Interview mit Wolfgang Grupp – Bekenntnisse eines Protestwählers

Zunächst ein paar Sätze zur Vorgeschichte dieses Interviews: Am 15. März ging folgende E-Mail von JAWINA-Leser Jörn S. in der Redaktion ein:

“Moin Herr Elison,
gestern abend sah ich bei “hart aber fair” – es ging um die Landtagswahlen am Sonntag – u. a. einen kurzen Bericht über den “Konservativen” Wolfgang Grupp, der nun erstmalig grün wählte. Die Grünen könne er nicht wählen, aber Kretschmann sei ein guter Landesvater gewesen. Deshalb habe er Kretschmann und nicht die Grünen gewählt. Entschuldigung, aber soviel “Bullshit” habe ich schon lange nicht mehr von einem Promi, Wirtschaftspromi und zudem auch noch Jäger, gehört. Genau diese Leute brauchen wir in der Jägerschaft nicht. Vielleicht können Sie das thematisch und vor allem kritisch aufgreifen. Es würde mich freuen.
Schöne Grüße
Jörn S.”

Hallo Herr S.,

vielen Dank für Ihre Mail und die Anregung zum “Fall Grupp”. Ich habe ein paar Tage darüber nachgedacht, ob man dessen Wahl-Entscheidung nicht einfach akzeptieren muss. Andererseits: Der Erfolg der Grünen in BaWü ist sicherlich zum großen Teil der Person Kretschmann geschuldet – aber hinter dem steht die grüne Partei mit einer für uns Jäger durchweg unerfreulichen Programmatik. Das sollte man nicht ausblenden, da haben Sie Recht. Ich werde mal versuchen, den Hrn. Grupp anzumailen und mit Ihrer (selbstverständlich anonymisierten) Aussage zu konfrontieren. Mal sehen, ob (und wenn ja, was) er dazu sagt. Was halten Sie davon?

Beste Grüße

SE

Gesagt, getan – ich schrieb eine Mail an die Pressedame von Trigema und erhielt in der Folge einen Termin am 5. April für ein telefonisches Interview mit Wolfgang Grupp. Die Idee und Anregung zu diesem Interview verdanke ich also JAWINA-Leser Jörn S. – dafür erst einmal ein herzliches Dankeschön gen Norden.

Meine Verschriftlichung des ca. 45minütigen – durchaus anregenden und unterhaltsamen – Gesprächs habe ich Hrn. Grupp zur Autorisierung gemailt. Das erscheint mir grundsätzlich sinnvoll, weil es bei der Aufzeichnung eines Gesprächs nach Notizen und aus dem Gedächtnis immer zu Missverständnissen, Fehlern, Ungenauigkeiten kommen kann. Doch in diesem Fall geschah etwas, was ich in meiner langjährigen Tätigkeit als Journalist so noch nicht erlebt habe: Zu meinem Bedauern hat Wolfgang Grupp das Interview komplett umgeschrieben und “entschärft.” Die m.E. wesentlich bissigere, pointiertere und lustigere ursprüngliche Version ist kaum wiederzuerkennen, weshalb ich mich gefragt habe, ob ich das überhaupt veröffentlichen soll.

Damit die Mühe nicht ganz umsonst war – und weil die Kernaussage einigermaßen erhalten geblieben ist – habe ich mich dafür entschieden. Mein persönlicher Eindruck war, das will ich hier nicht verschweigen, dass einige der für uns Jäger und Legalwaffenbesitzer einschneidendsten Forderungen der Grünen Hrn. Grupp im Detail gar nicht bekannt waren. Das bildete dann das Wahlverhalten breiter Bevölkerungsschichten vermutlich ziemlich exakt ab: Man wählt a) was man schon immer gewählt hat oder b) was man noch nie gewählt hat (jetzt aber aus Protest erst recht wählt) oder c) man wählt das vermeintlich sympathischste, vertrauenserweckendste Konterfei, das einen von den Wahlplakaten angrinst.

JAWINA: Herr Grupp, Sie als Jäger und Grünen-Wähler in Baden-Württemberg wären also  damit einverstanden, wenn Sie künftig eine der drei Waffen, die Sie noch besitzen dürfen, in einem bewachten Depot abholen müssen, weil Sie sie nicht mehr zuhause aufbewahren dürfen?

Wolfgang Grupp: Soweit wird es sicher nicht kommen, denn auch die GRÜNEN müssen wissen, wenn sie in der Verantwortung sind, dass überspitzte oder unvernünftige Forderungen nicht durchsetzbar sind.

JAWINA: Mit den anderen jagdlichen Einschränkungen – Verkürzung der Jagdzeiten, Zusammenstreichen des Katalogs jagdbarer Arten – die in Baden-Württemberg die Jäger zu tausenden auf die Straße getrieben haben, haben Sie demnach auch kein Problem?

Wolfgang Grupp: Wie bereits zuvor erwähnt, wird Vieles nicht durchsetzbar sein, aber das Verbot Hunde oder Katzen zu schießen, dürfte nicht ein so großes Problem sein, denn ich z. B. habe noch nie einen wildernden Hund oder eine wildernde Katze geschossen.

JAWINA: Willkürliche Einschränkungen bei der Niederwildjagd, Verlängerung der Jagdzeit auf den Rehbock bis 31. Januar, mehrmonatige Jagdruhe für Sauen…

Wolfgang Grupp: Eine Jagdruhe muss ich auch dieser Wildart zugestehen. Das bin ich der Natur schuldig. Dass der Rehbock bis 31. Januar geschossen werden darf, würde ich persönlich nicht unterstützen und ihn am Schluss auch nicht schießen. Das hat jeder Revierinhaber dann selbst zu beurteilen.

JAWINA: Sie greifen sich immer einzelne Punkte heraus, aber es kann doch kein Zweifel daran bestehen, dass die Gesamtheit der grünen Gesetzesvorhaben massive Einschränkungen für Jäger und Legalwaffenbesitzer bedeuten. Viele befürchten eine Salamitaktik, durch die sowohl Waffenbesitz, als auch die Jagd immer stärker reglementiert und eingeschränkt werden und immer mehr verboten wird.

Wolfgang Grupp: Wenn das alles so negativ mit den GRÜNEN ist, dann frage ich mich, wer die GRÜNEN vor 5 Jahren gewählt hat; ich sicher nicht, denn ich habe damals CDU gewählt und war überrascht, dass das Unternehmerland Baden-Württemberg nach Willen seiner Bürger nunmehr die erste GRÜN-ROTE Regierung bekommt. Burladingen selber, mein Heimatort, hatte vor 5 Jahren knapp 50 % CDU-Wähler.

Diesmal habe ich den GRÜNEN die Stimme gegeben, weil ich die Mehrheitsentscheidung der Bürger Baden-Württembergs akzeptierte und die Arbeit von Herrn Kretschmann nicht schlecht fand. Er hat ja auch soviel Zustimmung von den Bürgern Baden-Württembergs bekommen, dass er die Mehrheit aller Parteien erreicht hat.

JAWINA: Also gaben Sie Ihre Stimme dem Herrn Kretschmann – um Merkel zu ärgern?

Wolfgang Grupp: Herr Kretschmann hat als Ministerpräsident seine Aufgabe sicher nicht schlecht gemacht und steht auch hinter der Wirtschaft.

JAWINA: Das bringt uns auf die Kernfrage: Ist eine einzelne Person, deren Auftreten und Habitus so wichtig, dass man um derentwillen eine Partei wählen kann, mit deren Programm man nicht übereinstimmt?

Wolfgang Grupp: Die GRÜNEN sind zwischenzeitlich eine etablierte Partei. Und wenn Herr Kretschmann zum zweiten Mal als Ministerpräsident bestätigt wird, dann hat er sicher eine sehr starke Stimme in Berlin! Er wird seiner Partei bezüglich ihrer Forderungen die Grenzen aufzeigen. Im Übrigen ist jede Partei, sobald sie in der Regierungsverantwortung ist, wesentlich gemäßigter als in der Opposition!

JAWINA: Möglich, nur was ändert das? Traditionell wird den Grünen in jeder Koalition das Umwelt- und Landwirtschaftsressort als Spielwiese überlassen und damit die Entscheidungsgewalt über Jagd und Jäger. Jagd ist ein Randthema, Jäger eine eher unbeliebte Minderheit, deren Stimmen keine Wahl entscheiden. Wenn die von grüner Politik drangsaliert werden, interessiert es die eine Hälfte der Bevölkerung nicht, die andere findet es gut. Und neben den Angriffen auf Jäger und Legalwaffenbesitzer, gilt es unter einer grünen Regierung ja noch andere Kröten zu schlucken: Derzeit protestieren Eltern und Lehrer in Baden-Württemberg gegen die Sozialerziehung der Grünen, sie fürchten eine Sexualisierung von Kindern, die „Pornografisierung“ der Schulen. Gender-Ideologie, Homo-Ehe, die Regenbogenfahne der Schwulenbewegung weht vom Stuttgarter Schloss – finden Sie als Konservativer sich da wieder?

Wolfgang Grupp: Ganz ehrlich: Für mich persönlich wäre es eine schwere Hypothek, wenn eines meiner Kinder diese Veranlagung hätte. Aber leider kann man sich die Gene bzw. die Veranlagung noch nicht aussuchen. Ich bin allerdings sehr offen, wenn zwei Männer oder zwei Frauen die Verantwortung für ein adoptiertes Kind übernehmen wollen, habe ich nichts dagegen. Für mich ist die Verantwortung das Entscheidende.
Generell wäre es wichtig, dass die Verantwortung wieder in unsere Gesellschaft zurückkommt. Der, der eine Entscheidung trifft müsste auch als Erster für diese Entscheidung persönlich gerade stehen bzw. haften.

JAWINA: Wie stehen Sie als Unternehmer eigentlich zur Energiewende? Wie haben sich Ihre Energiekosten in den letzten Jahren entwickelt?

Wolfgang Grupp: Die Energiewende muss kommen und ist richtig. Ich habe schon 1980 entschieden, dass wir die Chance nutzen 100 % Eigenstrom durch Kraft-Wärme-Kopplung herzustellen. Ich war dann allerdings überrascht, dass ich ca. 10 Jahre später für diese freiwillige Entscheidung Subventionen bekam.

Dass wir uns in der Zukunft vom Öl unabhängig machen sollten dürfte jedem klar sein, damit wir nicht erpressbar werden. Ich wundere mich nur, dass, nachdem wir bereits in den Siebzigerjahren den sogenannten autofreien Sonntag hatten, dass z. B. die Automobilbranche bis heute braucht damit ihr klar wird, dass sie endlich sich dem alternativen Fahrzeug zuwenden muss.

Ob wir allerdings die Atomenergie nach Fukushima so schnell abschalten müssen oder ob man bei sicheren Atomkraftwerken auch etwas länger hätte warten können, lasse ich gerne dahingestellt. Hier hat sicherlich die CDU sich etwas zu schnell auf die Forderung der GRÜNEN eingelassen; ich hätte die Atommeiler je nach Fortschritt der alternativen Energie (Windkraft oder Solar) sukzessive abgeschaltet.

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Der Unternehmer und Inhaber des Textilherstellers Trigema Wolfgang Grupp (Quelle: Trigema)

Zur Person: Wolfgang Grupp ist ein deutscher Unternehmer und alleiniger Inhaber der Textilfirma Trigema mit Sitz im baden-württembergischen Burladingen. Trigema beschäftigt in Deutschland zirka 1200 Mitarbeiter. Grupp ist als Unternehmer durch sein Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland sowie sein Beharren auf unternehmerischer Verantwortung und Haftung bekannt geworden. Das lebt Grupp auch vor: Trigema firmiert unter der Rechtsform des eingetragenen Kaufmanns (e.K.), d.h. Grupp haftet persönlich mit seinem gesamten Vermögen für alle Verbindlichkeiten des Unternehmens. Mit der Wolfgang und Elisabeth Grupp Stiftung engagiert sich Grupp für in Not geratene Burladinger und Mitarbeiter. Grupp garantiert lt. Wikipedia allen Kindern seiner Mitarbeiter einen Arbeitsplatz im Unternehmen.

Beitragsbild: Wolfgang Grupp an seinem Schreibtisch. (Quelle: Trigema)

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