Jagdhunde: Mit dem Welpen auf die Spur

Die Einarbeitung auf die Spur ist ein Teil jagdlicher Ausbildung, die nicht früh genug beginnen kann. Auch mit Welpen ist sie bereits möglich. Ein Beitrag von Frank Martini.

Da haben Sie ihn nun endlich – den lang’ ersehnten künftigen Jagdgenossen. Gerade noch rechtzeitig vor Jahreswende oder Adventszeit kam er ins Haus, nun ist er erst wenige Wochen bei Ihnen. Und Sie überlegen nun, ob’s vielleicht angesichts der Jahreszeit und Ihrer Pläne nicht besser ein deutlich früherer Wurf hätte sein sollen? Mag schon sein, hilft Ihnen jetzt aber nicht mehr. Beim nächsten Mal vielleicht. Da Wichtigste aber: Ist nicht schlimm! Nur Mut! Sie wissen doch, es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Erst recht für Jäger und Rüdeleute. Also raus – die kalte Jahreszeit und das ‘Babyalter’ Ihres Hundes kann keine Ausrede sein, Gelegenheiten zu verschenken. Schließlich sehen Sie ja auch zu, Ihren Zögling ehestmöglich stubenrein zu bekommen und schon mal mit Sitz, Platz oder Ablegen sowie der Leine vertraut zu machen. Spätestens damit aber sind Ihr Welpe (und Sie) auch reif für die Spurarbeit.

Um Ihnen zu beweisen, dass dies selbst mit ganz jungen Welpen schon geht, habe wir uns mit Nadja, Anne, Markus, Luca und Winfred verabredet – Fred vom Theelshof, ist ein zehn Wochen alter (und zum Zeitpunkt unseres ersten Treffens noch nicht einmal ganz stubenreiner) Deutsch-Kurzhaar Rüde, Luca ein sechs Monate älterer Flat-Coated-Retriever. Für uns geht es vor allem um die Gelegenheit, den blutjungen Fredi auf seinem Weg zum Jagdhelfer von Anbeginn zu begleiten.

Starkes Team: Nadja, Anne, Markus, Luca und Winfred. Fotos: Frank Martini

Früh krümmt sich…

Für den schrittweisen Aufbau dieser Übung haben wir uns bewusst für eine befriedete Fläche mit kurz geschorenem Rasen entschieden. Damit Sie sehen, dass schon ein paar Meter Ihres Gartens oder des Stadtparks für’s Erste reichen. Die ersten Spuren, die Sie legen, werden Sie auf kurzem Rasen auch ohne Markierungen gut sehen. Und weil Hunde Erfolgslerner sind, reichen kurze Intervalle mit wenigen Übungen für den Anfang aus. Nie vergessen – lieber öfter und kurz hält das Interesse Ihres Zöglings wach. Außerdem werden Sie so der noch nicht ausgeprägten Kondition des Welpen gerecht. Denn auch, wenn es harmlos aussieht – Nasenarbeit fordert eine unglaubliche Konzentration und ist richtig anstrengend. Verlangen Sie also von Ihrem Hund nie zu viel. Leichte Übungsschritte, die hohe Erfolgsquoten verheißen, sind gut für die Lernbereitschaft Ihres Schülers – und für Ihre Geduld.

Die ersten Fährten werden unter den Augen der Hunde gelegt. Fred zeigt starkes Interesse. Fotos: Frank Martini

Außer einer langen Leine am Hund, etwa einer leichten Feldleine benötigen Sie nicht mehr als ein paar Futterbröckchen. Und wenn Sie wollen, können Sie sogar noch etwas Schweiß in einer Spritzflasche mitnehmen. Die schafft bereits Abwechslung, auch wenn wir von der Schweißausbildung noch weit entfernt sind. Denn in diesem Stadium bringen wir dem Hund zunächst nur bei, eine Suche auf entsprechendes Kommando mit tiefer Nase voranzubringen. Das hilft ihm für sein erstes Zeugnis von der Jugendsuche im Prüfungsfach Spur –  und Ihnen bei der nachfolgenden Einarbeitung auf die Nachsuche. Als Arbeitsmaterial hat Ausbilder Markus für’s erste eine Dose durch den Wolf gedrehte Lammreste und eine Tüte Frolic im Gepäck. Zunächst mit dem Lammhack, dann mit beidem, legt Markus unter den Augen der Hunde eine Spur, die das Geschehen mit großem Interesse verfolgen.

Zutaten: Leckeres Lammhack … Foto: Frank Martini

… und fein zerbröseltes Frolic. Rinderhack, zerkleinerte Geflügelherzen und dergleichen tun es auch. Rohes Schweinefleisch ist selbstverständlich tabu. Foto: Frank Martini

Leckere Wiese

Einzelne kleine Bröckchen, die auch mal Fäden ziehen, nie aber weiter als zwanzig oder dreißig Zentimeter auseinander liegen. Und für’s erste beschränkt Markus sich auf eine Länge von maximal drei Metern, derweil Anne Fredi an kurzer Leine davon abhält, gleich dem Ausbilder mit dem lecker duftenden Gefäß in seiner Hand nachzueilen. Erst, als Markus sich am Fährtenende aufrichtet, führt Anne Fredi mit dem Finger vor dessen Nase an das erste Bröckchen heran. Nach kurzem Bewinden riskiert der Welpe die Geschmacksprobe. Und zieht, von Annes Führung an kurzer Leine unterstützt, gleich nach. Das scheint ihm mit jedem Zentimeter sichtlich Spaß zu machen – oder er mag Markus ganz doll.

Fingerzeig: Freds Führerin hilft ihm auf die Spur. Foto: Frank Martini

Fast schon wie erfahrene Profis: Nadja und Luca. Foto: Frank Martini

Kaum zu bremsen: Fred auf der großzügig präparierten Fährte. Foto: Frank Martini

So macht arbeiten Spaß. Fred kapiert schon mit zehn Monaten, worum es geht. Foto: Frank Martini

Jedenfalls zieht er nun so vehement in dessen Richtung, dass schon mal ein Bröckchen liegen bleibt. “Überhaupt nicht schlimm”, kommentiert Markus, “der Hund macht das zum allerersten Mal.” Entscheidend ist: Das langsame Voranarbeiten mit tiefer Nase wird für den Kleinen zu einer selbst belohnenden Tätigkeit. Und weil die Übung Neuland für ihn ist, darf er ruhig ein wenig herumwinden, pendeln, auch mal was übereilen und liegenlassen – am Ende wird er erst mal gelobt und kommt auf Annes Arm unter ihre wärmende Jacke.

1a-Führerbindung: Kuschlige Belohnung nach getaner Arbeit. Foto: Frank Martini

Von wegen Pause: Fred verfolgt hochkonzentriert, wie Luca arbeitet. Foto: Frank Martini.

Nun wird das Spiel für Luca genauso wiederholt. Auch er ist darauf noch nicht eingearbeitet.

Luca wird eingewiesen. Foto: Frank Martini

Und obschon der Retriever mit sechs Monaten deutlich älter ist als Fredi, sind zunächst keinerlei Unterschiede festzustellen. Es folgt ein zweiter Durchgang, den nun allerdings Luca als erster absolviert. Denn beide waren mit der ersten Runde gleichschnell fertigt – nur dass Luca konstitutionell dem erst zehnwöchigen Fredi deutlich überlegen ist, dem Markus durch Wechsel der Reihenfolge darum nun eine kleine Pause verschafft. Bereits die zweite Spur wird schon wenige Meter länger – und sie wird gemischt! Bereits auf dem ersten Meter wachsen die Abstände der Fütterbröckchen. Wo das Hackfleisch mal zu gut an Markus Händen klebt, krümelt er anschließend zerdrücktes Frolic in die Lücken. Zu guter Letzt übertropft er die etwa fünf Meter lange Spur mit etwas Schweiß. FM

Fortsetzung folgt.

Lange Jahre war DK Hannah vom Theelshof die treueste und passionierte Jagdbegleiterin der JAWINA-Redaktion. Doch auch über Hannahs Wurf hinaus hat ihr brandenburgischer Zwinger immer wieder bewiesen, dass er Hunde mit herausragendem Potential hervorbringt. Dazu gehört sicher auch der Rüde Winfried vom Theelshof, genannt “Fred”, der inzwischen zweieinhalb Jahre alt, seine VGP mit höchst beachtlichen 352 Punkten absolviert hat. Anlass für uns, die “Grundsteinlegung” für diesen Erfolg nachzuzeichnen und in einer kleinen Serie zu zeigen, wie die Fundamente für die Ausbildung dieses Theelshof-Rüden gegossen wurden. Denn “Fred” traf auf eine äußerst passionierte und engagierte Rüdefrau und Ausbilderin, die ihn zu dieser überzeugenden Leistung auf seiner Meisterprüfung brachte. Und da die immer Ergebnis aus guten Anlagen und entsprechender Ausbildung sind, können von “Freds Geschichte” sicher viele Hundeführer unter den JAWINA-Lesern profitieren. FM

Ein Beitrag von Frank Martini

 

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