In Zeiten der Terrorangst: Jagden anmelden

In den letzten Monaten ist es mehrfach zu Polizeieinsätzen gekommen, weil eine zunehmend von Terrorangst geplagte Bevölkerung seltsam gekleidete, bewaffnete Gestalten erblickt oder Schüsse gehört hat. Gestern früh war es wieder soweit, diesmal in Bad Aibling in Bayern (Landkreis Rosenheim), wie das Oberbayerische Volksblatt (OVB) berichtete. Der Gefechtslärm einer Krähenjagd hatte einen “Großeinsatz” ausgelöst, berichtet das OVB. Zunächst kreuzten drei Streifen aus Bad Aibling “stundenlang” durchs Stadtgebiet, als sich dann die Quelle für den Schusslärm nicht ermitteln ließ und dieser auch nicht aufhörte, forderten die Beamten Unterstützung bei der Bundespolizei Rosenheim an, wodurch sich die Einsatzstärke verdoppelte. Völlig unnötig fuhren sechs Streifenwagen auf Kosten des Steuerzahlers durch die Gegend, bis sich herausstellte, dass eine legale Krähenjagd die Aktion ausgelöst hatte. Die Jäger hatten die Jagd in der Nähe der Ortschaft nicht angemeldet – bekanntlich müssen sie das nicht, wie auch das OVB feststellt. In Zeiten grassierender Terrorangst ist dies aber dringend zu empfehlen.

So gut wie jeder Revierpächter hat Kontakt zur örtlichen Polizei – schon weil er von dieser angerufen wird, um nach Wildunfällen die Kadaver wegzuräumen oder verletztes Unfallwild nachzusuchen. Es sollte eine Kleinigkeit sein, vor einer geplanten Jagd, bei der erfahrungsgemäß mehr als nur vereinzelte Schüsse fallen, die Polizei im Vorfeld zu informieren: Krähenjagden, Enten- und Gänsejagden, aber auch Erntejagden auf Schwarzwild sind weitere Beispiele.

Das dient nicht nur dazu, die Verschwendung von Steuergeldern oder die unnötige Belastung einer vielerorts kaputt gesparten Polizei durch sinnlose Einsätze zu vermeiden. Es liegt durchaus auch im Interesse der Jäger selbst, denn bei Verdacht auf Waffeneinsatz wird schnell mal das SEK angefordert, das gegen potenzielle Terroristen und Attentäter schon aus Selbstschutz wenig zimperlich vorgeht. Wer es sich selbst und seinen Jagdgästen ersparen will, mit Blendgranaten beschossen, von gut trainierten, körperlich überlegenen Brutalinskis ins Gras geschmissen und mit Kabelbindern gefesselt zu werden – der sollte sich die Zeit nehmen, vor der nächsten Jagd zwei Minuten mit dem zuständigen Polizeirevier zu telefonieren. SE

Beitragsbild: Headline des zitierten und verlinkten Artikels im OVB. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

4 Gedanken zu „In Zeiten der Terrorangst: Jagden anmelden

  1. Anko

    Ja, die vorauseilende Meldung an die Behörden ist dringenst auch für die Einzeljagd zu empfehlen. Man weiss ja nie und wenn man damit einen Beitrag für die öfftl. Sicherheit und Ordnung leisten kann, verzichtet man doch gerne scheibchenweise auf seine Rechte, angefangen damit, unbehelligt, unangemeldet und am besten noch spontan der Jagd nachzugehen.

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    1. admin Beitragsautor

      Auf seinem Recht zu bestehen kann wider jede Vernunft, auf seiner Vernunft zu bestehen kann wider jedes Recht sein. (unbek. Verf., zit. v. admin)

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  2. Klatte

    Hier die Verschwendung von Steuergeldern derart hervorzuheben soll wohl ein Witz sein.
    Ein Blick in die aktuellen Tagesmeldungen verursachen bereits Schwindelanfälle, Berlin Baustellen erst gar nicht erwähnt.
    Deutschlands “besorgte” Bürger wandeln sich zunehmend in paranoide Duckmäuser.

    wmh

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  3. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Es ist schon ein Körnchen Wahrheit dran an Ankos Kommentar, wer auch immer Anko sein mag. Diese Geschichte zeigt wieder deutlich, wie wenig Jagd und alles was damit zu tun hat noch in der Bevölkerung selbst des ländlichen Raums verankert sind. Aber genau in diesem Punkt müssen wir Jäger uns auch kräftig an die eigene Nase fassen. Hundehalter, Pilzsucher und andere “Störenfriede” unserer jagdlichen Passion sollte man besser in ein aufklärendes Gespräch verwickeln, als sie schimpfend aus dem Wald zu verjagen! Gerade was Öffentlichkeitsarbeit im Revier vor Ort mit der lokalen Bevölkerung angeht, haben wir noch viel Luft nach oben!

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