Hilf, Sebastian Rotenhan, damit der Wald jetzt wachsen kann!

Selbst nach Ansicht mancher Förster und Waldbesitzer, die dem Gedanken naturnahen Waldbaus durchaus nahe stehen, hat sich Sebastian Freiherr von Rotenhan mit seinen jüngsten Verlautbarungen in der Ökojagd 8/214: „….damit keiner mehr sagen kann, er habe es nicht gewusst!“ – 10 Jahre später …”, als ernst zu nehmender Gesprächspartner diskreditiert. Eine Entgegnung von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel:

Welch ein Glück ist das für die östlichen Bundesländer, und insbesondere für Brandenburg, dass kapitalkräftige Menschen aus den westlichen Bundesländern, wie z. B. Herr Rotenhan, sich hier nach der Wende forstlich und forstpolitisch so engagiert ins Zeug legen. Wie sonst hätte man von den konspirativen Machenschaften in Sachen Wald und Wild erfahren, die hierzulande für eine „beispiellose Verarmung der Wälder“ gesorgt haben. In Potsdam treffen sich noch heute die für Forst und Jagd zuständigen Ministerialbürokraten regelmäßig, merkwürdigerweise überwiegend Westimporte, um Maßnahmen zur weiteren Verarmung des Brandenburger Waldes und zur Erhöhung der Brandenburger Schalenwildbestände durchzusetzen.

Den Hobbyjägern und dem Filz aus Jagdverband, Förstern und Jagdbehörden ist es also tatsächlich gelungen, sämtliche Maßnahmen zum Abbau überhöhter Bestände verbeißenden Schalenwildes konsequent zu verhindern. Man kann in Brandenburg z. B. als Jagdausübungsberechtigter den Zielbestand des Rehwildes in seinem Jagdbezirk nicht alleine festsetzen. Es ist starr vorgeschrieben, welches Abschussgeschlechterverhältnis und welche Altersklassenanteile einzuhalten sind. Hegegemeinschaften dürfen trotz Reduktionsnotwendigkeit ihren Abschussplan nicht um ein Stück überschießen und so weiter und so fort. Man könnte diese Knebelliste der fortschrittlichen und naturnahen Waldbauern beliebig verlängern. Und dann gibt es da doch tatsächlich noch Waldbesitzer, die sich nicht einen Deut um den Zustand ihres Waldes scheren und nur dem Weidwerk frönen. Glaubt man Herrn Rotenhan, dann muss jetzt endlich Schluss damit sein, dass jeder Eigentümer sich den Zielen des ÖJV und der ANW verweigern kann. Es lebe die Ökodiktatur. Der Veggieday lässt grüßen.

Klimastabile und artenreiche Mischwälder sind Rotenhans Credo. Ob in der Norddeutschen Tiefebene solche Wälder natürlich sind, sei dahingestellt. Und ob sie klimastabil sind, weiß heute keiner! Immerhin war unser Land noch vor 2000 Jahren weithin mit Rotbuche bestockt, das Schreckgespenst Entmischung also durch den Standort vorprogrammiert. Und glaubt man der Bundeswaldinventur, dann hat sich die Waldfläche von 1970 bis 2010 um 10% von 10 auf 11 Mio Hektar vergrößert und der stehende Holzvorrat hat sich auf im Mittel 320 m3/Hektar erhöht. Den gesamten Wald haben Hirsche und Rehe also gottlob noch nicht aufgefressen!

Umso erstaunlicher ist es, dass Herr Rotenhan, glaubt man den Bildern in seinem Artikel, es dennoch geschafft hat, seinen Wald annähernd in den Zustand zu versetzen, den er für vorbildlich und den einzig erstrebenswerten hält. Dem einen oder anderen Waldbesitzern in Brandenburg ist das genauso gelungen. Hier wird man dann stutzig. Hat der wackere fränkische Waldbauer etwa gegen jagdrechtliche Bestimmungen verstoßen? Hat er mehr Wild erlegt als er durfte? Keineswegs, vermute ich, denn im Gegensatz zur Äußerung Rotenhans sind die jagdrechtlichen Bestimmungen in Brandenburg tatsächlich überaus liberal. Nun gibt es seit kurzem auch keinen behördlich bestätigten Abschussplan für Rehe mehr und der Rehbock kann auch im Winter erlegt werden. Jeder Waldbesitzer kann durchaus nach seiner Façon selig werden. Man muss es aber auch tun und nicht nur jammern.

Mir scheint, Herr Rotenhan hat in seiner Vorstellungswelt die Kulturlandschaft Mitteleuropas vollständig ausgeblendet. Er faselt von der Schöpfungsgeschichte, in der schließlich auch kein Kulturzaun vorkomme. Letzteres stimmt selbstverständlich, aber der Zustand unserer Kulturlandschaft ist vom Paradies, für jeden Menschen offenen Auges und offenen Verstandes klar erkennbar, Lichtjahre entfernt. Ich empfehle dem Autor einen Blick in folgende Arbeiten:

Dobiáš, K.; Degenhardt, A. (2010) Das Verbissmonitoring im Landeswald als Instrument waldbaulichen und jagdwirtschaftlichen Handelns. Eberswalder Forstliche Schriftenreihe 45, 7-14.

Degenhardt, A.; Blaško, L.; Dobiáš, K. Die Entwicklung der Naturverjüngung im Landeswald – Ergebnisse aus dem Kontrollzaunverfahren. Eberswalder Forstliche Schriftenreihe 45, 15-30.

Wir dürfen gespannt sein auf den nächsten Zustandsbericht, den Herr Rotenhan für 2024 angekündigt hat. Es ist übrigens vermutlich nicht gerechtfertigt anzunehmen, der gesamte fränkische Adel neige dazu, in schriftlichen Verlautbarungen dem Wahrheitsgehalt nicht erste Priorität einzuräumen. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Ausriss aus dem kommentierten Artikel in der Ökojagd 8/2014.

2 Gedanken zu „Hilf, Sebastian Rotenhan, damit der Wald jetzt wachsen kann!

  1. Walter Rose

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Pfannenstiel, die Kreisjägerschaft Höchster,deren zweiter Vorsitzender ich bin, veranstaltet statt der bislang durchgeführten jährlichen Pflichttrophäenschau einen ersten “Kreisjägertag” . dafür suchen wir nach einem Wildbiologen, der zu dem Thema zeitgemäße Schalenwildbejagung uns einen Vortrag halten kann. Der Kreis Höchster in NRW beheimatet alle Schalenwildarten,die im Land hier vorkommen. Rot-Dam-und Sikawild sind in der Phase der Reduktion, und Herr von Rotenhan kümmert sich im Kreis auch intensiv ums Rehwild. natürlich ist Schwarzwild auch reichlich vorhanden. Uns Jägern geht es um tierschutzgerechte Bejagung, die den Mutterschutz von führenden Alttieren streng beachtet. Wir würden uns freuen, wenn es zu einer baldigen Kontaktaufnahme mit Ihnen kommen könnte.Termin unseres Jägertages ist der 12.März 2016.

    Waidmannsheil, Walter Rose [Adressdaten entfernt, admin]

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