Heute: Expertenanhörung zum Wolf im Bundestag

Heute fand im Landwirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestags eine Expertenanhörung zum Thema Wolf und Herdenschutz statt: “Experten mahnen zu mehr Engagement im Wolfs­management” – so fassen die Online-Dienste des Deutschen Bundestag die Ergebnisse zusammen:

“Es muss ein „Miteinander von Wolf und Weidetier“ möglich sein, sagte Alois Gerig (CDU/CSU), Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, zum Auftakt eines Fachgesprächs mit dem Thema „Wolf und Herdenschutz – Suche nach konstruktiven Lösungsansätzen“ am Montag, 8. Oktober 2018. Die Rückkehr des Wolfes sorgt in vielen Regionen Deutschlands zunehmend für Beeinträchtigungen in der Weidetierhaltung. Fünf Sachverständige waren deshalb eingeladen, dem Gremium ihre Erfahrungen und Lösungsvorschläge zu präsentieren, um im „Spannungsfeld der Wolfsbefürworter und –gegner“ zu zukunftsfähigen Ergebnissen zu kommen.

Beyer fordert jagdrechtliche Klarheit

Aus brandenburgischer Sicht, erläuterte Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forums Brandenburg e.V., sei der Wolf nie weg gewesen. Zur DDR-Zeit sei er zwar bejagt worden, er habe sich aber schnell wieder reproduziert. Der heutige Bestand lässt sich mit etwa 300 Tieren in Brandenburg angeben, was einem Zuwachs von 30 Prozent entspricht. In gleicher Höhe lässt sich außerdem auch der Zuwachs der zu Schaden gekommenen Tiere abschätzen.

Beyer betonte, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Herbeiführung einer Bestandsreduktion der Wölfe in den Verbänden des „Forum Natur“ Freude hervorrief. Nun sei es an der Zeit, zu einem funktionierenden Wolfsmanagement zu kommen und jagdrechtlich für Klarheit zu sorgen.

Böer: Konzentration auf regionale Forschung

Prof. Dr. med. vet. Michael Böer, Facharzt für Wildtiere und Zoodirektor des Zoos Osnabrück, sprach sich für eine stärker regional konzentrierte Forschung aus. Das Wolfsmanagement sei vor allem dann zu optimieren, wenn konkrete Beobachtungen vor Ort vorgenommen und bearbeitet werden würden. Dabei sei beispielsweise auch die Berücksichtigung des Verhaltens einzelner Wolfsfamilien entscheidend. Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren müssten deshalb auch immer jeweils gesondert und mit Blick auf lokale Faktoren angesetzt werden.

Die gezielte Berücksichtigung und Verwertung regional gewonnener Informationen und Forschungsergebnisse, so der Tiermediziner, würde die Arbeit des DBBW, die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, und anderer Bundesbehörden effektiver gestalten.

Kucznik: Herdenschutzhund rechtlich verankern

Am höchsten sei der Wolfsdruck in Sachsen und Brandenburg, betonte Knut Kucznik, der 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V. Neben dem Zaunbau, der Grundvoraussetzung für den Herdenschutz, müssten zudem Herdenschutzhunde eingesetzt werden. Der Umgang und die Haltung dieser speziell trainierten Hunde ist allerdings anspruchsvoll und mit entsprechender Schulung verbunden – das gelte es im Blick zu behalten. Außerdem, so Kucznik, müsse der Herdenschutzhund rechtlich verankert werden.

Darüber hinaus sollen Herdenschutzmaßnahmen zu 100 Prozent aus öffentlicher Hand finanziert und Wölfe, die die Schutzbarrieren überwinden, augenblicklich entnommen werden.

Reinhardt: Flächendeckende Herdenschutzgestaltung

Der Wolf wird sich in Deutschland weiter ausbreiten, prognostizierte Ilka Reinhardt vom LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland. Die Bedingungen, die das Tier im Land vorfindet, sind gut, so wird es etwa zukünftig auch immer mehr Nahrung finden. Ein zukunftssicheres Wolfsmanagement und eine flächendeckende Herdenschutzgestaltung sind deshalb von absoluter Wichtigkeit. Oberste Priorität, so Reinhardt, müsse der Herdenschutz von besonders wehrlosen Tieren wie Schafe und Ziegen haben.

Aus Sicht der Forscherin ist es zudem unabdinglich, Betroffene stärker zu unterstützen und von landwirtschaftsbehördlicher Seite besser zu beraten. Außerdem müsse der Fokus klar auf Schutzmaßnahmen und deutlich weniger auf Jagdfragen gelegt werden.

Schenk: Rettungsring für Weidetierhalter

„Wir haben bisher noch nie über die Rettung der Weidetierhaltung aus der finanziellen Krise gesprochen“, mahnt Andreas Schenk vom Bundesverband Berufsschäfer e.V. und fordert einen Rettungsring für betroffene Landwirte. Die Politik müsse zeitnah Lösungen finden und einen artenschutzrechtlichen Rahmen für die Länder schaffen. Die doppelte Normalität von Wolfsschutz und Wolfsentnahme führen zu Komplikationen, die dringend abgebaut werden müssen.

Wünschenswärt wäre aus Sicht Schenks die Einrichtung eines Kompetenzzentrums auf Bundesebene. Auf dem Spiel stehe schließlich nicht nur die Herdenwirtschaft und -kultur, sondern auch deren Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit.” (ste/08.10.2018). Copyright: Online-Dienste des Deutschen Bundestages

Liste der geladenen Sachverständigen

Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forums Natur in Brandenburg e.V.
Prof. Dr. med. vet. Michael Böer, Fachtierarzt für Wildtiere und Zoodirektor des Zoos Osnabrück
Knut Kucznik, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V.
Ilka Reinhardt, LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland
Andreas Schenk, Bundesverband Berufsschäfer e.V.

Die Sitzung wird zeitversetzt am Dienstag, 18. Uhr im Parlamentsfernsehen im Internet auf www.bundestag.de und auf mobilen Endgeräten übertragen.

Die Red. dankt JAWINA-Leser RK für den Hinweis!

Beitragsbildung: Der Bericht über die Expertenanhörung zum Wolf auf der Internetseite des Deutschen Bundestages (Screenshot).

6 Gedanken zu „Heute: Expertenanhörung zum Wolf im Bundestag

  1. JK

    Politiker können keine Entscheidungen treffen. Die schielen lediglich auf die nächsten Wahlergebnisse und damit ihre Pfründe. Sogenannte Experten leben nicht von der Landwirtschaft/Tierhaltung und sind damit auch disqualifiziert. Dieser ganze teure Mist mit ihrer Palaverzusammkunft kostet Steuergeld. Nicht Nutztiere gehören hinter Zäune, sondern die Wölfe. Luchse und Goldschakale.
    Der Vorwurf, daß Jäger die Wildtierbestände nur unzureichend regulieren und diese Aufgabe Großräuber besser machen könnten haben wir uns selbst zuzuschreiben. Vielleicht ist unser Revierjagdrecht wirklich überholungsbedürftig…
    Stichwort “Postkartenricken” und der Meistbietende darf sich mit dem Prädikat Revierpächter bewundern & feiern lassen. Sind solche “Jagdausübungsberechtigte“ noch zeitgemäß?
    Zur Klarstellung: Ich bin Jagdgenosse, Begehungsscheininhaber und erlege auch niedliche Kitze. Ich brauche keine Großräuber. Die Nutztierhalter hier wollen die auch nicht.

    Antworten
  2. mikka

    wie zu erwarten… Die Runde der Experten so gewählt, dass wieder nur geredet wird und an der Basis keine nennbaren Ergebnisse zu erwarten sind. Eine rotzfreche Politik, die sich leider nicht nur beim Wolf abzeichnet. Monitoring heißt steuern, Management: regulieren… Mal kritisch hinterfragt: es gab hier mal die Diskussion, ob Stöberhundeinsätze im Wolfsgebiet tierschutzgefährdend sind, da man ja Zwischenfälle mit Wölfen billigend in Kauf nimmt und so zu sagen einen evtl. Verlust des Hundes einplant. Wie ist das eigentlich bei Herdenschutzhunden? Allein der Hund wird doch nicht den Wolf so viel Scheu abringen, dass er von der Beute ablässt? Gibt es da nicht eine zu erwartende Konditionierung beim Wolf, dass eben keine große Gefahr von den Hunden ausgeht und diese sogar selbst zur Beute werden? Historisch waren doch an den Hund sicherlich noch andere Konsequenzen für den Wolf geknüpft? Vielleicht kennt sich jemand aus?

    Antworten
    1. Andrea

      @Mikka
      Ich habe mich, bevor ich mich für eine Rasse entschieden habe, sehr genau informiert, und zwar persönlich. Es ist nicht wirklich überraschend für mich, dass die Pyrenäenhunde versagen. Sie haben nicht die Präsenz eines Podhalaner oder Kangal. Die letzten Übergriffe trotz Pyrenäenhunde zeigen doch: kein toter Wolf, kein verletzter Hund – sie haben bestimmt gebellt, sonst nichts.
      Bei Betrieben mit anderen Rassen gab es bisher keine Probleme. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kangal den Wolf hätten davonkommen lassen. Die bellen nicht nur, die beißen auch. Und das wissen die Wölfe. Der Punkt dürfte sein, die Absage am Zaun muss überzeugen, anderenfalls springen die Wölfe halt doch rein.
      Was vielleicht für Dich auch interessant ist: hier in der Schweiz gab es auch tote Schafe trotz Pyrenäenhunde, und die Beißvorfälle bei Wanderern waren mit Pyrenäenhunde.

      Antworten
      1. mikka

        Vielen Dank Andrea, das nenne ich eine Expertenanhörung ;o)
        Vielleicht gibt es noch mehr zu berichten, mich würde auch mal die Rechtslage interessieren.

        Antworten
  3. Insider

    Aktueller Stand von heute morgen:Riß im Biosphärenreservat beim großen “Wolfsschützer” mit bisher 40 toten und 80 vermissten Tieren.Bioreserv. Bei Radibor/Bautzen(Förstgen)

    Antworten
  4. Axel Plümacher

    Moin zusammen,

    googelt mal ein wenig nach Wolf am Gehegezaun oder in die Richtung. Es gibt ein Video, daß einen Wolf zeigt , der wie ein Trampolinturner immer an einem 3,5 m hohen Zaun hochspringt. wenn der Zaun nicht nach oben noch um eine Schräge nach Innen verlängert worden wäre, wäre der Wolf weg. Soll so eine Wolfssichere Zäunung aussehen? Flächendeckend? Solch ein Video würde vlt. auch einem Politiker mehr sagen wie das Gelaber von einem Zoodirektor, der null Ahnung von den Verhältnissen in der Fläche hat. Solch Zäune wären die einzig logische Konsequenz daraus, dem Wolf nicht mit Pulver und Blei die Grenzen aufzuzeigen. Aber wie solll sich die Landwirtschaft in solche gezäunten parzellisierten Gebieten noch bewegen, wie sollen sich die Wildtiere bewegen? Auch hilft eine finanzielle Endschädigung nicht, wenn gerade die Hobbyzüchter alter seltener Rassen, bzw. deren Tiere betroffen ( vernichtet ) sind. Der Genpool für solche Rassen wird klein und kleiner.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.