Italien: Wildschwein tötet Spaziergänger

Risiken der ausufernden Wildschweinpopulation zu lange ignoriert: “Katastrophe mit Ansage”

In der Nähe der Stadt Cefalù auf Sizilien hat eine Rotte Wildschweine am Samstag Morgen gegen 8.30 Uhr ein älteres Ehepaar angegriffen. Der 77jährige Salvatore Rinaudo überlebte die Attacke nicht. Medienberichten zufolge hatte das Paar mit seinen Hunden einen Spaziergang unternommen, als sie auf die Rotte trafen. Die Hunde bellten die Wildschweine an, worauf die Sauen angriffen. Als der Mann versuchte, seinen Hunden zu helfen, wurde er ebenfalls attackiert. Ein Keiler fügte ihm tödliche Verletzungen zu. Die Frau wurde beim Versuch, ihren Mann zu retten ebenfalls verletzt. Rosa Rinaudo, 73, kam mit Prellungen und Bisswunden vor allem an Bauch und Beinen in ein Krankenhaus, sie steht unter Schock.

Der Vorfall spielte sich im Bezirk Mollo, unweit des Naturparks Madonie ab. Schon seit geraumer Zeit mahnen die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, insbesondere in den Bergdörfern rund um das Naturschutzgebiet, vor den Risiken durch die ausufernde Wildschweinpopulation. Sie fordern, die Ernten zu schützen und die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten. Von einer “Katastrophe mit Ansage”, spricht dann auch der Präsident des Naturparks Madonie, Angelo Pizzuto, gegenüber der italienischen Tageszeitung La Stampa: Trotz wiederholter Anfragen hätte der Gesetzgeber nicht die erforderlichen Regelungen zur Eindämmung der Wildschweinpopulation verabschiedet. Jetzt sei die Zeit abgelaufen. Gegenüber der Tageszeitung La Repubblica erklärte er, die Parkverwaltung sei “wie die Bürgerinnen und Bürger ein Opfer”. Pizzuto sprach den betroffenen Familien seine Solidarität aus und versprach, sich für eine ernsthafte und konkrete Lösung einzusetzen, “um dieser Tragödie ein Ende zu setzen.” Die Vorsitzende des italienischen Tierschutzbundes (L’Ente protezione animali, ENPA), Carla Rocchi, forderte derweil in La Repubblica, es dürfe “jetzt keine Verfolgung” der Schweine geben. Eien weitere ENPA-Mitarbeiterin erklärte, Wildtiere würden es nicht genießen, Menschen anzugreifen, wahrscheinlich habe sich in diesem Fall eine Bache mit Frischlingen bedroht gefühlt. Es sei zu fragen, warum in dem Naturpark keine Informationen zum Verhalten bei Begegnungen mit Wildtieren ausgegeben würden. SE

Beitragsbild: Bache, Copyright: SE

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