Hund im Auto – Jagdhelfer sicher unterwegs

Ein Beitrag von Frank Martini

Da haben wir ihn nun, den jungen Hund. Und die besten Absichten. Wollen ihn gut ausbilden und gekonnt zur Jagd führen. Nur: Wie kommen wir dort hin?

Bei allem, was die Anschaffung eines Jagdhundes und das nötige Zubehör umfasst, kommt eine Überlegung oft erst am Schluss: Der Hundetransport. Den Hund aber einfach irgendwie ins Auto zu packen, ist keine Lösung, schon weil Improvisation hier schnell ins Geld gehen kann. Denn aus gesetzgeberischer Sicht sind Hunde im Auto eine Ladung, an deren Sicherung verbindliche Erwartungen geknüpft sind. Auch wenn die Rechtsvorschriften nicht ausdrücklich unsere Hunde ins Visier nehmen, lassen gleich zwei (fast gleichlautende) davon keinen Zweifel an unseren Pflichten: Das Kraftfahrgesetz und die Straßenverkehrsordnung. Beide legen fest, dass jede Ladung in oder auf Fahrzeugen so zu sichern ist, dass niemand gefährdet, behindert oder belästigt wird und die Ladung den im Fahrbetrieb auftretenden Kräften jederzeit standhalten kann (StVO §61, KraftFG §101). Dabei lassen diese Vorschriften keinerlei Zweifel über die Verantwortlichkeit – sie trifft immer den Fahrer und bedroht ihn bei Verstößen mit drakonischen Bußen.

Nur Hunde, die sich sehr gut verstehen, sollten dauerhaft in einem gemeinsamen Abteil transportiert werden. Foto: Frank Martini

Hohe Anforderungen

Zwei Dinge dürfen keinesfalls passieren: Der Hund darf uns beim Fahren nicht ins Gehege kommen oder unsere Aufmerksamkeit vom Verkehr abziehen. Ein Risiko, dem man vor allem bei jungen oder noch wenig ans Autofahren gewöhnten Tieren ausgesetzt ist. Und er darf bei einem Unfall nicht durch’s Auto fliegen! Frei im Fahrzeuginnenraum oder gar im Fußraum der Beifahrerseite ist also die denkbar schlechteste Unterbringung, wenn man allein mit Hund unterwegs ist. Aber selbst, wenn er ruhig im Fond läge – schon bei einer harten Bremsung, geschweige denn einem Auffahrunfall würde er geschossgleich nach vorn kommen. Um mit einer Impulskraft vom vielfachen seines Gewichts irgendwo anzuprallen. Zum Beispiel an und ggf. auch noch durch die Windschutzscheibe – der arme Hund! Oder gar die Nackenstütze des Fahrers, die solchen Lasten auch nicht unbedingt standhalten muss. Die zweite wesentliche Anforderung ist also die Sicherung des Hundes. Und noch eine kommt unsererseits hinzu. Denn wir wollen, dass sich der Hund bei uns im Auto wohlfühlt – und selbst im Falle eines Unfalls die Chance hat, diesen unbeschadet zu überstehen. Dazu gibt es längst verschiedene, mehr oder minder geeignete Systeme, die sogar individuellen Voraussetzungen und Wünschen Rechnung tragen.

Kombi oder Limousine?

Wer einen PKW-Kombi oder einen Geländewagen fährt, hat hier sicher noch die größte Auswahl. Schwieriger wird es indes bei einem Stufenheckauto. Will man den Hund nicht ins Dunkel des Kofferraums verbannen, bleibt im Prinzip nur der Fahrgastraum. Für den Fond gibt es dazu ausgeklügelte und universelle Einlagen, die zwar das Fahrzeug vor Verschmutzung schützen, nicht aber die ‘Ladung Hund’. Weswegen unter diesen Auskleidungen nur solche in Frage kommen, die ggf. aufzippbare Öffnungen für das Durchschieben von Gurtschlössern aufweisen.

Rücksitzwanne – der Hund muss mit einem Brustgeschirr zusätzlich gesichert werden. Foto: Frank Martini

Denn nur mit einem geeigneten Brustgeschirr wäre der Hund gegen umherfliegen gesichert. Ein deutscher Automobilclub hat verschiedenste Systeme bereits vor Jahren getestet und warnt: Längst nicht jedes Brustgeschirr hält den Belastungen eines Auffahrunfalles stand. So zeigten die ADAC-Tests, dass selbst bei Hundegewichten von etwa 20 Kilo die Gurtriegel einzelner Produkte barsten! Und selbst bei denen, die standhielten, schlugen die Hunde teilweise gegen die Rückenlehnen der Vordersitze, ehe das Rückhaltesystem Wirkung entfalten konnte.

Augen auf beim Geschirrkauf: Stabile Gurtriegel… Foto: Frank Martini

… und Karabiner sind ein Muss! Foto: Frank Martini

Daraus resultiert zweierlei: erstens bringen solche Geschirre nur etwas, wenn wir dem Hund damit weitgehend jeden Bewegungsspielraum nehmen. Liegt er stets ruhig auf der Sitzbank, nicht unbedingt ein Problem – dann müsste man die Gurtverbindung zwischen Gurtriegel und Geschirr nur so einstellen (können), dass er nicht einmal mehr ins Sitz käme. Sollte dies gleichwohl das Mittel der Wahl sein, sollte das Gurtzeug selbst oder die Verpackung mit der Bestätigung einer Belastungsprüfung nach ECE R17 oder ECE R126 bzw. DIN 75410-2 versehen sein, rät der ADAC. Ein Prüfsiegel und Angaben zur Größe sowie dem Gewicht des Hundes sollten also schon sein.

Und auf das Prüfsiegel achten. Foto: Frank Martini

Gut passenden Brustgeschirr. Foto: Frank Martini

Boxen und Kennels

Behaglichkeit: Hunde gewöhnen sich an ihre Transportbox und fühlen sich darin wie Zuhause. Foto: Frank Martini

Auch Hundeboxen, genauer gesagt ‘Flight-Kennels’ hatte der Automobilclub im Test. Obschon diese ursprünglich nur dem Zweck dienten, Hunde im Frachtraum eines Flugzeugs ausbruchssicher zu verwahren, freuen sie sich großer Verbreitung. Sie bestehen meist aus zwei Kunststoffschalen, die sich voneinander trennen lassen. Die untere Hälfte kann damit – gut für die Eingewöhnung junger Hunde – auch als offenes Körbchen daheim genutzt werden. Allerdings zeigten diese Teile bei den Crashversuchen des ADAC, dass ein harter Anprall sie bersten lässt.

Flight Kennels: Im Auto nicht die beste Lösung. Foto: Frank Martini

Mit dem Hund könnten dann noch scharfkantige Kunststoffteile durchs Auto fliegen. Dem konnte in den Versuchen nur dadurch begegnet werden, sie möglichst formschlüssig und quer zur Fahrtrichtung im Fahrzeug zu positionieren. Nur so hielten sie Unfallbelastungen stand und boten dem Tier auch die Chance auf weitgehende Verletzungsfreiheit, so der ADAC. In einer einfachen PKW-Limousine also eine gute Möglichkeit, wenn die Voraussetzungen passen. Sind Hund und damit hinreichend großer Kennel nicht zu groß, um sie quer z. B. hinter den Beifahrersitz in den Fußraum zu stellen und dort mit der Rückenlehne des Sitzes zu fixieren, käme eine solche Möglichkeit in Betracht. Bei größeren Hunden wie Autos stellt sich indes das nächste Problem. Denn natürlich findet ein passender Kennel selbst für große Hunde auf der Ladefläche eines Kombis quer hinter den Rücksitzlehnen Platz. Bloß reicht es dann seitlich noch zum Ein- oder Ausstieg, oder müsste man den Kennel dazu immer erst um 90 Grad drehen – vor dem Ausstieg dann mit mehr als 30 Kilo Vorstehhund darin?

PKW-Box für Kombi-Fahrzeuge mit Ausstieg nach hinten. Die Trennwand schützt den Hund vor herumfliegenden Ausrüstungsteilen. Foto: Frank Martini

In Kombis und Geländewagen bieten sich deshalb eher spezielle Hundeboxen an, die es als Einzel- sowie Doppelboxen gibt. Sie werden von vielen spezialisierten Herstellern längst fahrzeugangepasst angeboten, sind ausstattungs- und größenabhängig aber nicht ganz billig. 500 Euro und mehr muss man für so ein System schon investieren. Dafür ist die Rückwand dann an den Neigungswinkel der Rücksitzlehnen für einen möglichst guten Formschluss angepasst. Ihre Rahmen sind meist aus stabilen Aluprofilen mit Gittern oben und seitlich gegen Verschmutzungen des Laderaums mit stabilen Platten versehen. Ist genug Platz und muss sonst nicht viel mitgenommen werden, bieten sich Breiten an, in denen der Hund auch quer liegen kann. Quer zur Fahrtrichtung verteilen sich Brems- und Anprallkräfte natürlich auf eine größere Körperfläche, was verletzungsmindernd wirkt.

In dieser Einzelbox kann der Hund nur in Fahrtrichtung liegen. Foto: Frank Martini

Manche Hersteller bieten diese Boxen auch mit Öffnungs- oder Notausstiegsklappen an der Boxenrückseite an. Denn was, wenn man selbst Dank harter Bremsung noch sicher zum Stehen kam, aber der Hintermann nicht? Heckklappen oder –türen lassen sich danach meist nicht mehr ohne weiteres öffnen. Verfügt die Hundebox nun über einen rückseitigen Ausstieg, kann man seinen Liebling nach Umklappen der Rücksitzlehne noch über die Fondtüren aus der misslichen Lage befreien. Überdies sorgt ein Schließen des hinteren Sicherheitsgurtes vor Fahrtantritt dafür, die Lehne bei einem eigenen harten Auffahren sicher in ihrer Position zu halten.

Gitter und Netze

Dank Trenngitter steht dem Hund der gesamte Kofferraum zur Verfügung – eine gute Lösung für größere Hunde. Foto: Frank Martini

Wie bei den Boxen gibt es auch bei den Hundegittern, die in Kombis oder ‘Jeeps’ den Lade- vom Fahrgastraum trennen, fahrzeugangepasste Modelle. Variablen Trenngittern sind sie in jedem Fall vorzuziehen. Meist werden sie in unterschiedlichen Höhen angeboten – nur oberhalb der Rücksitzlehnen oder auf (fast) voller Höhe vom Laderaumboden bis zum Dach. Das schränkt einen variablen Fahrzeugeinsatz natürlich ein: Für längere Lasten die Rückbank ganz oder teilweise umklappen, erfordert zusätzlich den Ausbau dieser Gitter. Bei den halbhohen kann man immerhin noch unter dem Rahmen hindurch laden. Steht dem Hund die gesamte Laderaumbreite zur Verfügung und gewöhnt man ihn daran, sich quer hinter die Rücksitzlehnen abzulegen, wäre er behaglich untergebracht und bei Vollbremsungen oder Auffahrunfällen zudem gut geschützt. Allerdings nur, wenn er sich seinen Platz nicht mit anderen, lose umherliegenden Gegenständen teilen muss. Die gehören, so das Tier keine geschlossene Hundebox schützt, natürlich separat gesichert. Hohe wie halbhohe Metallgitter nutzen zur sicheren Montage meist Spannverbinder an den Arretierungen der Rücksitzlehnen und stützen sich auf der C-Säule nach vorne gut ab – bei einer soliden Ausführung sind sie also ebenfalls eine gute und mit meist bis 200 Euro eine günstige Sache.

Solide Sache… Foto: Frank Martini

… diese fahrzeugangepasste Lösung überzeugt. Foto: Frank Martini

Bei den nicht fahrzeugspezifisch variablen Ausführungen hingegen, die mit Teleskopstangen mit Gummifüßen nur zwischen Laderaum und Fahrzeugdach eingespannt werden, wäre ein sicherer Halt unter Belastung zu hinterfragen.

Wo ein Wille ist, ist ein Weg: Netze halten den Zähnen entschlossener Hunde nicht stand. Foto: Frank Martini

Gleiches gilt für die oft in die Gehäuse von Laderaumrollos verbauten Trennnetze, die sich mit einem Gestänge an Öffnungen unter dem Dach einhängen lassen. Mögen sie auch unnachgiebig und stabil daherkommen – aber halten sie auch den Zähnen eines jungen Hundes stand, der sich verlassen fühlt und danach trachtet, den Platz seines Herrchens nach ihm abzusuchen, sollte der einstweilen ausgestiegen sein? Solche von den Fahrzeug- und Zubehörherstellern angebotenen ‘Universallösungen’ sollte man für die Tauglichkeit eigener Ansprüche also stets kritisch prüfen. Noch einmal: Der junge Hund darf uns weder auf den Schoß (oder gar ins Lenkrad) springen können, sollte sich behaglich untergebracht fühlen und gegen verletzungsträchtiges Umherfliegen bei Bremsungen oder gar Auffahrunfällen möglichst gut gesichert sein.

Königsklasse

Zwischen und auch jenseits der hier dargestellten Lösungen ist natürlich immer Luft für Verbesserungen – bis hin zu den sicher aufwändigsten Lösungen wie speziellen Hundetransportanhängern oder sondergefertigten Aufbauten für Pickups. Diese gibt es mit Isolierungen und Belüftungssystemen, sogar Heizeinlagen sind in solchen externen Kabinen machbar. Dabei handelt es sich allerdings um die preislich absolute Oberklasse, die in der Regel nur für ausgewiesene Spezialisten, evt. gar züchtende Hunde- oder Rudelführer, die mit oft mehreren Jagdhelfern zur Ausbildung oder Einsätzen auf Drückjagden oder Nachsuchen unterwegs sind.

Königsklasse: Speziell Aufbauten für Pickups oder Hundetransportanhänger sind die ideale – allerdings auch kostspielige – Lösung. Foto: Frank Martini

Solche Anhänger und Aufbauten bieten außerdem noch jede Menge besonderer Fächer und für allesmögliche Hunde- und Jagdzubehör. Sicher werden deren Hersteller auf Wunsch auch entsprechende Einbauten in ein Fahrzeug anbieten. Aber auch das dürfte dann eine der teuersten Varianten werden und ist nicht einen auf variablen Ein- und Ausbau angelegt. Wer über die nötige Materialkunde und die entsprechenden handwerklichen Fähigkeiten verfügt, baut sich vielleicht seine eigene Lösung oder ergänzt eine ‘von der Stange’.

Gut und Günstig: Marke Eigenbau. Foto: Frank Martini

Zum Beispiel eine über die gesamte Laderaumbreite reichende gute Hundebox durch einen flachen Unterbau, in dem noch übriges Gerödel Platz findet. Aber das ist dann schon etwas für Fortgeschrittene und sehr engagierte Hundeführer, nicht aber für den ‘einfachen Rüdemann’ oder gar den Erstlingsführer. Frank Martini

Beitragsbild: Dieser Drahthaar reist stilsicher im Cabrio an. Foto: Frank Martini

Text und Fotos: Frank Martini www.wildhygiene.de

6 Gedanken zu „Hund im Auto – Jagdhelfer sicher unterwegs

  1. Marek Krug

    Ich bin über den Artikel mehr als nur begeistert. Hier sind aus der Praxis heraus sehr wertvolle Tipps, die nicht nur für den Jäger von Interesse sind und zum Wohle von Hund & Mensch beitragen. Großes Kompliment.

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  2. Frank Martini

    Lieber Herr Krug,

    herzlichen Dank – es freut mich, wenn ich hier dazu beitragen konnte, das Jawina-Ziel eines möglichst großen Nutzens für seine Leser zu erreichen.

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