Jagdverbot in Kolumbien? Peta freut sich zu früh

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Auf ihrer Internetseite bejubeln die Tierfreunde von Peta das angebliche “Verbot der Hobbyjagd” in Kolumbien [peta.de/hobbyjagdverbot-kolumbien] und fragen: “Vorbild für Deutschland?”

“Wer in Kolumbien in seiner Freizeit Tiere „schießen“ will, darf das glücklicherweise schon bald nur noch mit der Kamera!”, freuen sich die militanten Tierrechtler. Aber das stimmt nicht. Worum geht es? In einem Urteil vom 6. Februar hat das Verfassungsgericht von Kolumbien entschieden, dass die sogenannte “Sportjagd” (caza deportiva) gegen den in der kolumbianischen Verfassung verankerten Schutz der Umwelt verstößt, zu dem auch der Tierschutz gehört. Die Sportjagd ist im Gesetz 2811 von 1974 (Decreto Ley 2811 de 1974), Art, 252c geregelt. Darin heißt es: “Sportjagd ist diejenige (Jagd), die zwecks Erholung und Bewegung ausgeübt wird, mit keinem anderen Ziel als deren Realisierung”. [Caza deportiva, o sea la que se hace como recreación y ejercicio, sin otra finalidad que su realización misma]. Die Sportjagd dient also ausschließlich der “Erholung und Bewegung”, das Aneignen oder Verwerten der Beute ist nicht nur zweitrangig, sondern vollkommen unerheblich.

Sechs Tierarten dürfen bisher im Rahmen der Sportjagd bejagt werden, und zwar Barraquete-Ente, Pisingo-Ente oder Iiguaza (Dendrocygna autumnalis, Herbstpfeifgans), Rebhuhn, Wildtaube und die Ohrfleckaube sowie der Colablanca-Hirsch. Auf andere in Kolumbien ausgeübte Jagdarten bezieht sich das Urteil ausdrücklich nicht. Das Verbot der Sportjagd wird auch erst nach einer Übergangsfrist in Kraft treten, damit diejenigen, die damit befasst sind, sich auf die Gesetzesänderung einstellen können.

Das kolumbianische Umweltministerium, dass das Verfassungsgericht aufgefordert hatte, die Sportjagd zu verbieten, stellte einem Bericht von CNN español zufolge fest: Diese Jagdart [die Sportjagd] “ist weit entfernt von den Jagdaktivitäten, die die kolumbianischen Volksgruppen für ihren Lebensunterhalt ausüben, oder von der nachhaltigen Wildbewirtschaftung und Populationskontrolle, die Jäger und Fischer in Kolumbien praktizieren.”

Stierkampf vom Urteil nicht betroffen, da als Kulturgut geschützt

Auf den Sportfischfang bezieht sich das Urteil nach Aussage des zuständigen Richters nicht, da keine Verfassungsbeschwerde gegen das Sportfischen eingereicht worden war. Auch der Stierkampf ist von dem Urteil nicht betroffen, da dem “geschützte Rechtsgüter wie kulturelle Ausdrucksformen” [interés protegido como las expresiones culturales] entgegen stünden, was bei der Sportjagd nicht der Fall gewesen sei.

Wenn Peta also fragt, ob das Urteil ein “Vorbild für Deutschland” sei, so ist dies klar zu verneinen. Eher ist es umgekehrt: Mit Tierschutz als Verfassungsziel und den in den deutschen Jagdgesetzen seit Jahrzehnten geltenden Regeln für eine weidgerechte, d.h. u.a. tierschutzkonforme Jagd dürften die hiesigen Normen mit Recht als Vorbild für die aktuelle Rechtsprechung in Kolumbien aufzufassen sein. SE

Beitragsbild: Headline des Blogbeitrags zum Verbot der Sportjagd in Kolumbien auf der Peta-Internetseite (Screenshot).

Die Red. dankt JAWINA-Leser JG für den Hinweis!

 

 

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