Auf Bock in Brandenburg – mit Ausländer-Jagdschein

Ein Gastbeitrag von Tomas Slesar – unser Autor ist gebürtiger Slowake, lebt und arbeitet aber in Finnland. Im ersten Teil seines Beitrags beschreibt er, was man als Auslandsjäger in Deutschland bzw. als Gastgeber beachten muss. Im zweiten Teil schildert er, was er auf seiner Jagd in Brandenburg erlebt hat.

Meine erste Einladung zur Bockjagd bekam ich von einem Bekannten vor einem Jahr. Einerseits Freude, anderseits ein Haufen Arbeit mit den Papieren. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten für Ausländer, die in Deutschland jagen möchten – den Tages-Jagdschein (gilt 14 Tage) oder – je nach Vergleichbarkeit der Prüfungen – auch den Jahresjagdschein. Zuerst habe ich den Tages-Jagdschein beantragt, da ich keine Einladungen für den Herbst hatte und eigentlich auch nicht geplant habe. Ich habe meinen (Ausländischen) Jagdschein in der Slowakei gemacht und kann sowohl den Tages- als auch Jahresjagdschein beantragen. Mein Gastgeber geht zu der Jagdbehörde und fragt nach Details. Der Beamte fragt: „Der Gute (ich) lebt in Finnland, also hat er einen Finnischen Jagdschein oder?“ „Nein“, antwortet mein Bekannter. „Er hat einen Slowakischen Jagdschein.“ „Gut“, sagt der Beamte, „weil mit dem Finnischen Jagdschein darf er nur einen Tagesjagdschein beantragen, aber der Slowakische wird in Deutschland anerkannt, und daher kann er auch den Jahresjagdschein beantragen.“ Also sollte jeder zuerst prüfen, ob sein ausländischer Jagdschein anerkannt wird oder nicht.

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Was wird der Bockansitz bringen – außer reichlich Anblick von Damwild? Fotos: Tomas Slesar

Nach dem geklärt ist, welchen Jagdschein man beantragen wird, muss der Antrag ausgefüllt werden, die Zeugnisse beglaubigt kopiert und noch ins Deutsche übersetzt werden. Da ich Deutsch kann, fiel es nicht schwer, jedoch für einige andere Gäste, kann es problematisch sein. Ein Foto muss auch beigelegt sein. Daher rate ich, schon gute zwei Wochen für diesen Papierkram einzuplanen. Alle Unterlagen wurden eingeschickt, und da dies mein erster Deutscher Jagdschein war, kostete die Erstellung des Jagdscheins 25€, 25€ der 14-tägige Tages-Jagdschein und ca. 17€ die Versicherung.

Der Jagdschein wird nicht erstellt, bevor nicht ein Nachweis über eine gültige Versicherung für den Zeitraum geschickt wurde. Also ich empfehle, bei dem Gastgeber zu fragen, welche Versicherungen es gibt und welche man nehmen sollte. Es ist in jedem Land unterschiedlich. In Finnland habe ich mit einer Gebühr von 33€ Versicherung und Jahres-Jagdschein abgedeckt. Die Versicherungen brauchen auch Zeit, daher würde ich 1-2 Wochen einplanen, bis die Versicherung sämtliche Unterlagen zuschickt. Sie fragen immer nach einer deutschen Adresse, daher musste ich die ganzen Policen zu dem Freund schicken. Der Tages-Jagdschein hat einige Nachteile. Wenn Sie im Herbst auf andere Jagden (in anderen Revieren) eingeladen werden, so müssen Sie den Tages-Jagdschein an die Behörde schicken, die Gebühr von 25€ musste mein Bekannter immer bar bezahlen und die 17€ Versicherungsprämie waren wieder fällig. Nach dem ich es schon das dritte Mal gemacht habe, habe ich mich für den Jahresjagdschein für diese Jagdsaison entschieden. Es kostete ca. 70€ und die Jahres-Versicherungsprämie betrug ca. 35-45€. Je nach Deckungssumme gibt es auch teurere, mir reichte diese. Ich habe den Jahresjagdschein schon im Januar beantragt, als ich meinen Bekannten besucht habe. Es ging schneller.

Ende Mai bekam ich die Einladung auf die Bockjagd. „Ich habe schon einige Böcke gesehen und werde Sie für dich lassen“, versprach mein Freund. Nach Anreise und Begrüßung, haben wir meine Ansitze geplant. „Ich bin mir sicher, dass ein Bock an der Kanzel am Wasserloch seinen Einstand hat.“ sagt er und zeigt mir in seiner Tracker App, wo die Reviergrenzen und die Kanzel sind und wie ich da hinkomme. Wir haben die Kanzel über die Gruppenfunktion geteilt, damit ich sie auch in meiner Tracker App habe und mich im Dunkel einfacher orientieren kann.

Beispielrevier

So könnte das aussehen: Reviereinrichtungen geteilt mit Tracker-App. Foto: Tracker

Um 18 Uhr mache ich mich auf zur Wasserlochkanzel. Nach gut eineinhalb Stunden sehe ich Bewegung zwischen den Bäumen. Nach 5 Minuten stand ein Rudel Damwild – ich vermute 4 Alttiere, 4 Schmaltiere und einen Spießer. Die Alttiere haben noch nicht gesetzt, ich konnte die dicken Bäuche erkennen. Es war ein guter Anblick. Der Mond hat schön geschienen und fast bis Mitternacht hätte ich einen Bock noch ansprechen können. Danach war es stockdunkel. Ich entschloss mich 3-4 Stunden auf dem Hochsitz zu schlafen, damit ich um 4 Uhr schon wieder aufpassen kann. Gegen 3.30 wache ich auf und sehe Bewegung an der Salzlecke. Es war noch ziemlich dunkel. Ich schaue durch meinen Glas und kann ein Geweih an dem Tier erkennen. Ich denke, das ist mein Bock. Ich schaue durch mein Zielfernrohr. „Geweih ist da, nur es ist es ist ziemlich groß für einen Rehbock und warum hat er so weiße Beine?“ wundere ich mich. „Ach das ist doch der krumme Damwild Spießer“. Es waren noch 2 weitere Stücke da, aber kein Rehbock. Auch der nachfolgende Abendansitz brachte keinen Erfolg.

Ein braver Bock… Foto: Tomas Slesar

Beim nächsten Frühansitz wollte ich mich auf den Scherensitz setzen. Um 4 Uhr früh saß ich schon auf dem Hochsitz. Es war ziemlich frisch. 3°C zeigte mir vorher das Thermometer im Auto. Nach zwei Stunden sitzen war es mir schon kalt. Ich habe zum Glück noch eine Jacke im Rucksack gehabt. Die ganzen zwei Stunden schaute ich konzentriert Richtung Salzlecke, meinen Gehörschutz auf volle 20-fache Verstärkung gestellt. Nach 6 Uhr habe ich fast schon meine Hoffnung verloren. Ich drehte mich um und wollte gerade meinen Rucksack öffnen. Vielleicht 10 Sekunden habe ich nicht aufgepasst. Plötzlich sehe ich im Augenwinkel – an der Salzlecke steht ein Stück. Wie es bei Rehwild manchmal ist, sie stehen wie aus dem nichts plötzlich da auf der Schneise.

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Vorher – nacher: Braver Bock, abgekocht. Foto: Tomas Slesar

Ich habe das Stück durch mein Fernglas schnell angesprochen: (m)ein Rehbock, Jährling max. 2 Jahre alt. Ich habe den Bock durch das Zielfernrohr noch gute 5 Minuten beobachtet, aber da er ein wenig unruhig war, kam meine 30-06 auf gute 100m zu Wort. Der Bock sprang hoch und wurde flüchtig. Ich konnte jede Menge Schweiß an der Salzlecke erkennen. Nach halber Stunde ging ich den Bock suchen. Da ich es in dem Gebüsch nicht finden konnte, rief ich den Bekannten mit seinem Schweißhund. Der Hund hat uns angeschaut nach dem Motto: Ihr braucht wirklich meine Nase für sowas?! Da liegt er doch!

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Nettes Andenken, glücklicher Gastjäger. Foto: Tomas Slesar

Ich hatte noch zwei Jagdtage vor mir. Fast Immer einen guten Anblick gehabt. An einem Abend hatte ich 3 Stück Damwild und wahrscheinlich ein Schmalreh vor gehabt. Da ich mir mit dem Schmalreh gar nicht sicher war, ließ ich den Finger gerade.

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Und noch einer. Foto: Tomas Slesar

Erst beim letzten Früh-Ansitz sitze ich wieder an der Wasserlochkanzel, wo der Bock angeblich seinen Einstand haben sollte. Wie es so ist, nach so vielen Ansitzen und kurzen Nächten, meine Augen gingen regelmäßig für 10 Minuten zu. Nach einem kurzen Nickerchen mache ich die Augen auf. Es war gegen 6 Uhr früh. Ein ziemlich guter Rehbock steht an der Salzlecke. Ich habe noch eine Weile beobachtet, bis ich mich zum Schuss entschieden habe.

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Die 30.06 hat gesprochen, der Bock liegt. Foto: Tomas Slesar

Ein Stückchen hinters Blatt habe ich das Fadenkreuz positioniert und abgedrückt. Der Bock wirft den Kopf hoch und unruhig macht er zwei Schritte. „Habe ich vorbei geschossen?!“ Leise repetiere ich nochmal. Der Bock macht einen Bogen und wird immer schneller. Als ich schon das zweite Mal abdrücken wollte, legt er sich hin, und nach wenigen Sekunden war er tot. Der Schuss saß ganz genau, wo ich hin gezielt habe und hat leicht das Herz gestreichelt und die Milz durchgeschossen.

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Kleine Respektsbezeugung vor der jagdlichen Tradition des Gastlandes: Ordnungsgemäß mit letztem Bissen versorgter Bock. Sehr glücklicher Gastjäger. Foto: Tomas Slesar

Und so erfolgreich gingen meine vier Jagdtage vorbei. Tomas Slesar

Tomas Slesar ist Slowake, er lebt und arbeitet in Finnland. Dort ist er beim Hundeortungs-Spezialisten Tracker für das Marketing zuständig.

Ein Gedanke zu „Auf Bock in Brandenburg – mit Ausländer-Jagdschein

  1. Paul

    betr. Nachsuche auf Schwarzwild (junger Keiler ) >>>> der “Schweißriemen ” , besonders aber die “Riemenführung ”
    ist “b e e i n d r u c k e n d “; die “Arbeit” auf der Fährte (AUTOBAHN) = entsprechend >>> ein “LEER-Film für Schweißarbeit..!??!

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