Hessen: Rotwild im Reinhardswald wird aus der Luft erfasst

In gleichmäßigen Bahnen zieht ein Leichtflugzeug in 400 Metern Höhe über den Reinhardswald. An Bord ist neben dem Piloten eine komplexe Kameraausrüstung, mit deren Hilfe ein aktuelles Bild über den Rotwildbestand in dem großen zusammenhängenden Waldgebiet entstehen soll.
In den vergangenen Monaten wurden insbesondere die durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer verursachten Waldschäden aus der Luft erfasst. „Nun geht es um die Rothirsche“, erläutert Dr. Markus Ziegeler, Leiter des Forstamts Reinhardshagen und Vorsitzender der Rotwild-Hegegemeinschaft Reinhardswald, die dieses Projekt ins Leben gerufen hat. Denn eine möglichst genaue Kenntnis über die tatsächliche Anzahl dieser Tiere liefere wichtige Grundlagen für deren zukünftige Bejagung, die wiederum eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Wiederbewaldung der geschädigten Flächen sei.

Rotwildsichtung mit der Echtfarbenkamera, links unten ein weißfarbenes Stück. (Fotos: wildlife monitoring / Ulrich Franke)

Tatsächlich gehen die Meinungen über die Rotwilddichte im Reinhardswald auseinander. Während die einen der Überzeugung sind, dass diese in den letzten Jahren erheblich abgenommen habe und man deshalb kaum noch Hirsche zu Gesicht bekomme, glauben die anderen, dass diese einfach nur vorsichtiger geworden seien und sich aufgrund ihrer Erfahrung immer besser dem beobachtenden oder jagenden Menschen entziehen würden.
Die Bejagungsstrategien wurden bislang auf der Grundlage von Bestandesschätzungen aufgestellt, die insbesondere auf den Erlegungen der Vergangenheit aufbauen. „Diese Modelle gilt es mit einer Erfassung des tatsächlichen Bestandes zu überprüfen, damit wir für die künftige Strategie eine verlässliche Ausgangsbasis bekommen“, meint Ziegeler. Hierzu werde das Projekt auch von der Forstlichen Fakultät in Göttingen wissenschaftlich begleitet.

Rotwildsichtung mit der Wärmebildkamera. (Fotos: wildlife monitoring / Ulrich Franke)

Ein zusätzlich interessanter Aspekt ist der Anteil des weißen Rotwildes, das eine Besonderheit im Reinhardswald darstellt. Diese genetisch bedingte Farbvariation wurde seit etwa 15 Jahren nicht mehr bejagt und kommt inzwischen in größerer Anzahl vor. Auch hier gibt es nur Vermutungen, wie groß deren Anteil an der Gesamtpopulation mittlerweile tatsächlich ist. Schließlich soll über die genetische Untersuchung von Losungsproben ein Eindruck darüber gewonnen werden, wieviel Rotwild männlich oder weiblich ist. „Ich finde es gut, dass wir mit finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen ein Projekt umsetzen können, das uns zu Beginn der notwendigen Wiederbewaldung wichtige Erkenntnisse über das Rotwild liefert, das einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die weitere Entwicklung des Reinhardswaldes hat“, freut sich Ziegeler. Mit den Ergebnissen der Untersuchung sei bis Jahresende zu rechnen. PM Hessenforst

Beitragsbild: Das Leichtflugzeug mit Kameraausrüstung überfliegt in regelmäßigen Streifen den Reinhardswald. (Fotos: wildlife monitoring / Ulrich Franke)

3 Gedanken zu „Hessen: Rotwild im Reinhardswald wird aus der Luft erfasst

  1. Alfons

    Wir Jäger lassen uns immer mehr zu schädlings bekämpfer degradieren. Ich selber habe vom land NRW ein Revier gepachter und soll nun schon im April Rehe abschiessen. ICH TUE ES NICHT VOR DEM 01. 05!!!! Und dann werden die wirklich notwendigen Stücke erlegt. In der Zeitung stand das in diesem Jahr mit Borkenkäferfallen gearbeitet werden soll. Warum nicht im letzten Jahr?? Sicher wird in Zukunft mit dem Rotwild genauso schändlich verfahren. Es dürfte gar keinen Wald mehr geben wenn man schaut wie die Alte Förster ihren wald gehegt haben. Das war damals noch ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

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  2. Frank

    Naja, mal langsam – das Verfahren dient der genauen Erfassung unterschiedlicher Wildarten, die sich bei Befliegung zum richtigen Zeitpunkt mit unterschiedlichen fotografischen Verfahren sehr genau erfassen lassen.. Ich kenne den Piloten und seinen wissenschaftlichen Hintergrund persönlich und weiß, dass er sehr genau weiß, wie er es anstellen muss und seine Auftraggeber auch entsprechend berät.
    Und gegen eine abgesicherte wissenschaftliche Grundlage zum Bestand ist ja erst einmal nichts zu sagen. Spannend wird es sein zu beobachten, wie der Fiskalforst mit den Ergebnissen umgeht. Aber grundsätzlich halte ich es für begrüßenswert, wenn eine zunehmende Zahl an Landesforsten sich einer exakten Bestandaaufwendung zuwendet, anstatt mit antiquierten Albernheiten irgendwelchen Schätzungen nachzuhängen.

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