Jagdreise: Streit um Elch

Vor dem Amtsgericht Mönchengladbach streiten sich ein Jagdreisender und ein Jagdreiseunternehmen – der Fall gibt Anlass zu allgemeinen Erwägungen zu Streitfällen auf Jagdreisen.

Dem Zivilverfahren liegt einer Pressemitteilung des Gerichts zufolge folgender Sachverhalt zugrunde:

“Der Kläger verlangt von der Beklagten Zahlung von EUR 1.500,00 als Ersatzansprüche nach einer nicht wie gewünscht verlaufenen Jagdreise nach Weißrussland. Die Beklagte hatte sich in einem 2017 geschlossenen Vertrag verpflichtet, dem Kläger und einem weiteren Jagdgenossen die Gelegenheit zu vermitteln, in einem Jagdrevier bei Sklov einen Elch zu erlegen. Sollte der Kläger keine Chance bekommen, einen Elch zu beschießen, war eine Erstattung von 1.500 EUR des Reisepreises vorgesehen.

Nach Vortrag des Klägers habe er zwar bei der Jagd auf einen „geringen Elchbullen“ geschossen, diesen aber nach seiner Auffassung nicht getroffen. Hätte der Kläger einen Elch mit einem geringen Trophäengewicht erlegt, wäre nach den Vertragsbedingung eine Teilerstattung des Reisepreises von 500 EUR in Betracht gekommen.

Die Reisebedingungen der Beklagten sehen darüber hinaus weitere Zusatzleistungen vor. So wird dort zugesagt, dass bei Erlegung eines Elches die Option besteht, kostenlos einen Biber zu erlegen.

Die Beklagte behauptet, der Kläger hätte den Elch getroffen. Dieser sei kurz darauf von einem Treiber „verludert aufgefunden“ worden, er habe sich „in ein Sumpfgebiet eingeschoben“. Die Trophäe werde gesäubert und bewertet.”

Soweit die Darstellung des Sachverhalts durch das Gericht. Ohne dem Ausgang des Verfahrens in irgendeiner Weise vorgreifen zu wollen oder für eine der Parteien Stellung zu nehmen, regt der Sachverhalt doch zu einigen allgemeinen Betrachtungen an: Klar ist, dass es eine deutliche Ermäßigung des Reisepreises geben muss, wenn die in Aussicht gestellte Erlegung der begehrten Beute daran scheitert, dass schlicht nichts in Anblick kam.

Anders sieht es aus, wenn ein Jagdgast aufgrund eigener Unfähigkeit, mangelnder körperlicher Fitness oder unzureichenden Schießfertigkeiten zwar Gelegenheit zum Schuss hat, aber nicht fertig wird, vorbei oder gar krank schießt. Hier sollte der Jagdgast ehrlich genug sein, sich und anderen einzugestehen, dass es an ihm lag, und niemand anders für sein Scheitern verantwortlich gemacht werden kann.

Dass es mit dieser Selbsterkenntnis nicht immer weit her ist, lässt sich oft genug beobachten. Auf einer Jagdreise auf Elch habe ich es erlebt, dass ein Jagdgast trotz mehrerer Großchancen einfach nicht zu Schuss kam – und dafür dem Hundeführer die Schuld gab. Er wurde nicht fertig, auf ziehendes oder gar flüchtiges Wild zu schießen war er nicht gewohnt, bereits vom stehend freihändig Schießen war er hoffnungslos überfordert. Dabei war in der Reisebeschreibung unmissverständlich beschrieben, dass es um eine Jagd mit Elchhunden geht, dass Elche vor dem stellenden Hund erlegt werden müssen oder der flüchtende Elch an Wegen, Lichtungen oder Straßen durch abgestellte Jäger abgepasst werden soll. Action war angesagt. Dieser Jagdgast aber klagte, dass keine Hochsitze vorhanden wären, dass er “in Ruhe” ansitzen und ansprechen wolle, wie er es von zu Hause gewohnt war – was bei der dichten Vegetation und der eher geringen Elchdichte in dem weitläufigen Jagdgebiet ziemlich aussichtslos wäre – und machte sein Versagen den Jägern und Hundeführern vor Ort und dem Jagdreiseveranstalter zum Vorwurf. Unfair, unweidmännisch, so etwas hinterlässt kein gutes Bild bei den Jägern vor Ort.

In dem vorliegenden Fall, der jetzt vor Gericht landete, war es nach Informationen von JAWINA so, dass der Jagdgast die Chance hatte, auf einen Elch zu schießen – und auch geschossen hat. Angeblich soll der Berufsjäger vor Ort den Jagdgast aufgefordert haben, diesen Elch zu schießen, da er hinkte. Das klingt seltsam, denn Hegeabschüsse sollte es auf einer Jagdreise doch wohl nicht geben. Der Schuss soll durch Gebüsch hindurch abgegeben worden sein. Wenn dies zutrifft, könnte sich das Geschoss zerlegt und der Elch nur von einem Splitter in den Pansen getroffen worden sein. Während der Jagdgast erklärte, auf einen Schaufler geschossen zu haben, schätzte der Berufsjäger das Trophäengewicht auf ca. sechs Kilogramm.

Der Elch kam nicht zur Strecke, das Nachsuchengespann soll am Anschuss keinen Schweiß gefunden haben. Etwa drei Wochen später wurden in der näheren Umgebung des Anschusses die Überreste eines verluderten Elchs gefunden, der in der Trophäenstärke in etwa den Schätzungen des Berufsjägers entsprach. Zwischenzeitlich soll in der Gegend nicht gejagt worden sein. Bekanntlich kann ein angeschweißter Elch noch kilometerweit gehen.

Unklare Schüsse und Nachsuchen sorgen auf Jagdreisen immer wieder für Ärger – schließlich geht es nicht zuletzt um ziemlich viel Geld. Ich habe es schon oft gehört – und einmal auch erlebt – dass die örtlichen Nachsuchengespanne es nicht erlauben wollten, dass der Jagdgast – oder ein Berichterstatter – an der Nachsuche teilnimmt. Darauf sollte man nach Möglichkeit aber bestehen. Zu oft hat schon der unschöne Verdacht im Raum gestanden, dass das bei der Nachsuche angeblich zur Strecke gekommene Wild nicht dasjenige ist, was der Jagdgast beschossen zu haben vermeinte. Jeder Nachsuchenführer kennt es zur Genüge, dass der vermeintlich beschossene starke Keiler sich als Frischling entpuppt – und umgekehrt. Auch Jagdgäste können sich verschätzen, insbesondere wenn es um weniger vertraute Wildarten geht. Begleitet man die Nachsuche, so dürfte kaum der unschöne Verdacht aufkommen, dass einem ein anderes Stück untergeschoben – und berechnet – wird.

Wenn es nicht möglich ist, dass der Jagdreisende die Nachsuche begleitet, z.B. weil er abreisen muss oder die verbleibenden Jagdtage nutzen möchte, so sollte die Nachsuche möglichst dokumentiert werden. Ein mit dem Smartphone oder eine Action-Kamera aufgenommenes Video sollte die meisten Zweifelsfälle ausschließen. SE

Beitragsbild: Auf Jagdreise erlegter Elch wird aufgebrochen. Foto: SE

 

Ein Gedanke zu „Jagdreise: Streit um Elch

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Auf Elch in Schweden oder Gams im Gebirge wurde vorher immer auf die lfd. Scheibe Elch oder 200m Distanz Probe geschossen. Und wenn ich nicht treffe, kann ich gleich daheim bleiben, den keine Elche kann ich auch zu Hause schießen.

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