Judica

Judica, das sind sie auch noch da!

Das ist der Merkvers für den 5. Fastensonntag. Judica me, Deus! heißt es in der Messe. Richte mich, Gott! lautet die Übersetzung.

Falls es ein solches Gericht Gottes tatsächlich irgendwann gibt, muss der Schnepfenjäger sich keine Sorgen machen. Er ist pfleglich mit der Schöpfung umgegangen.

Oft wird von Jagdkritikern die Jagd auf Tiere, die man nicht verwertet bzw. verwerten kann, abgelehnt, um es vorsichtig zu formulieren. Ich habe die von mir erlegten Schnepfen stets mit Behagen verzehrt, und ich habe die Malerfedern als Trophäe, also als Erinnerungsstück aufgehoben. Schnepfendreck, die im Naturzustand gebratenen Därme der Schnepfe, habe ich mir allerdings nicht einverleibt. Was die Verwertung angeht, hat Wilhelm Busch ein köstliches Gedicht verfasst:

Der alte Förster Püsterich
der ging nach langer Pause
mal wieder auf den Schnepfenstrich
und brachte auch eine nach Hause.
Als er sie nun gebraten hätt,
da tät ihn was verdreußen;
das Tierlein roch wie sonst so nett,
nur konnt er’s nicht mehr beißen.
Ach ja! So seufzt er wehgemut
und wischt sich ab die Träne,
die Nase wär so weit noch gut,
nur bloß, es fehlen die Zähne.

Die Malerfedern, die auch Schnepfengranel oder einfach Schnepfenfedern genannt werden, sind die äußeren Handschwingen vor der ersten Schwungfeder der Schnepfe. Die beiden Federchen wurden tatsächlich von Malern für besonders feine Striche benutzt, daher der Name.

Das Verwertungsargument, mit dem uns Jagdgegner immer wieder konfrontieren, ist sehr kritisch zu betrachten. Auf diesen Leim sollten wir Jagdgegnern nicht kriechen. Wir wissen beispielsweise, wie notwendig die scharfe und frühe Bejagung von Frischlingen ist, wenn die Schwarzwildbestände reduziert werden sollen. Die kleinen „Streifenhörnchen“ von 2 kg kann man nun beim besten Willen nicht verwerten. Dennoch müssen sie erlegt werden. Die Fuchswelpen, die am Bau gefangen und dann erlegt werden, kann man auch nicht verwerten. Sie müssen aber erlegt werden, wenn wir den Verlierern der Kulturlandschaft helfen wollen. Dazu gehören beispielsweise unsere letzten Großtrappen oder auch viele Wiesenvögel.

Lassen wir uns also die Freude an der Jagd und insbesondere die stimmungsvollen Vorfrühlingsabende im Revier nicht vermiesen. Man kann übrigens den Schnepfenstrich auch ohne Jagd genießen. Probieren Sie es einfach mal. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Malerfedern. Foto: HDP

Bisher erschienen:

Judica

Laetare

Reminiscere

Oculi

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