Hundeorungsgeräte im Test: Kinderkrankheiten ausgemerzt?

Zwei beliebte Hundeortungsgeräte – Garmin Astro und TrackerHunter – sind mit neuen Versionen am Markt. Wir haben sie einem Praxistest unterzogen.

Das Garmin Astro 320 fällt gleich beim ersten Einschalten positiv auf: Das Menü ist jetzt in deutscher Sprache verfügbar. Außerdem führt das Gerät den Benutzer mit Anweisungen auf dem Bildschirm durch die ersten Schritte, so dass auch der Neuling das Garmin nach wenigen Minuten einsatzbereit konfiguriert hat. Das Astro wird in einem stabilen Kunststoffkoffer geliefert, der neben Halsung und Handgerät zwei (13 und 34,5 Zentimeter lange) Antennen, Heim- und Autoladegerät sowie weiteres Zubehör enthält (Setpreis 729 Euro). Ein Handgerät kann bis zu zehn Hunde verwalten.

Halsung und Handgerät sind wasserdicht und stecken auch härteste Beanspruchung im Revieralltag klaglos weg. Gut ist, dass die wichtigsten Funktionen durch Knöpfe direkt anwählbar sind. Die Bedienung des Garmin Astro ist sehr einfach, solange man sich auf die Grundfunktionen beschränkt. Dass die Handhabung des Garmin Astro 320 auch weniger technikaffine Zeitgenossen nicht überfordert, ist als großer Vorzug zu werten. Funktionen wie etwa der schnelle, einfache Wechsel zwischen der Kompassansicht, die Entfernung und Richtung des Hundes übersichtlich anzeigt, und der Kartendarstellung erweisen sich als äußerst praxisgerecht und anwenderfreundlich. Wer bestimmte Einstellungen vornehmen oder die umfangreichen Extras (vom Reisecomputer über Peilkompass und Geocache-Funktionen bis zur praktischen Bestimmung von Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond am jeweiligen Standort) nutzen möchte, muss sich eingehender mit dem allerdings übersichtlichen Menü beschäftigen.

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Garmin Astro 320 (li.) und Tracker Hunter 3 für Android auf dem Samsung Xcover S5690 im direkten Vergleich.
Foto: SE

Der hohe Nutzwert des Astro 320 kommt erst durch die hervorragenden, sehr detailreichen topographischen Karten zustande, die zusätzlich erworben werden müssen. Es gibt die routingfähige Topo 2012 für Gesamtdeutschland (199 Euro) oder wahlweise Nord- oder Süddeutschland (jeweils 129 Euro) in verschiedenen Darreichungsformen (Download, DVD, SD-Karte).

Der entscheidende Punkt bei allen funkbasierten Ortungsanwendungen ist die Reichweite: Mit dem Garmin Astro 320 kamen wir (jeweils mit der längeren der mitgelieferten Antennen) unter Praxisbedingungen (im Feldrevier, Hund und Führer auf natürlichem Niveau) auf Reichweiten von knapp vier Kilometern, was in der Praxis für die allermeisten Fälle ausreichen dürfte. Im lichten Kiefernwald jedoch verkürzte sich die Reichweite ziemlich dramatisch: Hier ging bei bei rund 800 Metern Entfernung schon die Kommunikation zwischen Halsung und Handgerät verloren – obwohl die Tester sich auf einem langen Waldweg mitunter noch in Sichtweite befanden. Um auszuschließen, dass ausgerechnet an diesem Standort ungünstige Bedingungen das Testergebnis beeinflussen, haben wir das Prozedere in verschiedenen Waldrevieren wiederholt: Regelmäßg riss die Kommunikation zwischen zwischen 800 und 900 Metern Entfernung ab. Das ist ein bisschen knapp – auch wenn sich die Reichweite beträchtlich erhöhen (nämlich erfahrungsgemäß etwa verdoppeln) lässt, wenn ein erhöhter Standpunkt (Hochsitz) eingenommen oder eine im Zubehör erhältliche Autodachantenne genutzt wird.

Nach Gesprächen mit zahlreichen Hundeführern, die das Garmin Astro 320 nutzen, scheint sich herauszustellen, dass bei den Geräten eine ziemlich breite Streuung bei der Reichweite gibt: Wo bei vielen im Wald bei 800 Metern Schluss ist, schaffen andere das Doppelte.

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Größenvergleich der Halsungen: Tracker G500 Black Magnum (oben) und Garmin Astro DC 40.
Foto: SE

Auf großen Jagden, bei denen viele Hundeführer das Astro 320 einsetzten, erwies sich die Frequenzüberlagerung mit anderen Geräten als nerviges Problem. Um dem abzuhelfen, ist die Zuteilung eines neuen Kanals erforderlich. Das geht nur, wenn man mit dem Handgerät die Halsung berühren kann – schlecht, wenn der Hund gerade kilometerweit entfernt am Stöbern ist…

Eine Möglichkeit, der knappen Reichweite des Astro nachzuhelfen besteht darin, dem Stöber- oder Schweißhund zusätzlich einen preiswerten (ca. 70 Euro) SMS-Tracker, der bei vielen Hundeführern noch in der Schublade liegt, in die Signalweste zu stecken: Der sendet die Position dann per SMS auf weitere Entfernung (aber mit Zeitverzögerung) ans Handy.

Der große Vorteil am Garmin Astro  ist die völlige Unabhängigkeit von Handynetzen, der große Nachteil die unter erschwerten Bedingungen bescheidene Reichweite. Offenbar ist es der Bundesnetzagentur, die den Verkaufsstart des Geräts um Monate verzögerte, um Modifikationen durchzusetzen, gelungen, das Garmin Astro zu kastrieren. Vom illegalen Betrieb der leistungsstärkeren Schweden- oder US-Versionen ist hierzulande abzuraten, da für “Frequenznutzung ohne Frequenzzuteilung” laut Eigenaussage der Bundesnetzagentur “Bußgelder in astronomischer Größenordnung” fällig werden können. Für die legale Nutzung des Garmin Astro ist bei der Bundesnetzagentur ein “Antrag auf Frequenzzuteilung für Fernwirkfunk” zu stellen, der mit einmalig 130 Euro zu Buche schlägt. Allerdings ist es wohl möglich, mehrere Geräte in einer Region mit einem Antrag anzumelden und sich die Gebühr zu teilen. Für jedes Handgerät ist eine jährliche Gebühr in Höhe von 15 Euro fällig.

Tracker G500 Black Magnum und Tracker für Android

Beim ersten Test des finnischen Hundeortungssystems hatten wir die komplizierte Installation und die umständliche Bedienung kritisiert. Nun liegt die neue Version der Software für Android-Handys vor, die wir mit dem noch leistungsstärkeren Halsband G500 Black Magnum getestet haben. Erster Eindruck: Die Finnen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Die Installation der Software und die Übertragung der Daten einer bestehenden Lizenz verliefen vollkommen reibungslos und unkompliziert. Wer eine App herunterladen kann, wird hiermit keine Probleme haben. Auch die Bedienung wurde radikal vereinfacht: Halsband einschalten, Tracker starten – fertig. Das überfrachtete Menü der Nokia-Version (Symbian) wurde radikal entrümpelt. Die in der Android-Version noch möglichen Einstellungen sind überschaubar und intuitiv bedienbar. Ein weiterer Kritikpunkt war seinerzeit die mäßige Qualität des in Deutschland verfügbaren Kartenmaterials. Auch hier haben die Finnen Abhilfe geschaffen: Tracker verwendet jetzt auf Open Street Map basierende topographische Karten, die allen Anforderungen genügen.

Tracker für Android funktioniert sowohl mit der bewährten G400-, als auch mit der neuen G500 Black Magnum-Halsung (499 bzw. 699 Euro). Das G500 Black Magnum ist mit einem hochempfindlichen GPS-Empfänger ausgerüstet, der noch unter widrigsten Bedingungen eine Standortbestimmung ermöglicht. Tracker empfiehlt die Smartphones Motorola Defy Plus oder Samsung Galaxy XCover S5690 (empf. VK 349 Euro, im Internet ohne Vertrag für ca. 200 Euro, bei Vertragsverlängerung bei einigen Anbietern für einen Euro erhältlich), mit dem wir den Test durchgeführt haben. Das Xcover ist ein Outdoor-Handy mit Android-Betriebssystem. (Eine Liste kompatibler Handys finden Sie unter: https://www.trackerhunter.com/de/empfohlene-android-handys). Es ist wasserdicht und gegen Stöße, Staub und Schmutz geschützt und damit sehr gut für unseren Zweck geeignet. Einen simulierten Sturz vom Drückjagdbock überstand es ebenso unbeschadet wie eine Dusche unter laufendem Wasserhahn. Das Display des Samsung ist größer, brillanter und schärfer als das des Garmin Astro (Bildschirmdiagonale 6,6 /9,3 Zentimeter, Auflösung 160×240 /320×480 Bildpunkte), der Touchscreen funktioniert ausgezeichnet. Das Samsung Xcover kommt normalerweise ohne externe Antenne aus, es passt mit seinem flachen Gehäuse in jede Tasche und ist daher insgesamt handlicher als das Garmin Astro. Die an sich gute Akkuleistung stößt jedoch schnell an Grenzen, wenn fleißig telefoniert, navigiert und geortet wird. Ein Autoladekabel oder der von Tracker optional erhältliche Akku-Booster (Eneloop Mobile Booster mit 5000mA, 49 Euro) dürften sich gerade beim Wintereinsatz als sehr empfehlenswert erweisen.

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Die große Stärke von Tracker ist die unbegrenzte Reichweite. Eine Anekdote mag dies verdeutlichen: Ein Tracker-Mitarbeiter hat das für mich bestimmte Testgerät (G500-Halsung) in Leipzig einem Paketdienst übergeben. Am Samstag darauf, ich nahm an einer Veranstaltung des LJV Brandenburg in Beelitz bei Potsdam teil, klingelte mein Telefon: Ein Tracker-Mitarbeiter aus Finnland fragte, ob ich das G500 schon erhalten hätte. Wieso? Der Kollege in Leipzig habe vergessen, die Halsung auszuschalten – und der Postbote sei gerade an meiner Haustür vorbeigefahren. Ich aktivierte die bereits installierte Tracker-Software und konnte nun – ebenso wie der Tracker-Mitarbeiter aus Finnland – von Beelitz aus verfolgen, wie der Postbote seine Auslieferungstour rund um meinen Wohnort in Berlin abfuhr…

Die theoretische Schwachstelle des Trackersystems ist der Netzempfang für GPRS-Daten. Der Praxistext mit der Nokia-Version ergab jedoch, dass die Ortung selbst in notorischen Funklöchern meistens funktioniert. Auch wenn einmal kein Netz vorhanden ist, erfährt der Hundeführer, welchen Weg sein Hund zurückgelegt hat, weil die Halsung den vollständigen Track an den Server sendet, der die Daten weiterleitet, sobald der Hundeführer sich wieder in ein Gebiet mit Netzempfang begibt. In der Halsung findet eine Vier-Netze-Karte Verwendung, die jedes verfügbare Mobilnetz zur Datenübertragung nutzt.

Zum Betrieb des Tracker-Systems benötigt der Hundeführer neben Halsung und Smartphone also zwei Sim-Karten: Eine für das Handy und die erwähnte Vier-Netze-Karte (Prepaid) in der Halsung. In der Android-Version ist es möglich, die Karten auch über eine drahtlose Netzwerkverbindung (WLAN) zu Hause herunterzuladen – das spart Datenvolumen. War für die Nokia-Version eine Sim-Karte mit Internet-Flatrate noch unbedingt zu empfehlen, so tut es laut Hersteller jetzt auch eine Mini-Flat mit 20 MB Volumen pro Monat. Doch wer ein Smartphone besitzt, wird es auch entsprechend nutzen wollen und in der Regel eine Internet-Flatrate buchen. Die Gebühren für die Prepaid-Karte halten sich in Grenzen, Tracker rechnet mit etwa 50 Cent pro Jagdeinsatz, was nach persönlichen Erfahrungen des Testers eher hoch gegriffen erscheint. Dazu kommt die aktuelle Software, die Jahreslizenz kostet (inklusive weltweitem Topo-Karten-Download) im Jahr 59 Euro. Sowohl G400, als auch G500 verfügen zusätzlich über die Möglichkeit einer Ortung per SMS, außerdem kann man die Halsungen anrufen und so zum Beispiel überprüfen (ein als Hundelaut-Sensor dienendes Mikrophon ist eingebaut, eine Alarmfunktion zeigt an, wenn der Hund Laut gibt), ob und wie der Hund gerade Laut gibt.

Die vom Hund zurückgelegten Tracks werden nach Anwendung auf der Tracker-Internetseite gespeichert und können abgerufen, ausgewertet und anderen zugänglich gemacht werden. DIe Software kann bis zu 999 Hunde und befreundete Jäger verwalten und anzeigen. Jeder Nutzer der Software (auch ohne Hund) ist auf der Karte zu sehen, was der Sicherheit zugute kommen kann. Befreundete Jäger können – wenn die Tracker Software auf ihren Smartphones installiert ist – Gruppen bilden und so anderen ermöglichen, ihren Hund zu orten und den Hundeeinsatz “live” zu verfolgen. Stephan Elison

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