Jäger retten Schwan

“Hey, könnt ihr mal gucken, was mit dem Schwan da ist? Der kommt da nicht weg!”, schallte es über den See, den das Jawina-Hard-Core-Hunting-Team soeben mit zwei stolzen, rudergetriebenen Schaluppen zum Zweck der Entenjagd befuhr. Stimmt, da war was – aus dem Augenwinkeln waren mir auch schon die merkwürdigen ruckenden Bewegungen des Schwans aufgefallen, der vor dem Inselchen zur Linken scheinbar friedlich vor sich hin dümpelte. “Kurs Nord-Nordost, klar bei Oberbramstenge zum Rundbrassen”, erscholl also der Ruf an den Navigator, der seemännisch korrekt mit den Worten “Hinten oben zehn, Herr Kaleun”, antwortete.

Als sich die Boote dem höckrigen Schnabeltier nähern, offenbaren seine vergeblichen Fluchtversuche die Malaise des Tiers: Der hing tatsächlich fest. Glücklicherweise war die Tierärztin dabei, die mit einem beherzten Griff den Schwan aus dem Wasser ins Boot beförderte – ohne sich dabei auch nur einen der gefürchteten Schnabelhiebe zuzuziehen: “Wenn du die Flügel zusammen drückst, machen die nichts mehr”, lautet der fachkundige Kommentar. Die Diagnose war auch ohne medizinische Fachkenntnisse leicht zu stellen: Das Tier hatte sich mit einem Ständer in einer dicken, geflochtenen Angelsehne verfangen.

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Angelsehne um Schwanen-Ständer.
Foto: SE

Bei diversen vergeblichen Versuchen, sich zu befreien, hatte der Höckerschwan die Sehne offenbar nicht nur mehrfach um den Ständer gewickelt, sondern auch die Flügel mit eingesponnen. “Der wäre hier verendet”, meint einer der Jäger an Bord, der jetzt sein Messer zückt, um den Schwan zu befreien. Der Rudergänger hält derweil mit eisernem Griff die Hunde am Nackenfell fest, weil die nämlich zu einer anderen Einschätzung der Situation gekommen sind und entschieden für “Erlösen, der quält sich!”, plädieren.

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Umweltbewusster Hund apportiert abgeschossene Schrotpatrone – schon bei der Abrichtung des vierläufigen Jagdhelfers lassen sich Umweltaspekte berücksichtigen.
Foto: SE

Die Befreiung des Schwans gestaltet sich schwieriger und langwieriger als zunächst angenommen. Er hat sich wirklich gründlich verheddert, und die Angelsehne leistet Widerstand.

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So sind wir Jäger: Jeden Tag eine gute Tat. Heute: Die Schwanenrettung.
Foto: SE

Endlich ist es soweit: Mit einem großen Platsch wird der Schwan gewassert – und geht unter! Um gleich wieder aufzutauchen und mit einigem Bürzelschwingen und Flügelschlagen die Scham über diesen unerhörten Angriff auf seine Würde abzuschütteln.

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Plumps, platsch! Ein unerträglicher Affront für das stolze Tier.
Foto: SE

Nicht so glimpflich davongekommen sind fünf Schnabeltiere der Gattung Stockente. Diese werden jetzt ausgenommen, gerupft und im Backofen gebacken bis dass die Knusprigkeit eintritt. SE

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Foto: SE

 

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