man mit auf den Hochsitz, größere legt man unter dem Hochsitz ab. Natürlich werden sie nicht bei strömendem Regen oder Minusgraden stundenlang unter der Kanzel abgelegt. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen muss es ja auch nicht immer der Fünf-Stunden-Marathonansitz sein.

Eine Filzunterlage ist am besten geeignet, den Vierläufer vor der Bodenkälte zu schützen. Viele andere Unterlagen machen zu viel Krach, wenn der Hund sich einmal umdreht. In der Anfangszeit muss ich vielleicht ab und zu abbaumen und den Hund verwarnen, darüber mag auch die eine oder andere Jagdgelegenheit vergehen. Dafür kann ich dann aber zehn Jahre entspannt mit dem Hund zur Jagd gehen.

Alarmzeichen

Es gibt Grenzen der Abhärtung: Wer seinen nach der Entenjagd noch nassen Hund in seinen Verschlag im unbeheizten Keller sperrt, muss sich nicht wundern, wenn er an einer Lungenentzündung elendig eingeht. Erkältet sich der Hund trotz aller Vorsicht, so ist bei Alarmzeichen wie Husten oder Fieber oder wenn der Hund das Futter verweigert sofort der Tierarzt aufzusuchen. Nicht warten, bis sich die Situation verschlechtert!

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Nicht ohne Bausender: Bei der Baujagd ist der elektronische Helfer entscheidend. Der verklüftete Hund muss nicht in Kälte und Sauerstoffmangel tagelang ohne Wasser und Futter ausharren. Dank Ortungsgerät, kann der Hundeführer schnell zu Hilfe kommen. Verweichlichte Hunde sind bei der Baujagd fehl am Platz, Haudegen sind verantwortlich einzusetzen. Fotos: Stephan Elison