IWA-Nachlese: IRay – Wärmebild-Gigant aus China

Oder: Der Abstieg Deutschlands und weiter Teile Europas zu bloßen Absatzmärkten

Es ist kein Zufall, wenn einem die Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräte bekannt vorkommen, die das chinesische Unternehmen IRay auf seinem relativ bescheidenen Messestand auf der IWA 2019 zeigt. Und nein, IRay ist beileibe nicht der böse chinesische Plagiator. Vielmehr beliefert der Wärmebild-Gigant diverse deutsche und europäische Optikfirmen, die IRay-Produkte unter ihrem Namen vertreiben. Schon ab relativ kleinen Stückzahlen bietet IRAy seinen Kunden ein Branding an, das es hiesigen Anbietern ermöglicht, IRay-Erzeugnisse unter ihren Markennamen zu vertreiben. Auf dem Messetisch von IRay finden sich sogar Produkte, die für einschlägig bekannte deutsche Nachtsicht-Anbieter gebrandet sind. Und umgekehrt: Schaut man sich die Messeneuheiten an den Ständen jener Anbieter an, so leuchtet einem beim Einschalten auf dem Display mitunter das IRay-Logo entgegen.

Nachtsichttechnik von IRay. Foto: SE

IRay stellt auch die neuesten fusionierenden Nachtsichtgeräte her, die ein Bild aus Wärmebild und Infrarot erzeugen. Das erst 2009 in Yantai in der chinesischen Provinz Shandong gegründete Unternehmen hat sich zu einem führenden Anbieter von High-End-Nachtsichttechnik entwickelt und betreibt fünf (!) Forschungs- und Entwicklungszentren in China. Ende 2018 stellte IRay den ersten Wärmebildsensor mit einer Auflösung von 1280×1024 12-µm-Pixeln vor – eine weitere Verdopplung der Auflösung gegenüber den bislang leistungsfähigsten Geräten im Consumer-Bereich.

IRay stellt auch die Wärmebild-Sensoren her. Foto: SE

Mittlerweile exportiert IRay in mehr als 40 Länder und strebt den Aufbau einer globalen Industrie-Plattform für Nachtsichttechnik an:

Aus dem IRay-Katalog (Screenshot).

Das chinesische Erfolgsunternehmen steht beispielhaft für eine Entwicklung, die einen durchaus nachdenklich stimmen kann: Längst kommen nicht nur mehr billige Massenerzeugnisse oder Nachbauten westlicher Produkte aus China, längst nehmen chinesische Firmen Spitzenplätze bei Forschung und Entwicklung und damit bei Innovationen und Patenten ein. Viele High-Tech-Produkte werden in China entwickelt und können aufgrund des dort konzentrierten Know-How und der weltweit einmaligen Produktionskapazitäten nur noch dort hergestellt werden. Der umstrittene, aber ebenfalls äußerst erfolgreiche Hersteller von Kommunikationstechnik Huawei soll sich einen so großen technologischen Vorsprung erarbeitet haben, dass selbst die “Experten” vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beim besten Willen gar nicht in der Lage wären, die Produkte von Huawei auf eingebaute Hintertürchen zu überprüfen.

Bei uns hingegen verabschiedet sich seit Jahrzehnten ein Industriezweig nach dem anderen auf Nimmerwiedersehen Richtung Fernost, Deutschland und weite Teile Europas drohen zu bloßen Absatzmärkten zu verkümmern. Während wir fröhlich dabei sind, mit der Autoindustrie die (neben dem Maschinenbau) so ziemlich letzte Branche zu zertrümmern, in der noch so etwas wie technologische Markftführerschaft besteht, wird die Entstehung neuer innovativer Branchen durch ideologisch verfestigte Technologiefeindlichkeit, Bürokratismus, exorbitante Energiekosten infolge der verpfuschten Energiewende und die horrende Steuer- und Abgabenlast zuverlässig verhindert.

IRay allein betreibt fünf Forschungs- und Entwicklungszentren in China – individueller Kundenservice 24 Stunden an sieben Tagen die Woche. Aus dem IRay-Katalog (Screenshot).

Über die Hälfte des Bundeshaushalts fließt mittlerweile in Sozialausgaben, Tendenz steigend: “Sie [die Sozialausgaben] werden laut Finanzplan von 173 Milliarden Euro im Jahr 2018 (50,4 Prozent des Etats) auf 193,7 Milliarden Euro im Jahr 2022 steigen (51,6 Prozent)”, teilt die Bundesregierung mit. Gespart, geschludert und gekürzt wird ausgerechnet bei Bildung und Forschung, während es mit dem Niveau deutscher Schüler rasant bergab geht, wie Pisa-Studien und Mathematik-Olympiaden mit geradezu furchteinflößender Eindringlichkeit belegen.

Der Wirtschaftswissenschaftler, Militärdemograf und Soziologe Gunnar Heinsohn kritisiert das “Bildungsfiasko” und die Unfähigkeit Deutschlands, die “Dequalifizierung seiner Bevölkerung” zu stoppen und formuliert in diesem äußerst lesenswerten Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) Zweifel an der Tragfähigkeit von “Berlins Kernbotschaft an den eigenen Nachwuchs à la “opfert euch für Rentner und arme, hilfsbedürftige Zuwanderer aus Afrika und dem Islambogen”. Dies höre man “aus Ottawa oder Canberra nicht.” Dagegen erklinge laut und unüberhörbar: “Wir lassen euch mehr in der Tasche, wir verhindern Terror, wir dulden keinen Judenhass.” Gerade weil sie “Pässe nur an Asse” vergäben, seien diese Länder zu “Magneten für leistungsfähige Einwanderer aus der übrigen europäiden Welt” geworden.

Konsequenterweise kehren seit Jahrzehnten Heerscharen von Deutschen (Jahr für Jahr im sechsstelligen Bereich), entnervt von hoher Steuer- und Abgabenlast und überbordender Bürokratie ihrem Heimatland den Rücken, um ihre produktivsten Jahre im Ausland zu verbringen – wenn sie denn überhaupt zurückkehren. Es sind die Qualifizierten, die gehen, “die Leistungsstarken, Selbstbewussten, Risikobereiten. Diese Talente fehlen der Wissenschaft als Ideenlieferanten und Lehrende, sie fehlen den Unternehmen als Fachkräfte, sie fehlen dem Staat als Steuerzahler, dem Standort als Gründer. Und sie fehlen der Gesellschaft als Vorbilder”, konstatiert die Wirtschaftswoche. Ersetzt werden sie, wie trotz und entgegen des Wunschdenkens der Regierung immer deutlicher wird, durch bildungsferne Einwanderer, was die Problematik schrumpfenden Qualifikationsniveaus und steigender Sozialausgaben aller Voraussicht nach verschärfen wird. Kritiker und Länder, die diesen Weg nicht mitgehen wollen, werden von einem seltsam einstimmigen Chor aus Medien, Politikern und Aktivisten als rechte Menschenfeinde abqualifiziert.

In der Folge verstärkt sich bei immer mehr Bürgern der Eindruck, dass die Politik sich mit Frauenquoten, Feinstaubwerten, Gendersprech und Toiletten für alle theoretisch denkbaren Geschlechter verzettelt, aber nicht in der Lage ist, in wichtigen Bereichen wie der Wirtschafts-, Energie-, Bildungs-, Verteidigungs- oder Einwanderungspolitik zukunftsfähige Lösungen zu finden. Ob die daraus resultierende Bereitschaft, Protestparteien zu wählen, der Politik den erforderlichen Ruck vermittelt, die drängenden Zukunftsfragen endlich anzugehen, oder ob die politische Polarisierung zur Intensivierung der Grabenkämpfe bei Hintanstellung der Sachfragen führt, bleibt abzuwarten.

Dass sich die Misere auf vielen Gebieten bereits Jahre oder Jahrzehnte hinzieht und sich eher verschlechtert, als dass Besserung absehbar wäre, lässt Pessimismus als die eigentlich realistische Grundhaltung erscheinen. Ein wenig Mandarin zu lernen kann jedenfalls nicht schaden… SE

Beitragsbild: Wärmebildkameras auf dem Messetisch von IRay auf der IWA 2019. Foto: SE

 

 

7 Gedanken zu „IWA-Nachlese: IRay – Wärmebild-Gigant aus China

  1. Anko

    Klare Worte zu unübersehbaren Fakten. Ich fürchte nur, es dauert noch Jahre, bis der Ruck kommt.

    Und ich bin mir sicher: Die regierende Politik hat sich zu weit verrannt, um selbst noch zur Kehrtwende zu blasen. Aber-Milliarden werden und wurden nach wie vor ausweglose technologische Sackgassen wie die Förderung nicht unterbrechungsfrei möglicher “erneuerbarer” Energien, in E-Mobilität ohne bewältigbare Lade-Infrakstruktur und in experimentelle Bevölkerungs- und Bildungspolitik versenkt, während bewährtes und tragendes mitsamt ganzer Industriezweige und der Bildungsgrundlagen gegen die Wand gefahren wird. Die Kehrtwende wäre ein Verantwortungseingeständnis, zu dem Verantwortliche schon lange nicht bereit und nicht fähig sind. Verantwortung wird mittlerweile mit Inbrunst und weitgehend nach Brüssel delegiert. Eine Erinnerung an die bevorstehende EU-Wahl im Mai und die Möglichkeit, zumindest per Wahlzettel mitzubestimmen, wo es lang gehen soll.

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  2. jochen

    Das alles konnte man schon vor ziemlich langer Zeit sehen, wenn man es denn sehen wollte! Deutschland schafft sich ab, war eigentlich keine Warnung, sondern eher schon ein Nachruf. Doch jetzt und in Zukunft soll sich keiner beschweren, der für ein: weiter so, wir schaffen das, gestimmt hat. Das Hauptproblem ist doch, das diejenigen die noch gesunden Menschenverstand haben, in diesem Land, nicht aufstehen und auf den Tisch hauen und ein Ende von z.B diesem Schwachsinn (m/w/d) fordern ( nur ein kleines Bsp aus dieser Irrenrepublik). Doch solange alle Angst haben, vor einer verrückten Minderheit, wird es auf diesem Weg weitergehen und viel Hoffnung gibt es wohl nicht.

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    1. Grimbart

      Das stimmt, D hat sich schon abgeschafft und selbst wenn jetzt eine Kurskorrektur erfolgen würde, käme die wahrscheinlich schon zu spät.

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    2. Titus von Unhold

      Nur dass w/m/d auf einem Urteil des höchsten deutschen Gerichts beruht. Insofern bin ich als junger weißer Mann froh dass die Personen die das Ende der Progressivität fordern, selbst auf biologische Weise einem Ende ihrer Forderungen entgegen sehen.

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  3. Ronbi

    Also ich möchte in keinem totalitätrem Überwachungsstaat, wie China leben.
    Man wird gescored (coputerisiert bewertet). Ein paarmal bei Rot über die Straße, eine Bemerkung zu viel über die Partei und es ist aus mit den Freiheiten. Etwa ist die Kreditwürdigkeit dahin.
    China erschießt ab und an Steuerhinterzieher.
    China unterdrückt brachial Uiguren und Tibeter.
    China hat ein Bruttosozialprodukt, wie Bulgarien und ein riesiges Soziales Problem.
    Chinesischen Unternehmen sind die Produktionskosten im eigenen Land bereits zu teuer.
    China hat riesige Umweltprobleme, etwa vergiften seine Textilfabriken die Flüsse.
    China ist ein Risikofaktor für den Frieden, siehe Taiwan und das chinesiche Meer.
    China ist ein Problemfaktor mit seinem Neue Seidenstraßenprojekt. Damit macht es jetzt auch Italien und Grichenland finanziell von sich abhängig.
    China subvetioniert mit unglaublichen Mitteln seine Industrie und Wissenschaft.
    Ein Teil von Daimler gehört Chinesen, der andere Teil den Saudis und der Rest auch irgendwem.
    Natürlich könnte man in Deutschland einiges mehr tun.
    Die Sozialämter abschaffen und das bedingungslose Gruneinkommen für alle einführen, wie es der Besitzer der DM-Drogeriemärkte als einer der Ersten vorschlug.
    Man könnte eine Bürgerversicherung für alle, wie in der Schweiz einführen.
    Man könnte die staatliche Arbeitsvermittlung schließen und privatisieren.
    Man könnte den Kündigungsschutz abschaffen und durch eine Abfindung eines Jahresgehalts ersetzen.
    Man könnte Kleinbetriebe und Handwerker steuerlich entlasten.
    Man könnte das Steuerrecht radikal zusammenstreichen.
    Man könnte, wie in den USA, bestimmen, dass Steuern da gezahlt werden, wo die Gewinne gemacht werden.
    Man könnte Großkonzerne, auch Deutsche, zwingen ihre Steuern zu zahlen.
    Das wäre dann der Betrag, der fehlt um Schlaglöcher und Schultoiletten zu sanieren.
    Man könnte Bundeländer einsparen.
    Man könnte die Zahl der Bundestagsabgeordneten begrenzen.
    Man könnte den Bundespräsidenten einspaaren.
    Man könnte die Kanzlerschaft auf vier Jahre begrenzen.
    Man könnte viele Ländergesetze zentralisieren.
    Man könnte das Waffenrecht liberalisieren.

    Übrigens, eine sehr gute IR Kamera für Stills und Video kommt, im Zuge eines Crowdfunding, aus den USA.

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