Hundeortung: Außenseiter im Test

Tracker und Garmin dominieren den Markt für Hundeortiungsgeräte – wir haben die bei Frankonia erhältlichen Alternativen BS Planet BS3119, Martin MPS und Sport Dog Tek 2.0 einem Schnelltest unterzogen.

Die Anforderungen, die Hundeführer an ein Hundeortungsgerät stellen, sind recht klar umrissen: Wir wünschen uns ein Gerät, das zuverlässig und mit großer Reichweite ortet und einfach zu bedienen und handzuhaben ist. Was den letzteren Punkt angeht, lag das “Martin System MPS Tracking System” unter den hier versammelten Testkandidaten zunächst ganz weit vorne – allerdings nicht lange: Nach dem Einschalten zeigte das Handgerät auf einem pixeligen LCD-Display die ungefähre Richtung und Entfernung an, in der sich das zugehörige Halsband befindet. Die unkomplizierte Inbetriebnahme ist ein Alleinstellungsmerkmal des Martin MPS im Testfeld, wie wir noch sehen werden. Doch nach dem ersten vollständigen Aufladen von Handgerät und Halsung ließ sich ersteres nicht mehr zum Leben erwecken.

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Martin MPS Tracking System. Fotos: SE

Das kann ja bei jedem elektronischen Gerät mal vorkommen. Da der Schwerpunkt beim Martin MPS aber eindeutig auf der hierzulande verbotenen “Erziehungsfunktion” (Teletakt, bei den beiden anderen Testgeräten optional erhältlich) liegt, und die Ortung mittels Richtungspfeil ohne topografische Karten heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt, haben wir darauf verzichtet, ein Ersatzgerät anzufordern. Da waren es nur noch zwei…

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Mit dem Charme von 80er-Jahre Elektronik-Baukasten: Das Martin MPS Tracking System. Fotos: SE

BS Planet BS3119

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Gut: Das Martin MPS und das BS Planet kommen in einem stabilen Kunststoffkoffer. Das ist alle mal eine bessere Lösung als das Stofftäschchen des Sport Dog mit seinem extrem hakeligen Reißverschluss. Das BS Planet punktet mit reichhaltiger Ausstattung: Schutzhülle, Auto-Ladegerät, deutschsprachige (“Wenn das Gerät eingeschaltet ist, wird die Ikone hinweisen, dass das es gerade lädt, bis es voll scheinen wird…”) Bedienungsanleitung usw. – alles dabei. Fotos: SE

Anspruchsvoller gestaltete sich schon die Inbetriebnahme beim BS Planet BS3119: Zum Einschalten ist es erforderlich, Halsband und Handgerät so zu halten, dass sich die Geräte an zwei markierten Stellen berühren und dabei den Einschaltknopf für das Halsband am Handgerät zu drücken. Das ist in der Bedienungsanleitung beschrieben und bebildert und, wenn man weiß, wie es geht, auch kein Problem. Das Halsband lässt sich übrigens auch nur mit dem Handgerät ausschalten – ein Vorteil, wenn jemand den Hund klauen will. Beim ersten Mal gestaltete sich das Einschalten aber etwas knifflig, weshalb wir beim Frankonia-Marketing, das uns die Geräte zu Testzwecken zur Verfügung gestellt hatte, anriefen. Das Marketing konnte bei technischen Fragen verständlicherweise nicht weiterhelfen und stellte einen Rückruf des Einkaufs in Aussicht. Auf den warten wir noch heute. Das offenbart ein Support-Problem, das alle hier getesteten Geräte aufweisen dürften: Wer das Gerät in der Filiale kauft, ist darauf angewiesen, dass sich ein freundlicher Verkäufer damit auskennt, wer online kauft, kann sich nur an den technischen Kundendienst der Hersteller wenden: Für BS Planet in Italien, Martin in Belgien und Sport Dog in den USA… Wir haben unser Problem mit dem BS Planet durch eine Mail an den italienischen Hersteller schnell klären können, eine äußerst hilfsbereite Mitarbeiterin von BS Planet beantwortete unsere Anfrage schnell, freundlich und umfassend (auf Englisch). Ob alle Käufer der um die tausend Euro teuren Geräte dazu bereit sind, E-Mail-Support in fremden Zungen anzufordern, erscheint jedoch fraglich…

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Größenvergleich: Das BS Planet (li.) wirkt wie ein adipöses Garmin Astro 320 (re.). Foto: SE

Nach dem endlich erfolgreichen Einschalten und der Satellitensuche stellt das BS Planet die Position des Halsbands in einer Topo-Karte dar. Es ist möglich, in die Karte hineinzuzoomen, die verfügbaren Maßstäbe reichen für die Hundearbeit aus. Die farbliche Darstellung der Karten ist gewöhnungsbedürftig, der Detailreichtum jedoch ausreichend. Die Form des BS Planet erinnert an ein Garmin Astro, es ist aber deutlich größer.

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Topo-Karte des BS Planet: Das ist eine Waldweg-Kreuzung in Brandenburg. Nicht unbedingt schön, aber detailreich genug. Foto: SE

Es ist laut Bedienungsanleitung möglich, bis zu 999 Halsbänder mit einem Handgerät zu orten (ausprobiert haben wir das nicht), bis zu 9900 Wegpunkte können abgespeichert werden. Drei oder “unendlich viele” (die Bedienungsanleitung widerspricht sich hier) Handgeräte können auf die Position eines Halsbands zugreifen. Auch die Bildung von Gruppen ist möglich. Im praktischen Betrieb nervte die Trägheit des Geräts, die Hardware ist schnarchlangsam und mit der Applikation offenbar überfordert. Dies in Verbindung mit der wenig intuitiven Bedienung ließ wenig Lust aufkommen, das BS Planet im Jagdeinsatz eingehender zu testen. Auch die zahlreichen, bei Abruf bestimmter Tastenkombinationen reproduzierbaren Abstürze stören den Gesamteindruck empfindlich. Beim Absturz kommt die unter der Applikation tätige Android-Oberfläche zum Vorschein, die durch die Bedientasten nicht angesteuert werden kann. Nur mit einem Neustart des Handgeräts (Ausschalten, Einschalten) ließ sich die Ortung fortsetzen. Das Gerät erscheint insgesamt brauchbar, aber unausgereift.

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Abgestürzt: Die Android-Benutzeroberfläche unter dem eigentlichen Menü. Foto: SE

Die Reichweite testeten wir auf einem langen geraden Gestell in ebenem Terrain (Brandenburger Kiefernwald). Das Halsband wurde frei schwingend auf der Plattform eines Pick-Ups befestigt, das Handgerät von einer Person auf dem Boden in der Hand gehalten. Wenn man von den Einflüssen der Metallkarosse des Autos mal absehen will, einigermaßen realitätsnahe Prüfbedingungen. Wir ermittelten für das BS Planet eine Reichweite (mit der längeren der zwei mitgelieferten Antennen) von ungefähr 850 Metern. Das Sport Dog Tek 2.0 kam etwas weiter und erreichte 1200 Meter. Die Reichweite ist bei allen Funkgeräten bekanntlich “tagesformabhängig”, weil Wetterbedingungen, Standpunkt, Gelände und eventuelle Störungen auf der gerade benutzten Frequenz die Reichweite beeinflussen können. Da die strengen EU-Konformitätsregeln für Funkgeräte für alle Hersteller gelten, scheinen in der funkbasierten Hundeortung hierzulande keine wesentlich größeren Reichweiten als ein, zwei Kilometer möglich zu sein.

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Bei einer Entfernung von 843 Metern verlor das BS Planet die Verbindung zum Halsband. Foto: SE

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Das Sport Dog Tek 2.0 reichte etwas weiter: 1,2 Kilometer. Beide Geräte bringen keinen Warnhinweis, wenn die Verbindung zum Hund/Halsband abreißt. Foto: SE

Was bei beiden verbliebenen Prüflingen nicht gefiel, ist, dass keine Warnmeldung erfolgt, wenn der Funkkontakt zum Halsband abreißt (das Garmin ist da ehrlicher). Beim BS Planet erkennt man den abgerissenen Funkkontakt nur daran, dass sich die Entfernungsanzeige nicht mehr ändert und die Zeit zur letzten erfolgreichen Ortung länger wird. Beim Tek 2.0 verschwinden nur die Angaben für Geschwindigkeit des Hundes und Bellfrequenz.

Sport Dog Tek 2.0

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Das Täschchen zum Sport Dog Tek 2.0 nervt mit extrem hakeligem Reißverschluss. Fotos: SE

Das Sport Dog Tek 2.0 ließ sich mit den Ein/Aus-Knöpfen an Halsung und Handgerät zwar problemlos einschalten, aber auf der Karte des Geräts wurde die Position des Halsbands nicht angezeigt. Die Vermutung lag nahe, dass Halsband und Handgerät nicht gekoppelt sind, also werfen wir einen schnellen Blick in die Bedienungsanleitung – nein, daraus wird nichts, denn die liegt nicht bei. Auch das dem Geräte-Set beiliegende Handzettelchen hilft nicht weiter:

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Sport Dog Tek 2.0: Keine Service-Adresse für Deutschland. Fotos: SE

Da sind Service-Adressen für alle möglichen Länder aufgeführt, aber nicht für Deutschland. Deutschen Kunden muss der Hinweis genügen: For countries not listed, Warranty Registration and Online Customer Support are available at www.sportdog.com. (Für nicht aufgelistete Länder sind Garantie-Registrierung und Online Kundenservice erhältlich unter www.sportdog.com) Bei einem Gerät in dieser Preisklasse ein klarer Fall von Das-geht-gar-nicht. Was machen betagte Hundeführer, die ihren Vierläufer orten wollen, aber keinen Internetzugang haben? Den Enkel fragen?

Also verärgert das Internet angeworfen und die (immerhin) deutschsprachige Bedienungsanleitung heruntergeladen, die weitere Fragen aufwirft:

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Ausschnitt aus der Bedienungsanleitung des Sport Dog Tek 2.0. Foto: SE

Da sind diverse Farb- und Blinkmodi der LED auf dem Halsband aufgelistet, die verschiedene Betriebsmodi signalisieren. Gelb durchgehend leuchtend heißt: “Gerät ist nicht im Kopplungsmodus”. Welche Anzeige einem verrät, wann das Gerät im Kopplungsmodus ist, erfährt man nicht – aber gerade das hätten wir gerne gewusst. Das ist nur ein Beispiel für die komplizierte Handhabung des Sport Dog Tek 2.0 – und die wenig aufschlussreiche Bedienungsanleitung.

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Hannah mit der Halsung des Sport Dog Tek 2.0. Foto: SE

Nach einigen Tauchgängigen in den Tiefen des ebenfalls äußerst wenig intuitiven Tek-2.0-Menüs gelingt es uns, Halsband und Handgerät zu koppeln. Die komplizierte Bedienung des Tek 2.0 nervt beim Einsatz, und Abstürze der Software sind auch bei diesem Gerät häufig. Gut hingegen ist die Kompassfunktion des Tek 2.0: Ist der Kompass einmal kalibriert, so zeigt er äußerst genau die Richtung zum Hund an. Auch wenn man steht und sich in verschiedene Richtungen dreht, ist das Handgerät nicht zu verwirren. Das ist keine Selbstverständlichkeit und klappt bei vielen anderen Geräten lange nicht so gut.

Unter bestimmten Umständen (Nachsuche, keine Hand frei) ist die Sprachfunktion des Sport Dog praktisch, die einem (sogar auf deutsch) sagt, wo sich der Hund (“Testhund befindet sich 300 Meter rechts von Ihnen”) rumtreibt. Die Karte des Sport Dog Tek 2.0 ist allerdings ein Witz. Der Riesenmaßstab reicht gerade einmal aus, um sich einen groben Überblick zu verschaffen. Zoomt man so weit in die Karte hinein, wie es für die Hundeortung sinnvoll ist, so arbeitet man nur noch auf einem grauen oder grünen Hintergrund.

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Die Karte des Tek 2.0 ist ein Witz, der Maßstab ist viel zu groß. Beim Hineinzoomen sind keine topografischen Eigenheiten mehr erkennbar. Foto: SE

Fazit: Dieser Test läuft unter der Überschrift “Außenseiter im Test”. Auf Drückjagden und Nachsuchen sind die hier vorgestellten Geräte Seltenheiten – der Test macht deutlich, warum das so ist. Obwohl beide Geräte ihre Stärken haben, sorgen vor allem die Schwächen für den bleibenden Eindruck: Beim BS Planet die träge Hard- und absturzfreudige Software, beim Sport Dog Tek 2.0 die komplizierte Bedienung und das schlechte Kartenmaterial. Insgesamt machen die zwei verbliebenen Testkandidaten einen unausgereiften Eindruck, auch der Support lässt zu wünschen übrig. Wenn die Teile Mega-Schnäppchen wären, könnte man sich mit den Unzulänglichkeiten vielleicht noch abfinden – aber das sind sie nicht. Solange die Hersteller nicht deutlich verbesserte Versionen herausbringen, werden sie den etablierten Marktführern nicht wirklich Konkurrenz machen. SE

Beitragsbild: DK-Hündin Hannah mit der Halsung des BS Planet.

Die Testgeräte wurden uns von Frankonia freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

 

2 Gedanken zu „Hundeortung: Außenseiter im Test

  1. Helmut Lehmann

    Ich habe ein BS planet 3119. Würde es nie wieder kaufen. Nach ca 10 Benutzungen am Hund ist die Software am Handgerät abgestürzt. Gerät hat den folgenden Weg genommen: Mail an Frankonia, diese wende Dich an den Händler, also Gerät zum Händler, dann an Frankonia, nach 3 Wochen- können nichts tun, Gerät nach Italien, nach insges- 2 Monaten soll es nun wieder bei Frankonia liegen und wartet auf das Abschicken zum Händler, dann zu mir. Will heißen, Beginn Ausstieg 30.10.2015- bekomme vielleicht Ende Januar zurück. Die Drückjagdsaison ist vorbei, aber dazu habe ich das Gerät gekauft- abartig.

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  2. Madgroby

    Ich habe im Dezember 2017 das BS Planet bekommen … leider hat sich in Bezug auf Funktion und Zuverlässigkeit nichts getan. Das Handbuch ist gruselig (auf deutsch) ein englisches habe ich bis heute nicht bekommen. Das deutsche Handbuch stimmt nicht mit den Menüpunkten überein … auf englisch kann man es einigermassen bedienen.

    Das Betriebsystem ist Android basierend und die Software ist Jawa-Basierend … dadurch leider sehr träge und es werden auch nicht alle Funktionen zuverlässig übertragen. Ich hatte die Version mit dem Trainingsmodul. Aber dieses lässt sich nicht sauber einstellen … mal piebt es nur und mal piept und vibriert es. Damit könnte man ja noch leben, das Problem ist aber die Trägheit … es dauert z.T. 5-8 Sekunden bis der Befehl am Halsband ausgelöst wird (falls er da auch ankommt) …. zum Training bringt das gar nichts ….

    Gut ist tatsächlich die GPS Funktion .. diese ist sehr genau und auch das Kartenmaterial überzeugt … leider nicht die Reichweite. Es wird zwar über 10 km Meter angegeben … nur selbst im freien Gelände von einer erhöten Position, erreicht man nur knapp 1km.

    Nach nur 10 Tagen ist die Software mitten im Einsatz abgestürzt … nunmehr habe ich nur noch eine Andoidoberfläche auf dem Gerät … OK ich könnte das Gerät nunmehr als Kalender nutzen … oder Spiele spielen … nur Orten kann es nicht mehr ….

    Ich habe noch im Dezember den Support angeschrieben und leider bis heute keine Antwort erhalten. Glücklicherweise habe ich das Gerät beim BS-Planet per Paypal bezahlt …. aber auch auf den Paypal-Konflikt reagierte BS-Planet bis heute nicht …. naja ich muss noch abwarten bis ich hier mein Geld wieder bekomme …. damit ich dieses Kapitel abhacken kann …

    Dieses ist meine persönliche Erfahrung …. leider durchweg negativ.

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