Italien will Wölfe abschießen lassen

“Wir haben zig Millionen für die Rückkehr der Wölfe in unsere Wälder und Berge ausgegeben […], jetzt müssen wir noch ein paar Euro in Kugeln investieren, schreibt die italienische Tageszitung La Republicca. 1971 war der Wolf in Italien fast ausgestorben und wurde unter Schutz gestellt. Inzwischen leben wieder zwischen 1070 und 2452 Wölfe im Apennin, zwischen 100 und 150 in den Alpen. Das italienische Umweltministerium hat nun einen Plan vorgelegt, der eine “Entnahme” von Wölfen vorsieht, weil die Schäden für Viehhalter und Hirten untragbar geworden seien. Das Vorhaben löste, wie zu erwarten war, heftige Proteste unter italienischen Tierschützern aus.

Als Beispiel für die Konflikte zwischen Mensch und Wolf führt La Republicca die Provinz Grosseto in der Toskana an, die “die Heimat für etwa die Hälfte der zwischen 550 und 600 Wölfe und Wolfshybriden in der Toskana” sei. Im Jahr 2010 seien 2.296.659 Euro ausgegeben worden, um Hybridisierung von Wolf und Hund zu verhindern bzw. Hybriden zu entfernen. 2011 seien 1.657.636 Euro investiert worden, um Konflikte zwischen Wölfen und menschlichen Aktivitäten zu verhindern. Im Jahr 2014 wurde ein mit vier Millionen Euro dotierter Dreijahresplan zur Entschädigung von Viehzüchtern verabschiedet.

Der vom Umweltministerium entworfene Plan sieht vor, das Tötungsverbot für Wölfe aufzuheben, wenn sie zu einer “Gefahr für die Bevölkerung” werden. Es ist eine Obergrenze für die Entnahme in Höhe von fünf Prozent der Wolfspopulation vorgesehen. Das Umweltministerium ist sich bewusst, dass der Plan gegen EU-Recht verstößt, nach dem Wölfe streng geschützt sind. Das Ministerium verwies jedoch darauf, dass Ausnahmen vom strengen Schutzstatus bereits  in Frankreich, Spanien und Schweden gemacht worden seien. Man wolle eine Ausnahmeregelung beantragen, um “soziale Spannungen” in den Wolfsgebieten zu verhindern.

Ein Sprecher des italienischen Landwirtschaftsverbands Coldiretti, Stefano Masini, begrüßte die geplante Regelung: Die Regierung habe endlich erkannt, dass Viehzüchter den ständigen Attacken der Wölfe nicht mehr standhalten könnten. Der Tierschutzverband LAV kritisierte das Vorhaben und sprach von einem “Schritt zurück in die Vergangenheit.” Die Tötung von Wölfen sei “moralisch und wissenschaftlich unannehmbar.”

La Republicca wies darauf hin, dass den italienischen Bauern und Waldbesitzern auch andere Tierarten zu schaffen machten: Trotz der rasanten Zunahme der Wolfspopulation ist die Zahl der Hirsche seit 1980 um 700 Prozent, die der Gämsen um 120 Prozent und die der Wildschweine seit dem Jahr 2000 um 400 Prozent angewachsen. Pläne der Regierung, die Wildschweine verstärkt zu bejagen, führten ebenfalls zu Protesten von Tierschützern. SE

Beitragsbild: Headline des zitierten Beitrags in La Republicca (Bildschirmfoto).

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