Ihm bleibt ein Vierteljahr zu leben…

Jawina-Autor Robert Saemann-Ischenko, Verfasser der beliebten Willi-Kolumne, hat einen spannenden Thriller geschrieben, in dem es auch um Jagd geht. Eine gute Idee für den jagdlichen Weihnachts-Gabentisch, finden wir…

Er erinnerte sich an den Moment, da ihm aufgefallen war, dass Jäger ganz offiziell nach Weißrußland einreisen durften; auch in diese Gegend, die der Wisentjäger Lukaschenko jeden Herbst besuchte. Und das samt vertrautem Gewehr und mit eigener Munition. Diese Erkenntnis hatte ihn elektrisiert; nach und nach hatte er in seinem Kopf lose Enden dazu verknüpft, bis schließlich sein Plan vollständig gewesen war. Er hatte ihn umgesetzt. Sich in einen Jäger verwandelt. Kein Gesetz gebrochen. Alles in seinem Kopf gelassen, keine Spuren hinterlassen. Niemand ahnte, dass es ihn gab und was er vorhatte.

Schön, dass alte Männer als harmlos galten. Wie hatte der Historiker Alexander Demandt in seinem Buch „Das Attentat in der Geschichte“ geschrieben? „Alte Männer begegnen uns unter den Attentätern nicht; Verwegenheit legt sich mit den Jahren.“
Dieser Theoretiker. Idealismus war keine Frage der Jahre, und die Verwegenheit wurde oft nur leiser. Einer wie er mußte nicht mal sein Leben aufs Spiel setzen, weil es sozusagen keines mehr in ihm gab.                        (Aus „So ich dir“)

Über das Buch

Dem alten Mann bleiben sein einäugiger Hund und ein Vierteljahr zu leben. Soll er nun den sinnlosen Kampf gegen seinen Krebs aufnehmen? Jammern? Golf spielen? Er beschließt, seine Zeit für etwas wirklich Sinnvolles zu nutzen: den Mann zu töten, der seine Tochter auf dem Gewissen hat. Dass es sich dabei um den weißrussischen Diktator Aleksander Lukaschenko handelt, macht die Sache nicht einfacher. Doch der alte Mann hat Geld, Zeit, nichts zu verlieren – und einen Plan, der tatsächlich gelingen könnte. Es beginnt eine Reise in den Schmerz und den Haß, in seine eigene Vergangenheit und die über alle Maßen grausame Geschichte, die seit 100 Jahren Deutschland und Weißrußland verbindet. Eine entscheidende Rolle spielt in diesem vermeintlich aussichtslosen Kampf um Gerechtigkeit ausgerechnet die Jagd – genau die Leidenschaft, die schon so viel Unheil über den Mann und seine Familie gebracht hat, ist nun der einzige Weg zu seiner Erlösung.

Der Thriller „So ich dir“ erzählt leise und berührend von einer zunächst geradezu lächerlich assymetrisch erscheinenden Rache. Die assymetrisch bleibt; nicht jedoch lächerlich.

Der eine sprachliche Grundsatz des Autors: Je krasser die Geschichte, desto schnörkelloser die Form.

Der andere: Alles ist zumindest auch lustig, wenn man genau hinschaut; und das gilt bis zuletzt.

Sämtliche Fakten und der historische Hintergrund sind minutiös recherchiert und stimmen bis ins Detail. So hat etwa den Teil über die deutsche Besetzung Weißrußlands 1941 bis 1944 der Historiker Prof. Christian Gerlach von der Universität Bern geprüft, der maßgebliche Experte für dieses Thema.

Was bedeutet: Die Geschichte des Attentats in „So ich dir“ könnte genau so passieren, wie das Buch sie schildert. Das mag lapidar klingen, ist es aber nicht.

Über den Autor

Robert Saemann-Ischenko ist 1964 geboren, freier Journalist und Autor, Jäger
und Schweißhundeführer. „So ich dir“ ist sein erstes erzählerisches Buch und ziemlich sicher auch sein letztes, da nun im Grunde alles gesagt ist.

Robert Saemann-Ischenko
So ich dir
Thriller
BoD, November 2015
Paperback, 13,5 x 21,5 cm, 280 Seiten
9,90 Euro (D)
ISBN 9783739201740
––––––––––––––––––––
E-Book 2,99 Euro
ISBN 9783739262956

Beitragsbild: Cover des Buchs “So ich dir” von Robert Saemann-Ischenko.

3 Gedanken zu „Ihm bleibt ein Vierteljahr zu leben…

  1. Schöne, Jan

    Danke für diese schöne Geschichte; eine wunderbare Vermischung von Reellem und Fiktivem, Historischem und Aktuellem, ungewöhnlich, spannend, interessant, archaisch, rührend, wütend, liebend, freundschaftlich, weise. Der Mann ist eine angenehm einfache Figur; ja – er ist eine Heldenfigur (Aber ich halte das für wichtig! Jedes Märchen, jede Sage, jede Legende lebt davon!). Sein Umgang mit der Krankheit beruhigend anders. Die Einstiegsszene Mann trifft Hund ist so reduziert und treffend, dass ich einfach weiterlesen musste. Wohltuend die differenzierte Auseinandersetzung mit der Jagd. Die Pirscherlebnisse so, als wäre man dabei. Die in deutsche Historie eingebettete, tragische und dramatische Familiengeschichte des Mannes für mich so neu und spannend, dass ich mehr dazu wissen will; ebenso das politische Weißrussland. Solche Auslöser – Stellen gibt es viele in dieser Geschichte; da würde man gerne die Nebenschauplätze als neue Geschichten kennen lernen.

    Viele Grüße an den Autor und übrigens: Danke für diese Internetseite!

    J.S.

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