Jagdzeitungen als “moralisches Desaster”

In der Berliner Zeitung setzt sich die Tierrechtlerin Hilal Sezgin mit dem moralischen Wert des Zeitschriftenangebots an Bahnhofskiosken auseinander, was sicher verdienstvoll und überfällig ist. Leider verabsäumt es die Autorin, das breite Angebot an Frauen-, Männer-, Bastel-, Koch-, Society- und weiteren Special-Interest-Blättern einer Analyse auf deren sittlichen Gehalt zu unterziehen. Stattdessen beschränkt sie sich allein auf Jagdzeitschriften, was wieder einmal beweist, dass Jagd auf Jagdgegner eine unwiderstehliche, ja geradezu pathologische Anziehungskraft ausübt. Angesichts der in den untersuchten Jagdzeitschriften gezeigten Bildern von toten, blutenden Wildschweinen oder mehr oder minder brauchbarer Praxistipps zum Abkochen von Trophäen oder Abbalgen von Raubwild zeigt sich Sezgin angewidert und schockiert. Was natürlich die Frage aufwirft, ob sie nicht wusste bzw. hätte wissen können oder müssen, worauf sie sich einlässt und was sie erwartet. Und woran es liegen könnte, wenn sie es tatsächlich nicht wusste. Oder was sie bezweckt, wenn sie es sehr wohl weiß, sich dem aber trotzdem aussetzt. Egal.

Die schwer geprüfte Autorin echauffiert sich über einen Beitrag, der einen Jagdhund mit toter Katze im Maul zeigt und eine angebliche Diskriminierung des Jagdhundes gegenüber der Katze konstatiert, da der Jagdhund bzw. sein Besitzer für die Katzentötung rechtlich zur Verantwortung gezogen werde, der Katzenbesitzer für die Tötung von Singvögeln, Feldhamstern und anderem streng geschützten und vom Aussterben bedrohten Getier aber nicht. Was so allgemein übrigens nicht stimmt, sondern nur gemäß der Devise “wo kein Kläger, da kein Richter, die gerüchteweise auch schon manchen Jagdhund straffrei davon kommen ließ.

Das hält Sezgin aber nicht davon ab, in altbewährter Jagdgegnermanier zu behaupten, der Unterschied sei eben, dass Jagdhunde zur Jagd “abgerichtet und eingesetzt” werden. Was so allgemein auch wieder nicht stimmt, da es etliche Jagdhunde gibt, denen ihre Besitzer beigebracht haben, Katzen und andere Hofbewohner – Hühner, Enten, Frettchen, Falken z.B. – zu schonen, während andererseits diverse Straßen-, Mischlings- und Dorfköter ganz ohne Abrichtung Tag für Tag unzählige Katzen erfolgreich und meistens ungestraft meucheln.

Die Bilder, Themen und Anschauungen in den von ihr ausgewerteten Jagdzeitung nimmt Sezgin zum Anlass, ein “moralisches Desaster” zu konstatieren. Das moralische Desaster ist aber mit weitaus größerem Recht in der Neigung besserwisserischer Zeitgenossen zu verorten, die Toleranz nur kennen und fordern, wenn es um ihre eigenen verschrobenen bis extremistischen Überzeugungen geht und ansonsten – unbeirrt von der Jahrtausende währenden Geschichte von Kreuzzügen, Glaubenskriegen; Gulags, KZs und anderen ideologischen Massakern – immer noch glauben, anderen Menschen vorschreiben zu dürfen, was richtig und was falsch ist und was sie zu tun und zu lassen haben. Moralprediger, Ideologen und Eiferer haben mehr Unheil angerichtet, als alle Jäger aller Zeiten zusammen.

Sezgin verkennt völlig das eigentliche Problem, auch über die Gründe für diese Fehlleistung wollen wir hier nicht spekulieren. Denn wenn ein Beitrag über das Töten von Katzen die Überschrift trägt: “Wer andern in die Muschi beißt, ist böse meist.”, wie es in dem von Sezgin zitierten Artikel offenbar der Fall ist, so ist kein moralisches, sondern vielmehr ein intellektuelles Desaster zu beklagen. Unser Mitgefühl gilt dem armen Menschen, der so etwas hinschreibt und glaubt – möglicherweise gar zu Recht – damit das Niveau seiner Leser zu treffen.  SE

Beitragsbild: Headline des verlinkten Beitrags von Hilal Sezgin in der Berliner Zeitung (Screenshot)

16 Gedanken zu „Jagdzeitungen als “moralisches Desaster”

  1. Ralf

    Das Problem ist, dass Menschen wie die genannte Autorin “Meinung machen”. Dazu noch Mittel der Propaganda, wie emotionsverbindende “fiese” Bilder und die Meinung wird bei den Lesern gemacht. Auch aus diesen Informationen machen sich Leser ihr Bild- auch bildlich zu sehen 😉 Es ist eine Ideologie. Die direkte Konfrontation braucht man im Grunde mit einer solchen Autorin nicht zu suchen, da sie vermutlich “ihre Einstellung” hat und vermutlich schwer vom Gegenteil zu überzeugen sein dürfte- so sachlich das Gegenteil auch dargestellt werden kann und sein mag.

    Was auf jeden Fall erstmal stehen bleibt, ist der Artikel: der Artikel wird von Lesern gelesen. Je nach Auflage kann hierdurch eine entsprechende “Masse” erreicht werden.
    Man sollte den Artikel als Anlass nehmen, öffentlich sachlich zur genannten Thematik Stellung zu nehmen. Es gilt, die öffentliche Meinung mitzubestimmen. Geschieht das nicht, dann bleibt der Artikel der Autorin, “stehen”. Es sieht dann so aus, als sei dies die “Meinung der Bevölkerung”. Die Politiker zumindest scheinen auf sowas zu achten.

    Bei der Verteidigung der Interessen der Jäger kann man heute nicht mehr umgehen, wie noch zu Urgroßvaters Zeiten. Aussitzen ist nicht mehr sinnvoll.

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    1. ahe

      Ich kenne einige Beiträge dieser „Dame“. Lange nichts gehört von der Frau und war schon in grosser Sorge. Der Guten scheint das Geld für Ihren Knadenhof auszugehen. Also mal eben schnell nen Moralartikel lanciert im bunten Berlin.
      Eine direkte Auseinandersetzung mit diesen Typus Mensch ist sinnlos ja sogar Ihrer Sache ggü. eher förderlich. Bringt Sie nur in die Öffentlichkeit wo Sie nicht hingehört. Diese Frau lebt von Ihrem persönlichen ideologischen Müll den Sie in den urbanen Raum pustet und wartet förmlich auf Antwort der Angegriffenen. Mit bestimmten Studiengängen ist halt kein ordentliches Geld zu verdienen. Moralphilosophie gehört wohl dazu.
      Es gibt schlichtweg keine Gesprächsgrundlage und es sollte auch keine gefunden werden. Unsere Gesellschaft leistet sich leider immer mehr von solchen Personen und das Ergebnis sehen wir an allen Ecken dieser Gesellschaft.
      Ein Blick in die in die Vita:
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hilal_Sezgin

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Der Natur und natürlichen Zusammenhängen entfremdete Leute nenne ich Stadtjappel. Es gibt nur einen Ausweg: In der Erziehung und im Schulwesen stärker auf Naturerziehung setzen. Wenn beispielsweise jemand von Spitzmäusen und anderen Nagetieren oder vom Spinnen und anderen Insekten redet, wenn die Arten- und Formenkenntnis beim Fibroblasten aufhört, dann ist Hopfen und Malz verloren. Dann kommt es zu solchen Zeitungsartikeln.

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  3. Horst

    Wenn man sich mal den Namen der Autorin ansieht, kann man leicht erkennen, dass das nur ein weiterer Angriff auf ein christliches, deutsches Kulturgut ist, für den veganen Berlinhipster verpackt als “Tierschutz”.

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      1. Horst

        Warum unterstellen Sie mir etwas, das sie dieser Autorin nicht unterstellen? Vom Prinzip her haben wir hier dieselben Voraussetzungen, um ihre Vorwürfe beiderseits zu rechtfertigen. Nur mit dem Unterschied, dass mein Statement nicht ausländerfeindlich ist. Zum einen ist die Dame deutsche Staatsbürgerin, womit ich auch kein Problem habe, zum anderen hat meine Kritik einen kulturellen, keinen staatsbürgerlichen, oder gar ethnischen Hintergrund. Das ist ein großer Unterschied, der von Leuten wie Ihnen aber bewusst verwischt wird, weil Ihr einziges Argument auf dem Rassismusvorwurf aufbaut.

        Es ist z.B. mehr als interessant, dass die Veganerin Sezgin den Verzehr von Tieren nicht gut findet, andererseits aber kein grundsätzliches Problem mit dem Schächten hat. Sie sagt dazu sinngemäß: “Die Diskussion ums Schächten geht an der Debatte vorbei.” Sie drückt sich also ganz explizit um eine Aussage zum Schächten. Zur Jagd drückt sie sich nicht um eine Aussage. Diese Gehirnakrobatik muss man erstmal hinbekommen und sie ist in ihrem Fall ausschließlich kulturell/ religiös begründet. Sie hat kein Problem damit, eine deutsche Tradition anzugreifen, wohingegen sie einer islamische Tradition, die tierschutzrechtlich äußerst bedenklich ist, bestenfalls ambivalent gegenübersteht, wenn nicht gar apologetisch.

        So möchte ich das verstanden wissen und nicht anders. Herzlichen Dank auch an die Moderation, die für die Meinungsfreiheit hier eine Lanze bricht, was in heutigen Zeiten nicht selbstverständlich ist, zumal ich tatsächlich meine Schuld eingestehen muss, mein Statement nicht klar genug ausgedrückt zu haben.

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      1. admin Beitragsautor

        @RQ: Berechtigte Frage, die Freigabe des Kommentars stand intern durchaus zur Diskussion. Da der Inhalt a) gerade noch vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt und b) nicht strafrechtlich relevant erscheint, er überdies c) keine direkten, persönlichen Angriffe pöbelnder Art enthält und somit keinen groben Verstoß gegen die Netiquette darstellt, wir uns d) nicht zum Privat-Zensor erheben wollen, zumal e) der Kommentar und sein Verf. sich letztlich selbst richten – haben wir uns für die Freigabe entschieden.

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        1. Edelmann

          Ich habe kein Problem mit dem Beitrag:
          “…Angriff auf ein christliches, deutsches Kulturgut ist, für den veganen Berlinhipster verpackt als „Tierschutz“…..”,
          ist schon eine Fähigkeit, in wenigen Worten einen Rundumschlag zu machen.
          Wer sich allerdings mit dem Thema auseinandergesetzt hat, winkt nur lächend ab.
          Chrstlich? Die jagdlichen Hubertusmessen mit der Ehrung des Hl. Hubertus der der Jagd abgeschworen hat?
          Kulturgut? Warum denke ich jetzt an Stierkämpfe in Spanien?
          Unser Umgang mit anderen Lebewesen, und hier meine ich insbesondere die moderne Nutztierhaltung, erinnert mich oft an die Sklaverei.
          Bei uns sind die Nutztiere zum Produktionsfaktor degradiert und werden den Stallhaltungssystemen und dem Profit angepasst.
          Damals empfanden die Nutznießer der Sklaverei diese auch als normal, vom Glauben abgesegnet und erforderlich wegen dem wirtschaftlichen Vorteil. Deutsches Kulturgut? Sind wir dann bei der deutschen Leitkultur?
          Fleischverzicht üben nicht nur Berliner und Hipster, fehlen nur noch die Attribute “weiblich” und “gebildet”.
          Schade ist nur, dass ein geringerer Fleischverzehr bei uns die Produktion nicht senkt, sondern die “Ware” auf dem Weltmarkt plaziert wird.
          Wenn jetzt schlagartig die Wiesen geräumt werden, dann sollte man mal dran denken, dass der Aufwuchs meist in Milch/Fleisch geht, und diese Ware der Weltmarkt gar nicht will – die Gülle bleibt hier.
          Tierschutz? Dieser wird von vielen instrumentalisiert, von links wie von rechts und wird auch im Jagdwesen gerne vorgeschoben.
          Tiere sterben aus, wenn ihnen die Nahrungsgrundlage und Rückzugsräume fehlen und wenn der Mensch eingreift, weil er meint dass … und nicht in der Lage ist, die Folgewirkungen zu überblicken.

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        2. Edelmann

          *Würden Sie bitte in meinem Beitrag von eben die Schreibweise des Hl Hubertus korrigieren?
          Es liegt mir fern, diesen Namen zu verunglimpfen, es war ein Tippfehler.

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  4. Edelmann

    Auch ich lese ab und an Jagdzeitschriften und den Artikel mit dem Jagdhund und der Katze kenne ich zufällig.
    In diesem Heft – und in anderen Beiträgen auch – missfällt mir, der ironisch-herablassende Ton, den man oft findet.
    Gut, es ist für Jäger in Jägersprache geschrieben, aber oft mit einem Unterton wie: wir wissen es besser und machen uns über die dummen anderen lustig.
    In dem besagten Artikel sogar über die deutsche Justiz!
    Das hat alles schon mit Respekt zu tun und den vermisse ich manchmal in der Wortwahl.
    Wie gesagt, es geht um Journale und nicht um Jäger-Foren.
    Ich mach mir noch die Mühe und suche die Textstellen heraus, obwohl es schon spät ist.

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  5. Edelmann

    Berichterstattung:
    Da wird einem Verwaltungsgericht, sprich großstädtischen Richtern, “null Sachverstand” attestiert,
    Einem Richter die Vorstellung von einem kastrierten Labrador aus einem Rosamunde Pilcher-Film unterstellt.
    Ja, das mag sich lustig lesen, ist aber einfach nur herablassend.

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    1. jochen

      Tja so ist das mit anderen Meinungen, die muß man halt aushalten, auch wenn man sie als herablassend empfindet. Und sogar dann, wenn es, gottbewahre, um die segensreiche deutsche Justiz geht. Mir fällt zu dem Thema vor allem ein Zitat von Frank Fahsel ein:
      Ich war von 1973 bis 2004 Richter am Landgericht Stuttgart und habe in dieser Zeit ebenso unglaubliche wie unzählige, vom System organisierte Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen erlebt, gegen die nicht anzukommen war/ist, weil sie systemkonform sind. Ich habe unzählige Richterinnen und Richter, Staats­anwältinnen und Staatsanwälte erleben müssen, die man schlicht “kriminell” nennen kann. Sie waren/sind aber sakrosankt, weil sie Par Ordre Du Mufti gehandelt haben oder vom System gedeckt wurden, um der Reputation willen. […] In der Justiz gegen solche Kollegen vorzugehen, ist nicht möglich, denn das System schützt sich vor einem Outing selbst – durch konsequente Manipulation. Wenn ich an meinen Beruf zurückdenke (ich bin im Ruhestand), dann überkommt mich ein tiefer Eckel vor “meines­gleichen”. Süddeutsche Zeitung vom 9.4.2008
      Sehr respektlos, nicht wahr?

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  6. Ronbi

    Nun, was da alles hinein darf, in so ein veganes (Käse, darf es nicht genannt werden) Äquvalent. Da vergeht mir der Appetit.
    Der Name der Dame (nicht rassistisch gemeint) suggeriert irgendwelche südlichen Länder.
    Bevor da geschächtet wird, werden den Tieren oft die Augen ausgestochen und die Vorderbeinsehnen durchtrennt.
    Und die Beteiligten sind gänzlich emotionslos.
    Auch die Jagd wird je südlicher das Land oft immer archaischer, wenn nicht grausamer.
    Wer kann da etwas gegen die Jagd in deutschen Landen sagen, wo hier doch jedes “Jucken” gesetzlich geregelt ist.
    Und Presse, ob Jagd oder nicht, ist eben Presse. Da kann man über Geschmack oft streiten.
    Wem aber fachlich korrekte Abbildungen und Artikel, auch wenn es blutig wird, in der Jagdpresse zuwider sind, der soll halt was anderes anschaun, Gänseblümchen vielleicht.

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  7. JK

    Das Zeitschriftenangebot für Jäger herzunehmen um deren Gesinnung zu interpretieren finde ich schon etwas gewagt. Was kommt danach? Automobilzeitschriften? Strickanleitungen? Kreuzworträtsel?
    Schlußfolgerung: Der Autor(ob männlich oder weiblich wird im Englischen auch nicht unterschieden! Einen schönen Gruß an die erschöpfend verwendeten Anglizismen) hat das Thema verfehlt, Leistungsverweigerung, durchgefallen!

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