Jäger schießt auf Reh – tot!

Es wurde nur ein Jahr alt

Ein eigentlich friedlicher Nachmittag in einer kleinen Gemeinde in Brandenburg. Plötzlich zerreißt ein Schuss die trügerische Stille: Zeugen beschuldigen Jäger F., sich auf einem mit Zweigen verblendeten Gestell auf die Lauer gelegt zu haben und das junge männliche Reh mit einer vermutlich legal besessenen Waffe erschossen zu haben. Es war sofort tot. Jede Hilfe kam zu spät, auch die zufällig anwesende Tierärztin konnte nur noch den Tod des Rehbocks feststellen. Es wurde gerade einmal ein Jahr alt. Entrüstet äußert sich Anwohnerin Sieglinde A. über das blutige Geschehen am Dorfrand: “Es ist ein Skandal, ich bin immer noch ganz erschüttert, wie kann man nur so verroht sein!” Unter Tränen fügt die nach eigenen Aussagen engagierte Tierschützerin hinzu: “Da waren Kinder in der Nähe. Die sind gleich hingerannt und wollten total neugierig dem Jäger beim Ausweiden des armen Tiers zusehen! Wir mussten sie beinahe mit Gewalt wegzerren und ihnen erstmal erklären, wie schrecklich das ist, was sie da sehen. Diese traumatische Erfahrung wird ihnen noch lange zu schaffen machen!” Unbelehrbar zeigte sich indessen der dringend Tatverdächtige F., der sich mit dem blutigen Vorfall noch brüstete: “Sauber Schuss! Ich bereue nichts!”

Beitragsbild: Tot: Das Opfer. Foto: SE

5 Gedanken zu „Jäger schießt auf Reh – tot!

  1. Anko

    „Da waren Kinder in der Nähe. Die sind gleich hingerannt und wollten total neugierig dem Jäger beim Ausweiden des armen Tiers zusehen! Wir mussten sie beinahe mit Gewalt wegzerren und ihnen erstmal erklären, wie schrecklich das ist, was sie da sehen.”

    Ich nehme zur Kennntnis, dass diese Personen ihnen völlig fremde und natürlich interessierte Kinder schon die “beinahe mit Gewalt wegzerren” und damit jedenfalls gegen ihren Willen “wegzerren” (nötigen), um dann sogleich den erfolgreichen Erleger als “verroht” zu denunzieren.

    Dem Erleger Weidmannsheil!

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    An einem graunebligen Herbstmorgen wird in einem 70 Seelen-Dorf in Brandenburg ein Schwein aus dem Stall geholt. Der Knall des Bolzenschussgeräts lässt allen Anwesenden den schmalen Grat zwischen Leben und Tod wieder ins Bewusstsein dringen. Es überwiegt aber die Vorfreude auf Wurst und Schinken, und insofern bleibt das Mitleid mit dem armen Schwein doch beherrschbar. Da kommt ein kleiner Junge aus der Nachbarschaft, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, auf den Hof, um beim Schlachten zuzuschauen. Die normalste Sache der Welt, eigentlich. Doch kaum drei Minuten später kommt die Mutter hinterher und zerrt den Jungen vom Hof. Das sei doch alles so schrecklich und er dürfe sich das nicht ansehen! “Es ist ein Skandal, ich bin immer noch ganz erschüttert, wie kann man nur so verroht sein”?, sagte die Mutter.
    Wir haben uns als Jungs früher darum gestritten, wer beim Schlachten das Blut rühren darf, und wir haben gelernt, dass man einem Huhn kunstgerecht den Kopf abhacken muss, bevor es leckere Hühnersuppe geben kann. Heute darf es den Tod nicht geben. Wurst und Fleisch kommen aus der Wursttheke des Supermarkts. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier wird von der urbanisierten Menschheit nicht mehr gesehen bzw. hartnäckig wegdiskutiert oder geleugnet. Welche Blüten soll diese Realitätsverweigerung noch treiben?
    Die Geschichte von dem kleinen Jungen, der beim Schlachten zusehen wollte, hat sich übrigens schon vor etwa 15 Jahren ereignet! Heute wird dort auch nicht mehr geschlachtet, ja darf nicht mehr geschlachtet werden. Wie lange soll die Tyrannei der Stadtjappel, die wir Jäger ja ganz besonders spüren, eigentlich noch dauern?

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  3. RK

    Interessant, wie Kinder prinzipiell nur das spiegeln, was Erwachsene an Einstellung übernehmen. Normalerweise haben Kinder ein natürliches Interesse an vielen Dingen, so auch an der Jagd. Ekel entsteht oft erst, wenn er von Erwachsenen vorgelebt wird. Wer mal mit seinem eigenen Kind ein Stück zerlegt hat, wenn der Nachwuchs 10 kg Salz auf der Decke (Fell) des Tieres verteilen durfte, dann erkennt man, dass dies keineswegs “verroht” ist, sondern einfach nur ehrlich.
    Beispiel aus dem Rettungsdienst: Auch dort zeigen Kinder Interesse an Fortbildungsmagazinen, blutige Bilder sind nicht per se ekelbehaftet.
    Zum Thema vermutlich passend (habe es noch nicht selbst gelesen): “Kannst Du mal die Leber halten? Mein erster Tag auf der Jagd” – von: Asche, Florian/Leuchtenberger, Brigitte

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  4. Joachim

    Kinder, sagen wir vielleicht bis zum Ende des Grundschulalters, waren immer interessiert, was ich mit dem erlegten Stück mache. Egal ob beim Ansitz dabei oder zufällig hinzugekommen waren alle ausnahmslos interessiert, wollten beim Aufbrechen dabei sein, den Aufbruch in die Hand nehmen, um zu wissen, wie es sich anfühlt. Erklärt und gezeigt bekommen, wie es drinnen im Reh aussieht und wie es funktioniert, wollten sie alle. Von sich aus wohl gemerkt.

    Vielleicht geht es uns heute einfach zu gut und wir verlieren die Relationen?

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  5. Lars

    Zitat: “Wie in Luxemburg muss ein Fuchsjagdverbot in Deutschland eingeführt werden. Räude ist eine Stresskrankheit, bei intaktem Immunsystem bricht sie nicht aus. Daher ist es wichtig, dass – wie von der Natur vorgesehen – Fuchsvater und Fuchsmutter mit vereinten Kräften die Jungen aufziehen können.”

    Quelle: ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Immer-mehr-Luchse-sterben-durch-Fuchsraeude,luchs358.html

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