Jagdunfall Dalberg: Zwei Schuss in Richtung Rentnerin?

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Bei einer Tatortbegehung im Rahmen des Prozesses um den tödlichen Jagdunfall von Dalberg (JAWINA berichtete) am gestrigen Mittwoch, erklärte ein Gutachter der Bild-Zeitung zufolge, dass der Unglücksschütze zwei Schüsse in Richtung des Opfers abgefeuert haben soll. Dies stünde im Widerspruch zu den Aussagen des Jägers, der den Vorfall als Jagdunfall geschildert hatte. Demnach sei er gestürzt und habe sich dabei um die eigene Achse gedreht, wobei sich der verhängnisvolle Schuss hangabwärts aus seinem Halbautomaten gelöst habe. Der Gutachter habe jedoch zwei Beschädigungen an einem Kirschlorbeer gefunden, weshalb er davon ausgehe, dass mindestens zwei Schüsse in Richtung der Verstorbenen abgefeuert wurden.

Wie der SWR berichtet, hat der Jäger nach dem verhängnisvollen Schuss noch einen krank geschossenen, von einem Jagdhund gestellten Frischling abgefangen. Dabei sei er an der am Boden liegenden Seniorin vorbeigekommen, hätte dies aber zunächst nicht mit dem Jagdgeschehen bzw. seinen Schüssen in Verbindung gebracht. Erst nach dem Abfangen des Frischling habe er den Ernst der Lage erkannt und den Jagdleiter verständigt, der die Rettungskräfte verständigte. Der Jäger sei nicht mehr in der Lage gewesen, erste Hilfe zu leisten, was er mit einem Schockzustand erklärte. Er sei “nicht mehr richtig ansprechbar” gewesen und habe sich mehrfach übergeben müssen, so der SWR.

Dem Sender zufolge verwickelte sich der Jäger in weitere Widersprüche: So habe er seinen Standpunkt bei der Tatortbegehung anders angegeben – etwa 15 Meter entfernt – als bei der ersten Vernehmung durch die Polizei. Auch sei bei dieser nicht die Rede von einem Sturz gewesen. Auch diese vermeintlichen Widersprüche führte der Angeklagte auf den erlittenen Schock zurück. Die Anklage wirft dem Jäger fahrlässige Tötung vor, da er gegen verschiedene Anweisungen der Jagdleitung verstoßen habe: So soll er eigenmächtig seinen zugewiesenen Standort verlassen, hangabwärts und durch dichtes Gebüsch geschossen haben. Sein Verteidiger führt dagegen auf der SWR-Seite in einem Video aus, dass es sich um einen Jagdunfall gehandelt habe. red.

Beitragsbild: Headline des verlinkten Beitrags in der Bild-Zeitung. (Screenshot)

Ein Gedanke zu „Jagdunfall Dalberg: Zwei Schuss in Richtung Rentnerin?

  1. RK

    Bedauerlich. Zu “Sein Verteidiger führt dagegen auf der SWR-Seite in einem Video aus, dass es sich um einen Jagdunfall gehandelt habe.” – ein Jagdunfall war es sicherlich. Vorsatz im Sinne von Absicht lag sicher nicht vor. Das ist typisch für jeden Unfall. Es ist nur die Frage, ob das Verhalten des Schützen im Bereich strafbarer Fahrlässigkeit liegt (darauf deutet einiges hin nach der bisherigen Berichtslage) oder ob es ein nicht strafbarer unglücklicher Zufall war (das Straucheln und die unfreiwillige Schussabgabe wäre ggf. solch ein Fall).
    Interessant wäre zu wissen, wie der Gutachter die “Beschädigungen an einem Kirschlorbeer” der Waffe zuordnen kann.

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