„Jedem Jäger seinen Schweißhund?“

Oder sollte die Frage in der heutigen Zeit nicht lauten: „Jeder Jäger führt den Hund, den er mag?“ Der Vorstand des Schweißhundevereins Deutschland e.V (SHVD) äußert sich auf Anfrage von JAWINA zum Rauswurf aus dem CMKCHB und zum Verhältnis des SHVD zu den anderen SChweißhundeverbänden.

Der Ausschluss der Deutschen Mitglieder aus dem CMKCHB beruht auf einer internen Regelung der zum ISHV zusammengeschlossenen Landesverbände , nach der man als Ausländer nur dann Mitglied im CMKCHB sein kann, wenn zugleich eine Mitgliedschaft in einem im ISHV organisierten Heimatverein gegeben ist. Dies kann vom SHVD nicht kommentiert werden, da uns dieses Regelwerk nicht bekannt ist.  In der uns zur Verfügung stehenden Satzung des ISHV lassen sich diesbezüglich keine Aussagen finden.

Wenn es diese Regel (als Ausländer Mitglied im CMKCHB nur, wenn auch die Mitgliedschaft im ISHV-organisierten Heimatverein gegeben ist) im ISHV geben sollte, dann drängen sich unter anderem folgende Fragen auf:

Warum wird diese Regel erst jetzt auf langjährige und aktive Mitglieder im CMKCHB angewandt?

Dient die konsequente Durchsetzung dieser Regel wirklich dem Erhalt von gesunden und leistungsfähigen Schweißhunden? (im weiteren Text sind hiermit die Rasse Hannoverscher Schweißhund und Bayerischer Gebirgsschweißhund gemeint.)

Auf unsere erste Frage kommen wir im weiteren Verlauf unserer Ausführungen noch einmal zurück. Erst möchten wir den Punkt zwei hinterfragen. In einer Demokratie hat jeder Mensch das Recht, selbstbestimmt sein Leben zu gestalten. Zu dieser Gestaltung zählt unter anderem die Möglichkeit, sich den Jagdhund anzuschaffen, den ein  Jäger für sein Revier für den brauchbarsten hält.

Der unvermindert starke Anstieg der Schalenwildbestände, veranlasst viele Jäger den Schweißhund als Jagdlichen Begleiter zu favorisieren. Aufgrund dieser Tatsachen, wird es nicht gelingen, der Jägerschaft vorzuschreiben, welchen Hund sie zu führen bzw. nicht zuführen hätten. Hier sehen wir die Zuchtvereine in der Pflicht, durch eine von Leistung und Gesundheit geprägte Zucht, die Nachfrage der Jäger zu decken.

Gelingt es, den nach besten Wissen und Gewissen züchtenden Vereinen nicht, die erforderlichen Hunde bereitzustellen, dann wird dieser Bedarf von  Geschäftemachern befriedigt. Mit Sicht auf die veränderten Bedingungen in unserer Gesellschaft, in unseren Jagdstrategien und unseren Wildbeständen, halten wir den Ausschluss der deutschen Mitglieder aus dem CMKCHB für einen Schritt in die falsche Richtung. Nicht Spaltung, sondern die Konzentration aller, an ehrlicher und jagdlicher Schweißhundezucht interessierten Jäger ist das Gebot der Stunde.

Dem SHVD, welcher sich seiner Satzung entsprechend um die Aufnahme in den VDH und JGHV bemüht, wird durch den Ausschluss der Deutschen Mitglieder aus dem CMKCHB der Weg in den VDH erschwert. Zur Aufnahme in den VDH benötigt eine Vereinigung von Schweißhundeführern unter anderem 10 Zuchthündinnen und 4 Zuchtrüden mit FCI Papieren der jeweiligen Schweißhunderasse (siehe Aufnahmeordnung VDH).

Wie aber soll der SHVD in den Besitz dieser Anzahl Hunde kommen, wenn nur Mitglieder des ISHV Hunde mit FCI Papieren erwerben dürfen?

Die Deutschen Mitglieder im CMKCHB waren automatisch Mitglieder im ISHV und führen somit Hunde aus den Zuchten des CMKCHB. Einige dieser deutschen Mitglieder sind auch zeitgleich im SHVD organisiert und haben sich unseren Bedingungen zur Zuchtzulassung gestellt:

Zuchtvoraussetzungen im SHVD

-Formbewertung  mindestens gut
-Vorprüfung bestanden (mindestens 1000 Meter über 20 Stunden Stehzeit/ Fährtenschuh getreten/ ohne Schweiß, Anerkannt von fast allen Bundesländern als Brauchbarkeit- Schweiß und somit einsetzbar für eine Tierschutzgerechte Nachsuche)
-Lautnachweiß
-HD Röntgenbefund: frei oder unter bestimmten Bedingungen: Ü
-wesensfeste Arbeit im Schwarzwildgatter

Diese Hunde werden durch unseren Zuchtwart planvoll zur Zucht eingesetzt.
(Gezogene Welpen im Jahr 2014: 63 HS und 12 BGS, von Massenvermehrung aus finanziellen Gründen kann nicht die Rede sein.) Unsere Zucht beruht seit vielen Jahren ausschließlich auf Hunden der FCI und des SHVD. Zur Zucht werden nur Hunde zugelassen, welche ihre Fähigkeit am Schwarzwild zu arbeiten im Gatter oder im Rahmen einer Hauptprüfung nachgewiesen haben.

Wie sollen wir unseren Jägern Hunde mit VDH Papieren zur Verfügung stellen, wenn man nur über  den Besitz von FCI Hunden in den VDH kommen kann?

Ein gangbarer Weg für den SHVD, an Hunde mit FCI Papieren zu kommen, war die Mitgliedschaft von Einzelpersonen im CMKCHB. Aufgrund dieser angeblichen Regel (als Ausländer Mitglied im CMKCHB geht nur, wenn auch die Mitgliedschaft im ISHV organisierten Heimatverein gegeben ist)  und dem daraus resultierenden Ausschluss der Deutschen Mitglieder, wurde dem SHVD dieser Zugang zum VDH erschwert.

Man erschwert es uns, die Aufnahmebedingungen des VDH zu erfüllen und hält uns zeitgleich vor, nicht Mitglied im VDH zu sein.

Natürlich können die Mitglieder des SHVD weiterhin Schweißhunde ohne die Mitgliedschaft im VDH züchten und gesetzeskonform zur Jagd einsetzen. Wir möchten uns der Zertifizierung durch den VDH unterziehen, weil wir die Ziele dieses Dachverbandes vorbehaltlos unterstützen.

Im Rahmen unserer ersten Fragestellung sind wir wirklich verwundert, warum die Deutschen Mitglieder erst jetzt aus dem CMKCHB ausgeschlossen wurden. Nach unseren Informationen haben sie eine Mitgliedschaft im jeweiligen Landesverband nicht vorgetäuscht. Sie haben sich außer dieser Regelwidrigkeit nichts zuschulden kommen lassen. Viele dieser Mitglieder arbeiten ausgesprochen erfolgreich auf der Wundfährte und sind dem Schweißhundewesen mit ganzem Herzen zugetan.

Wenn es diese Regelung (als Ausländer Mitglied im CMKCHB geht nur, wenn auch die Mitgliedschaft im ISHV organisierten Heimatverein gegeben ist) wirklich schon seit Bestehen des ISHV gibt, dann wäre es doch ein Leichtes gewesen, im Rahmen der Stellung eines Aufnahmeantrags in den CMKCHB, die Mitgliedschaft im jeweiligen Landesverein nachzuweisen.(Kopie Mitgliedschaft in einem Deutschen ISHV-Verein)

Unter diesem Gesichtspunkt drängt sich eine Frage geradezu auf: Wurde hier, auf Kosten der Deutschen Mitglieder im CMKCHB, im Nachhinein eine Regel geschaffen?

Sollte sich diese Vermutung bestätigen, dann hat die ehrliche Schweißhundezucht einen herben Rückschlag erlitten. Im Sinne einer waidgerechten Jagd mit gesunden und leistungsfähigen Hunden hoffen wir, dass alle involvierten Parteien Ihre Standpunkte noch einmal kritisch hinterfragen, um vorhandene Gemeinsamkeiten für die Ausübung einer weidgerechten Jagd mit den „Roten Hunden“ zu nutzen.

Weidmannsheil

Im Namen der Mitglieder des Schweißhundeverein Deutschland e.V.,  Tino Fiedler, 1.Vorsitzender

Kurze Erläuterung der in den  Ausführungen verwandten Abkürzungen:

CMKCHB:   der dem ISHV angeschlossene Tschechische Schweißhundeclub, betreut die Rassen Hannoverscher Schweißhund und Bayerischer Gebirgsschweißhund
ISHV: Internationaler Schweißhundeverband, Zusammenschluss von Schweißhunden betreuenden Landesverbänden welche die Aufnahmebedingungen erfüllen (Dachverband der Schweißhundeverbände auf internationaler Ebene)
JGHV: Jagdgebrauchshundeverband, Dachverband aller in Deutschland Jagdhunde betreuenden Vereine welche die Aufnahmebedingungen erfüllen
VDH: Verein für das deutsche Hundewesen, Dachverband aller in Deutschland tätigen Rassehundevereine welche die Aufnahmebedingungen erfüllen
SHVD: Schweißhundeverein Deutschland e.v. betreut die Rassen Hannoverscher Schweißhund und Bayerischer Gebirgsschweißhund, strebt Satzungsgemäß die Mitgliedschaft im VDH und JGHV an
FCI: Weltorganisation der Kynologie

Beitragsbild: Hannoverscher Schweißhund (HS) auf Blumenwiese. Copyright: SE

3 Gedanken zu „„Jedem Jäger seinen Schweißhund?“

  1. Anko

    “Dies kann vom SHVD nicht kommentiert werden, da uns dieses Regelwerk nicht bekannt ist. ”

    Wie soll man das verstehen? Entweder es gibt diese Regelung, oder es gibt sie nicht. Das sollte dann aber – zumal durch den Vorstand des SVHD – doch eindeutig zu klären sein.

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    1. Thomas Mütze

      Woher soll der Vorstand des SHVD wissen, was beim Internationalen Schweisshundeverband im Hinterstübchen an Regeln und Absprachen getroffen wird? Die Tschechen wussten ja bis kurz vorher scheinbar auch nix davon und in den Satzungen war bisher davon nix zu lesen, also wurde diese “Regel” den anderen aufgezwungen

      Antworten
  2. MAC

    Hallo liebe Schweißhundefreunde,

    leider kann ich das ganze hin und her mit den Verbänden usw. nicht mehr nachvollziehen.
    Ich stelle mir oft die Frage, ob es „UNS“ um unsere Hunde geht oder ob wir hier ein Säbelwetzen zu Lasten unserer Hunde durchführen.

    Ich bin mir sicher, dass sich Baron KARG-BEBENBURG aus Reichenhall, das weiterführen der Zucht seiner/ unserer Hunderasse Bayerischer Gebirgsschweißhund anders vorgestellt hat.

    Was ist hier nur passiert?

    Lieber Internationaler Schweißhundeverband (ISHV)

     Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde 1912 e.V. (KBGS)
     Verein Hirschmann (VH)
     Österreichischer Schweißhundeverein (ÖSHV)
     Ungarischer Schweißhundeverein (USHV)
     Schweizerische Schweißhund Club (SSC)

    weitere Mitglieder

     Club Francaise du Chien de Rouge du Hanovre et de Baviere (CFCRHB)
     Ceskomoravski Klub Chovatelu Barvaru Pri Cmmi (CMKCHB)
     Klub chovatelov farbiarov pri Slovanskom polovinikom zváze (KCHF)
     Klub Posokowca przy Zwaizek Kynologiczny w Polsce (KPZKP)

    vorläufige Mitglieder

     Schweden (SVSHK)
     Norwegen (NSHK)
     Slowenien (KVSVKB)
     Belgien (BCBGS)
     Italien (SCI)
     United Kingdom (UKSHA)
     Limier Club Romania

    NICHT Mitgliede

     Schweißhundeverein Deutschland e.V.

    Ich wünsche mir für unsere Hunderasse Bayerischer Gebirgsschweißhund und im Sinne von Baron KARG-BEBENBURG, dass diese Diskriminierung (..weitere/..vorläufige/..nicht Mitglieder) ein ENDE gemacht wird.

    Zum Wohle unserer Hunderasse Bayerischer Gebirgsschweißhund.
    Waidmannsheil und Suchenglück

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