Jetzt im Bundestag: Anhörung zur Situation der Wölfe in Deutschland im Umweltausschuss

“Mit der Situation der Wölfe in Deutschland beschäftigt sich der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und nukleare Sicherheit am Mittwoch, 18. April 2018, in einer öffentlichen Anhörung,” wie der Online-Dienst des Deutschen Bundestages informiert: Den geladenen Sachverständigen liegen Anträge der AfD, der FDP, der Linken und von Bündnis 90/Die Grünen vor. Die Sitzung unter Vorsitz von Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/Die Grünen) beginnt um 10.30 Uhr im Anhörungssaal 3.101 des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses und dauert zweieinhalb Stunden. Die Anhörung wird live im Internet auf www.bundestag.de und auf mobilen Endgeräten übertragen.”

Den Inhalt der Anträge fässt der Online-Dienst wie folgt zusammen:

“Der Titel des FDP-Antrags (19/584) lautet „Gefahr Wolf – Unkontrollierte Population stoppen“ (19/584). Die Linke hat ihren Antrag (19/581) mit „Herdenschutz – jetzt bundesweit wirkungsvoll durchsetzen“ (19/581) überschrieben. „Herdenschutz und Schutz des Menschen im ländlichen Raum – Wolfspopulation intelligent regulieren“ ist der Titel des Antrags der AfD (19/594), und die Grünen fordern „Rückkehr des Wolfes – Artenschutz und Herdenschutz zusammen denken“ (19/589).

AfD: Wolfspopulation intelligent regulieren

Die AfD schlägt ein Projekt zur Neufestlegung des Status der in Deutschland lebenden Wölfe und Wolfsmischlinge vor. Dabei solle untersucht werden, ob die Tiere der Unterart Canis Lupus Lupus angehören oder anderen Unterarten oder Mischlingen, die keinen Schutzstatus haben. Bis dies feststeht, sollen gesetzliche Grundlagen wie das Bundesnaturschutzgesetz konsequent umgesetzt werden.

Die Fraktion regt an, klar zu definieren, ab wann ein Einzelwolf oder ein Wolfsrudel problematisch in Bezug auf Mensch und Weidetier sind. Die Bedingungen für die Einstufung eines Einzelwolfs oder eines Wolfsrudels als „problematisch“ sollten abgesenkt werden. Die Interessen der Weidtierhalter seien mit denen des Naturschutzes gleichzustellen.

 FDP: Wolf soll bejagt werden dürfen

Die FDP verlangt von der Bundesregierung unter anderem, den Wolf als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen, einheitliche Standards für ein bundesweites Wolfsmanagement und Wolfsmonitoring zu schaffen und zusätzliche finanzielle Mittel für die Schadensprävention und Wolfsgeschädigter bereitzustellen.

Aus Sicht der Liberalen haben sich die Jäger als ausgebildete Fachkräfte im jeweiligen Jagdbezirk bewährt und sind in Notsituationen sehr schnell mobilisierbar. Eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht erkenne die besondere Bedeutung der Jäger an. Sie trügen die Verantwortung für ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur in ihrer Jagd und würden nicht zu Helfern in Ausnahmefällen degradiert.

Linke: Ausgleich für Schäden durch den Wolf schaffen

Die Linke plädiert für Sofortmaßnahmen für den Schutz weidetierhaltender Betriebe, zum Beispiel einen Rechtsanspruch auf Unterstützung für Herdenschutzmaßnahmen und den Ausgleich von Schäden durch Wolfsübergriffe zu schaffen, ihn bundeseinheitlich und praktikabel zu regeln und zu finanzieren.

Das Haftungsrecht bei Wolfsübergriffen will die Fraktion klar regeln und anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Bestandsentwicklung von Wildtieren insgesamt und des Wolfs im speziellen anstoßen, um wolfssichere Herdenschutzlösungen für unterschiedliche Gebietskulissen zu erarbeiten.

 Grüne: Wolf umfassend schützen

Die Grünen fordern die Bundesregierung unter anderem auf, sich auf allen Ebenen für einen umfassenden Schutz des Wolfs einzusetzen. Dabei sei das Ziel, eine stabile und ausreichend große Wolfspopulation zu erreichen und die Bedingungen für die natürliche Wiederansiedlung des Wolfes zu verbessern. Dafür spreche, dass die Rückkehr des Wolfes ein Lichtblick vor dem Hintergrund sei, dass weltweit das Artensterben in beispiellosem Tempo voranschreite. Die sich allmählich etablierende Population sei aber noch nicht stabil und werde von Experten als kritisch beurteilt.

Allerdings dürfe die Rückkehr des Wolfes nicht dazu führen, dass die Freilandhaltung von Nutztieren eingeschränkt werden muss. Nachhaltige Politik müsse deshalb für stabile Wolfsbestände sorgen und sichere Weidehaltung ermöglichen. (vom/27.03.2018)”

Liste der geladenen Sachverständigen

Dr. Nicole von Wurmb-Schwark, Privatdozentin, ForGen – Forensische Genetik und Rechtsmedizin in Hamburg am Institut für Hämatopathologie, Hamburg
Eberhard Hartelt, Deutscher Bauernverband e. V.,
Helmut Dammann-Tamke, niedersächsischer Landtagsabgeordneter, Deutscher Jagdverband e. V. (DJV)
Ilka Reinhardt, LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland
Prof. Dr. Wolfgang Köck, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ)
Werner Gerhards, Verein Sicherheit und Artenschutz e. V.
Hilmar Freiherr von Münchhausen, Deutsche Wildtier Stiftung
Frank Hahnel, Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e. V.
Andreas Schenk, Bundesverband Berufsschäfer e. V.

Dokumente

19/581 – Antrag: Herdenschutz bundesweit wirkungsvoll durchsetzen – 30.01.2018
19/584 – Antrag: Gefahr Wolf – Unkontrollierte Population stoppen – 30.01.2018
19/589 – Antrag: Rückkehr des Wolfes – Artenschutz und Herdenschutz zusammen denken – 31.01.2018
19/594 – Antrag: Herdenschutz und Schutz der Menschen im ländlichen Raum – Wolfspopulation intelligent regulieren – 31.01.2018

Quelle: Online-Dienst der Deutschen Bundestages

Die Red. dankt JAWINA-Leser JS für den Hinweis!

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