Interview: Von waidgerechter Jagd zu Kill-for-Cash-Partys?

Der bekannte Nachsuchenführer, Jagdautor und Tierfotograf Seeben Arjes ist bei einer Anhörung im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im September, bei der es um das Gesetz zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes ging, für den Deutschen Tierschutzbund aufgetreten. Wir wollten wissen, wie es dazu kam – und ob, wie und warum sich seine Einstellung zur Jagd grundlegend geändert hat.

JAWINA: Herr Arjes, Sie haben Im September für den Deutschen Tierschutzbund (DTB), der für seine jagdkritische bis jagdfeindliche Haltung bekannt ist, an einer Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im niedersächsischen Landtag zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes teilgenommen. Wie ist es zu dieser Kooperation mit dem DTB gekommen? Sind die auf Sie oder sind Sie auf den DTB zugegangen?

Der DTB ist mir nicht als jagdfeindlich bekannt. Er wendet sich gegen Tierquälerei, egal von wem diese ausgeht.

Durch meine Vorträge und Artikel in Magazinen werde ich nicht nur von Jägern als Anwalt der Tiere wahrgenommen. So bedienen sich bereits mehrere Vereine, Verbände und auch politische Parteien meiner Beratung. Politisch bin ich als langjähriges Mitglied und Funktionär am meisten für die CDU tätig.

Ihre Einstellung zur Jagd scheint sich grundlegend gewandelt zu haben. Wie würden Sie diese Wandlung beschreiben? Wie standen Sie früher, wie stehen Sie jetzt zur Jagd?

Nicht meine Einstellung zur Jagd hat sich gewandelt, sondern die Jagd selbst.

Für mich sind durchgehend die Maximen des christlichen Wertesystems ein Gerüst für das Verhalten gegen Mensch und Tier. Die Jagd passte einigermaßen in diesen Rahmen, solange es die Waidgerechtigkeit als Richtschnur gab.

Ab der 1970er Jahre wurde die Waidgerechtigkeit nach und nach durch eine monetäre Moral verdrängt. Als Filmer der “Auslandsjagd“, als Schweißhundführer hier und bei Jagdreisen und als Beteiligter an Kill-for-Cash-Partys habe ich nicht nur die veränderte Jagd sondern auch die beteiligten Menschen kennengelernt. Bedauerlich empfinde ich den Lifestyleeinfluß auf die Jagd, wütend macht mich aber erst die Fassade, die die heutige Hobbyjagd vor sich herträgt.

Was müsste Ihrer Meinung nach getan werden, um den von Ihnen kritisierten Missständen abzuhelfen? Muss man bei der Jungjägerausbildung ansetzen? Ist das Problem überhaupt lösbar?

Der Kommerz hat sich ja nur der Hobbyjagd bemächtigt. Man muss erkennen, dass es Berufsjäger gibt, die eine solide Ausbildung und Einstellung haben. Leider haben sie auf die Jagd in Deutschland keinen Einfluss, da sie allermeist lohnabhängig Angestellte eines Hobbyjägers sind.

Viele heutige Hobbyjäger haben einen 14-tägigen theoretischen Bildungsstand und bestehen die Schießprüfung mit einer Trefferquote von ca. einem Drittel. Viele sind so qualifiziert, dass man später nur noch einen Schießnachweis von ihnen verlangen kann. Damit weisen sie nach, schießen zu können, Treffen wird nicht verlangt.

Was das für die jagdbaren Tiere bedeutet, könnte jeder Schweißhundführer berichten, wenn er sich über die modegrüne omerta hinwegsetzen würde.

Das allein muss den Tierschutz auf den Plan rufen und ich unterstütze das.

In der Jungjägerausbildung könnten diese Zustände natürlich verbessert werden. Das wird sich aber kaum durchsetzen lassen, solange der Kommerz seinen unheilvollen Einfluss auf die Hobbyjagd hat. Die Industrie braucht Kunden.

Die Waffen- und Outdoorindustrie hat ein massives Interesse daran, dass es immer mehr Hobbyjäger gibt.  dass mehr Jäger produziert werden, als es Jagdmöglichkeiten gibt, denn allein mit dem Jagdschein wird “Jeder“ zum Kunden für die Waffenindustrie und für die Abschusshändler im In- und Ausland.

Jeder kauft sich erst einmal teure Waffen und moderne Ausrüstung, egal, ob er (sie, div.) Jagdgelegenheit hat oder nicht. Und obwohl die von Opa geerbte Ausrüstung es ebenso täte.

Viele heutige Hobby- und Trophäenjäger sind mit ihrem 14-tägigen Bildungsstand bei praktischer Jagd überfordert. Besonders deshalb, weil sie sich selbst nicht einschätzen können, denn vielen hat man erzählt, sie hätten nun ein grünes Abitur und seien anerkannte Fachleute in der Natur.

Die Diskrepanz zwischen Ausbildung und tierschutzgerechter Jagd ist gravierend und nähert sich der Strafbarkeit, dass Landesregierungen (z.B. Nds) zum Selbstschutz der Hobbyjäger gesetzlich reagieren müssen.

Sie heben z.B. den gesetzlich verankerten Mutterschutz für gesunde Tiere auf, um die Praxis der Hobbyjagd wenigstens juristisch straffrei zu stellen.

Nicht nur Tierschützer sondern auch waidgerechte Jäger haben dabei den peinlichen Eindruck, dass unter dem Vorwand der Seuchenbekämpfung das Gesetz der Qualität hinterhergetragen wird.

Das zeigt, auf welche Weise die derzeit kommerznahe Politik das erkannte Problem angeht. Aus Sicht der Ethik und des Tierschutzes ist das ein falscher Weg.

Wie sehen Sie die Zukunft der Jagd? Wie sieht eine ethisch vertretbare Jagd für Sie aus?

Eine ethisch vertretbare Jagd hätte den §1 des deutschen Tierschutzgesetzes zur Grundlage. Der beinhaltet das, was derzeitiger Konsens einer zivilisierten mitteleuropäischen Gesellschaft zum Umgang mit Natur und Mitgeschöpfen ist.

Daran werden auch wir Jäger gemessen. Mit gleicher Geschwindigkeit, mit der wir Jäger uns vom Geist dieses gesellschaftlichen Konsenses entfernen, driften wir zu einer geächteten Randgruppe dieser Gesellschaft. Denn es ist die öffentliche Gesellschaft der Nichtjäger, die uns (zu Recht oder Unrecht) beurteilt und letztlich über den Fortbestand der Jagd entscheidet.
Ich bezweifle, dass wir selbst unseren fahrenden Zug aufhalten können oder wollen. Zu stark ist der Einfluss des Geldes auf die Hobbyjagd.

Aber Visionen zur Zukunft der Jagd könnte man dennoch haben.

Vision 1:

Man bildet die Hobbyjäger so aus, dass sie wirklich “anerkannte Fachleute in der Natur“ sind oder wirklich ein “grünes Abitur“ haben. Dazu entfernt man das Trophäen- und Rekorddenken aus ihren Köpfen und setzt dafür das Verständnis für ökologische Zusammenhänge hinein.

Oder Vision 2:

Man findet einen Kompromiss zwischen der umsatzträchtigen Hobbyjagd und ökologisch-fachgerechter Steuerung der Jagd. So, wie es andere Staaten wie Kanada und z.T. Österreich schon vormachen:

Das hieße:

Ein Teil der Jäger weist regelmäßig einer neutralen Stelle nach, dass er Wild ansprechen und tierschutzgerecht töten kann.

Der schwache Hobbyjäger, der diese Grundvoraussetzungen nicht erfüllen kann oder will, wird von der Jagd nicht ausgeschlossen. Er jagt weiter, aber nur unter Aufsicht einer von ihm unabhängigen Fachkraft, die er selbst bezahlt.

Beide Visionen haben vorerst keine Chancen. Sie werden in erster Linie an unserem Reviersystem scheitern. Überall, wo Jagd eine Handelsware ist, wird sie an den verkauft, der am meisten zahlt. Und das ist nicht immer der Beste. Seeben Arjes, 22. September 2018

Die Fragen stellte Stephan Elison.

Anm . d. Red.: Das Interview mit Seeben Arjes wurde schriftlich geführt, deshalb war es nicht möglich, unmittelbar nachzuhaken, z.B. bei der pauschalen Aburteilung des “Hobbyjägers”. Inwiefern die Auffassungen von Seeben Arjes ihren Niederschlag in die Verlautbarungen des Deutschen Tierschutzbunds Niedersachsen gefunden haben, ist in der Pressemitteilung des DTB “Waidgerecht war gestern; verfassungsrechtlicher Schutz von Tieren wird mit den Füßen getreten” nachzulesen.

Beitragsbild: Nachsuche aus der Sicht der Sau. Copyright: Seeben Arjes

10 Gedanken zu „Interview: Von waidgerechter Jagd zu Kill-for-Cash-Partys?

  1. Kr.-Itisch

    Manchmal frage ich mich, warum es immer wieder Leute gibt, die aus ihrer angestammten oder erlernten Umgebung ausbrechen müssen, und zwar so, dass sie dem gesamten System unberechtigten Schaden zufügen. Oft liegt es m.E. darin, dass diese Leute im System nicht mehr weiterkommen und dann die mediale Aufmerksamkeit, oft effekthascherisch, suchen um sich selbst aufzuwerten oder schlicht weg Kasse zu machen. Beispiele dafür gibt es genug, ich erinnere nur an Wohlleben, Kieling etc. Dem System dann auch noch Kommerz vorzuwerfen und sich selber daran bestens zu bedienen, ist Bigotterie.
    Ich will nicht sagen, dass alles Gut ist im „Staate Dänemark“, aber die von Herrn Arjes skizzierten Zustände haben wir in der Jägerschaft lange nicht. Diese gibt es, aber nicht in der breiten Masse. Problematisch wird es vor Allem, da sich die Riege der Jagdgegner genau diese Argumentation und Diktion aneignen und dem unaufgeklärten Publikum als Wahrheit verkaufen. Auch bringt Herr Arjes Dinge in den Zusammenhang die nicht zusammengehören. Die Aufhebung des Mutterschutzes z. B. wurde im Zusammenhang mit der Hysterie um die ASP diskutiert, und sollte nicht generell aufgehoben werden. Außerdem werden die Gesetze nicht von der Jägerschaft gemacht. Wäre das der Fall, gäbe es die angemahnten Zustände wahrscheinlich gar nicht.
    Einen großen Teil des Bezahl-Jagens bieten doch auch die staatlichen Forstbetriebe, nur so viel zum Thema professionelle Jagd. Wie die „professionelle“ Jagd auch aussehen kann, sieht man auch in Genf, hier wird jedes Stück Schalenwild gnadenlos gestreckt um auf die geforderten Quoten zu kommen. Im mancher Forstverwaltung in Deutschland ist das auch nicht anderes. Im Übrigen bezweifle ich, das die Nachsucheneinsätze hier deutlich weniger sind.
    PS: Würde auf der Jagd jeder Schutz perfekt sitzen, dann wäre er als Hundeführer „arbeitslos“. Dann könnte er sich ausnahmslos dem Tierschutz widmen und da er ja er Einzige scheint, der die Jagd versteht, vielleicht noch ein paar Bücher schreiben.

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  2. Anko

    Krasse Ansichten. Herr Arjes scheint entweder jagdlich viel schlechten Umgang gehabt zu haben oder ich zu guten. Anders kann ich mir die Differenzen in der Wahrnehmung der von ihm als solche gescholtenen “Hobbyjagd” nicht erklären. Was ich als nicht repräsentative negative Randerscheinung einordne, scheint für ihn jedenfalls die Regel.

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    1. Edelmann

      Da ich auch den Zeitraum seit den 70er Jahren gut überblicken kann, finde ich meine Meinung/Einstellung zur Jagd in diesem Interview bestätigt.
      Ich würde noch hinzufügen, dass der Respekt vor dem Grundstückseigentümer (Zwangsmitglieder in der Jagdgenossenschaft) auch deutlich gesunken ist.
      Das zeigt sich im direkten und im indirektem Verhalten dem Grundstückseigentümer gegenüber, sowohl von den Jagdausübungsberechtigten, als auch vom kommunalem Jagdvorstand.
      Der Pächter will für seine Jagdpacht einen ungestörten Zugang zu allen Flächen und die Kommune will über die Pachteinname frei verfügen und wenig Arbeit damit haben.

      Richtig ist auch der Satz:
      “Denn es ist die öffentliche Gesellschaft der Nichtjäger, die uns (zu Recht oder Unrecht) beurteilt und letztlich über den Fortbestand der Jagd entscheidet.”
      Das bedeutet, Gutes wird wenig bis selten wahrgenommen und an der schlechten Vorgängen wird das System Jagd gemessen werden.
      Das “ins Lächerliche ziehen” der Jagdgegner hilft hier nicht weiter.

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  3. HW

    Zwei Dinge muss man hier wohl noch ergänzen.

    Zum einen ist die Aussage “Der DTB ist mir nicht als jagdfeindlich bekannt” vielleicht etwas naiv. Denn wenn man hier https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/artenschutz/jagd/ liest, dass Jagd nur gerechtfertigt ist “wenn sie sich nach sorgfältiger wissenschaftlicher Prüfung als ökologisch erforderlich erweist und Tiere dadurch von Leiden erlöst oder vor Leiden bewahrt werden”, dann spricht das der Jagd, die z.B. der Erzielung von Lebensmitteln dient, jede Berechtigung ab. Im Prinzip also eine vegan / tierrechtlich ausgerichtete Argumentation. Das Liederbuch https://www.tierschutzbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Hintergrundinformationen/Artenschutz/Liederbuch_Jagd.pdf sollte dann eigentlich für Klarheit sorgen, wie der DTB über die Jagd denkt.

    Zum anderen soll es (gerade unter Hundeführern) Leute geben, die die Erfahrung gemacht haben, dass die übelsten und systematischen (!) Tierschutzverstöße auf Jagden geschehen, wo sich Jäger zusammenfinden, die sich nach außen als ganz besonderes “modern” und “effizient” verkaufen. Mehr sog i ned…

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  4. Cedrik

    Ich weiß nicht ob die vorherigen Kommentatoren Nachsuchenführer sind und regelmäßig auf Drückjagden unterwegs sind. Ich kann die Argumente von Herrn Arjes voll verstehen! Ich habe bei den unterschiedlichen Druckjagdveranstaltern mit meinem Hund gesucht. Letztlich habe ich den Eindruck das die Drückjagden im Hinblick auf Achtung vor der Kreatur dort am Besten organisiert sind, wenn der Leiter der Drückjagd generell gewohnt ist verantwortungvoll zu handeln. Er wählt dann die Schützen entsprechend aus. Häufig haben bei bezahlten Drückjagden die Jagdgäste eine eigene Jagdmöglichkeit zu Hause. Sie ballern auf den Drückjagden wie von Sinnen. Das innere Motto: “Ich haben ja bezahlt. Also muss auch was geschossen werden.”
    ,”Das Nachsuchengespann will auch was zu tun haben…” Wie oft höre ich bei Nachsuchen die Reden des Schützens der formal letztlich genau weiß wie zu jagen ist aber in der Situation, aus welchem Grund auch immer, ganz anders handelt, als hätte er zwei Gesichter. Sicherlich können bezahlte Drückjagden effektiv sein. Aber mit der Moral der Jäger dem Wild gegenüber ist es oft sehr schlimm. Wenn ich mich im Gespräch mit Jägern über manche Zustände auf Drückjagden unterhalte dann fragt man mich weshalb ich dorthin gehe. Das Wild weiß nicht wer, wie und wann schießt! Es kennt nicht das Verantwortungsgefühl des jeweiligen Schützens! Auch die Nachsuchen werden weniger gemeldet. “Es wird schon ‘nichts’ haben…”,
    “Wer weiß ob das Wildbret noch verwendbar ist?”, “Der Der Wolf wird’s schon ‘machen’ …” An oberster Stelle für diese Vetantwortungslosigkeit steht das Geld und die Bequemlichkeit.

    Als Jagdprüfer kann ich nicht bestätigen das die Jäger, die den Jagdschein in 14 Tagen gemacht haben unbedingt schlechte Jäger werden. Entscheidend ist die Einstellungen zum Leben und Achtung der Kreatur für einen Jäger, meine ich. So ist es selbstverständlich das man, bevor man sich traut über Leben und Tot zu entscheiden, sich das Wissen aus der Beobachtung in der Natur, in Zusammenarbeit mit einem Jäger verfestigt. Wenn man dann, aus zeitlichen Gründen den Lehrgang in 14 Tagen besteht, ist das für mich Ok. Ja, solche Menschen gibt es! Aber es gibt genügend Menschen die auf Grund ihrer Auffassungsgabe die Prüfung überstehen und keine Praxis haben. Solche jungen Jäger können in manchen Bundesländern sofort pachten! Es geht ums Geld. Mit Geld kann der Pachtpreis hoch gebracht werden. Der neue Pächter kann sich entsprechend darstellen. Das ist auch ein Motiv Jäger zu werden. Entscheidend ist die jagdliche Praxis! Letztlich ist der Jagschein die Lizenz zum töten. Die Entscheidung über Leben und Tot ist die einzigste Gemeinsamkeit aller Jäger. Im Umgang mit dem Töten einer Kreatur liegt ein wesentlicher Unterschied der Jäger. Ja, ich habe den Eindruck aus der langjährigen Jagdprüfertätigkeit, das die Achtung vor der Kreatur nicht zugenommen hat. Das liegt nicht notwendig an den Jagdschulen sondern meiner Meinung nach an der Beziehung der Menschen zur Natur – generell. Daraus leitet sich mit die Beantwortung der Frage ab, warum möchte ich Jäger werden. Diese Frage an einen Prüfling kann man zwar stellen, ist aber für das Bestehen der Prüfung nicht relevant. Auch diese Beantwortung kann man auswendig lernen. Die Jagdethik ist kein Prufungsfach! Wenn der Prüfling die richtigen Antworten gibt dann hat er bestanden unabhängig davon ob ich an der Motivation im Hinblick auf die Achtung vor der Krratur des Prüflings Jäger zu werden, zweifle. Vielleicht ist etwas dran das die Gesellschaft gleichgültiger wird und in gewisser Weise verroht. Das spiegelt sich dann auch bei der Jagd im Umgang mit dem Töten wieder. Auf Grund der intensiven Landwirtschaft sind die Schalenwildbestände enorm hoch und die Niederwildbestände stark rückläufig. Es geht ums Geld. Im Forst werden das Rot- und Rehwild und in den Feldflächen die Sauen als “Schädlinge” betrachtet. Denkt man daran das der Waschbär und Co. auch noch zu dezimieren ist, dann hat Jagd jetzt auch etwas mit “Schädlingsbekämpfung” zu tun. (Komm zu mir, ich habe Wildschaden. Wir machen aber “keine Gegangen “… Zwei Bauern unterhalten sich: ‘Hast Du schon Wildschaden?’ Antwort: ‘Leider “nein”…’ Es geht ums Geld.
    Dieses Thema ist unendlich! Ein Jäger, der sich aus Erfahrung kritisch über den Umgang mit dem Schießen des Wildes von Jägern äußert, ist kein Nestbeschmutzer. Wenn das so wäre, dann stünde es sehr schlecht um die Jägerschaft.

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  5. Grimbart

    Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. Für mich gibt es Jäger und Jagdscheininhaber. Selber habe ich es auch schon erlebt, dass ein Schütze auf einer Drückjagd sagte, er habe nach einem Jahr! mal wieder die Waffe aus dem Schrank genommen. In Gesprächen mit Prüfern ist rauszuhören, dass das Niveau sinkt, bedingt auch durch neue Prüfungsordnungen. Selbst die Schießprüfung soll zu einer Farce, zumindest in Niedersachsen, verwässert werden, wenn es reicht eine gewisse Anzahl an Übungseinheiten zu absolvieren um die Prüfung zu bestehen. Im Straßenverkehr würde das bedeuten, man müsste nur genügend Fahrstunden machen, egal wie viele rote Ampeln man überfährt. Auf der anderen Seite frage ich mich ob früher wirklich alles so viel besser war. Ich kenne auch genügend Betonköppe, die sich gegen jede sinnvolle Neuerung sperren. Auch stelle ich mir die Frage warum eigentlich Schweißhunde überhaupt gezüchtet wurden? Weil es Bedarf für sie gab kann ja nur die Antwort sein. Also wurde Wild früher auch schon krank geschossen. Warum? Mangelndes Können oder Fehleinschätzung der Situation. Zu dunkel, zu weit, zu schnell, fehlerhafte Ausrüstung. Mit den gestiegenen Schalenwildbeständen kommt es also zwangsläufig zu mehr Nachsuchen, denn diese Kandidaten sterben nie aus. Da habe ich in fast 40 Jahren schon so einiges erlebt.

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  6. Kilalli

    Mit der Veränderung der Umwelt hat sich der Typus des Jägers verändert. Man achtet und schützt, was man kennt. Mancher rauhe, gefühllose Zeitgenosse (den Typ kannte und kritisierte Carl Rehfuss schon vor über 100 Jahren) ist durch die Beobachtung der Natur erst zum waidgerechten Jäger geworden. Mit der Beobachtung kam das Verständnis, mit dem Verständnis der Stolz, etwas verstanden zu haben und damit der Wunsch, das Verstandene als eigenen Schatz zu bewahren. Ich glaube, dass -um es mal sehr platt auszudrücken- bewusstes Naturerleben mitfühlend macht. In vielen Regionen kann das heute ein Jungjäger, der im Wesentlichen auf eine linealgerade Maiskante starrt und auf den schwarzen Schatten wartet, nicht mehr lernen. Er kann nicht mal mehr erahnen, was ihm zum Erlebten der Alten fehlt. Dann tritt der oberflächliche schnelle “Event” an Stelle des tiefen Erlebens – irgend etwas soll ja schließlich passieren. “Nichts geschossen, aber schönen Ansitz gehabt” passt in der Agrarlandschaft immer seltener zusammen.

    Das heißt nicht, das eine Drückjagd nicht auch Freude machen kann und darf. Aber wenn die Strecke einem Bruchteil der abgegebenen Schüsse entspricht und der Veranstalter (darunter auch Professionelle) sich damit zufrieden zeigt, dann trifft Seeben Arjes Kritik dort zu. Er wäre glaubwürdiger, wenn er deutlicher differenzieren würde.

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