Kahlschlag in Europas letzten Urwäldern

In Deutschland wird immer mehr Wald aus der Nutzung genommen, darunter Wälder, die seit Generationen in vorbildlicher Nachhaltigkeit bewirtschaftet wurden. Dies geschieht, um ehrgeizige bis überspannte Naturschutzziele zu erreichen, wie die Schaffung neuer Urwälder in Deutschland. Die Folge ist, dass bei steigender Nachfrage nach Holz andernorts umso rücksichtsloser geerntet wird: Die Naturschutzorganisation EuroNatur beklagt den Kahlschlag der letzten “echten” Urwälder Europas:  „Derzeit werden in Rumänien die letzten Urwälder unseres Kontinents abgeholzt und bisher schreitet niemand dagegen ein“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der international tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur. Ein Großteil der letzten Buchenurwälder, die es in der Europäischen Union heute noch gibt, befindet sich in Rumänien. Doch Woche für Woche werden dort Tausende von Bäumen legal und illegal gefällt. Das Holz wird ins Ausland und an große Holzbetriebe in Rumänien verkauft. Aktuell berichtet die rumänische Umweltorganisation Agent Green von Kahlschlägen in den Tarcu-Bergen. Das Gebiet ist als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen und damit Teil des europäischen Schutzgebietsnetzwerks. Dennoch wurden bereits ganze Hänge kahl geschlagen. Die noch verbliebenen Bäume sind  für die Rodung innerhalb der nächsten Wochen vorgesehen.

Die internationale Naturschutzstiftung EuroNatur fordert, dass sowohl die Europäische Kommission als auch die rumänische Regierung gegen diesen Raubbau am europäischen Naturerbe einschreiten. „Buchenurwälder sind ein herausragender Teil unseres europäischen Naturerbes. Es ist unsere Pflicht, die wenigen verbliebenen Reste für kommende Generationen und als Lebensräume für Bären, Wölfe und Luchse zu bewahren“, sagt Gabriel Schwaderer. Die letzten großflächigen Buchenurwälder Europas stehen in den ukrainischen, slowakischen und rumänischen Karpaten. Im November 2015 verabschiedeten auf der Insel Vilm 30 namhafte Waldexperten aus 12 europäischen Ländern, darunter Vertreter aus Deutschland, Österreich, der Ukraine, Italien und Rumänien eine gemeinsame Resolution für Europas Buchenwälder. Darin fordern sie die Regierungen auf, die Buchenurwälder des Kontinents wirksam zu schützen. Das Buchenwaldnetzwerk sprach sich ganz besonders für ein generelles Verbot des Holzeinschlags in diesen Gebieten aus. PM

Hintergrundinformationen:

Buchenwälder haben das Erscheinungsbild Europas in besonderer Weise geprägt. Die Rotbuche kommt vom Flachland in West- und Mitteleuropa bis zur Baumgrenze in Süd- und Südosteuropa vor.
Unter der Bezeichnung „Buchenurwälder in den Karpaten und alte Buchenwälder in Deutschland“ führt die UNESCO derzeit 15 räumlich getrennte Buchenwaldgebiete in Deutschland, der Slowakei und der Ukraine mit einer Gesamtfläche von 33.671 ha als Weltnaturerbe. Link zur „Vilmer Resolution“ des europäischen Buchenwaldnetzwerks vom 19.11.2015: http://www.euronatur.org/fileadmin/docs/projekte/Buchenwaelder/Vilm_Resolution_European_Beech_Forest_Network_Nov_15.pdf
Die aktuellen Rodungen in den Tarcu-Bergen sind kein Einzelfall. Beitrag „Rumänien: Kahlschlag in den Karpaten“ der Deutschen Welle vom Juli 2015: http://www.dw.com/de/fokus-europa-länder-menschen-schicksale-2015-07-01/e-18534159-9801

Beitragsbild: Kahlschlag im Natura 2000-Gebiet Tarcu-Berge in Rumänien. (c) Agent Green

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