Hessen: LJV-Pressesprecher tritt zurück

Der langjährige Pressesprecher des Landesjagdverbands (LJV) Hessen, Dr. Klaus Röther, ist am 7.1. von seinem Ehrenamt zurückgetreten. “Gute Wünsche für einen angenehmen Ruhestand”, die ihn erreicht hätten, seien allerdings verfrüht, schreibt Röther in einer Rundmail an Pressevertreter. Er werde “die hessischen Jägerinnen und Jäger weiterhin über die Jagdpolitik und deren Akteure informieren und hoffe, damit zu mehr Transparenz beizutragen”, so Röther weiter:  “Auch in der Jagdpolitik zählen nicht wohlfeile  schöne Worte, sondern Taten – und vor allem deren Ergebnisse.”

Um seine Rücktrittsgründe zu verdeutlichen, verweist Röther auf sein Schreiben vom 7.1. an LJV Präsident Dr. Jürgen Ellermann, das wir im folgenden verööfentlichen:

“Sehr geehrter Herr Ellenberger,

hiermit lege ich nach über 30-jähriger Tätigkeit für den LJV Hessen mein Ehrenamt als LJV-Pressesprecher nieder.

Der derzeitige LJV-Vorstand bzw. Teile dieses Gremiums schlagen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie in der  jagdpolitischen Interessenvertretung einen Weg ein, der nach meiner Auffassung den hessischen Jägerinnen und Jägern schadet und in einer Sackgasse enden muss.

Mit ausschlaggebend für meinen Schritt ist die geradezu euphorische Beurteilung der neuen hessischen Jagdverordnung (JVO) durch den LJV-Vorstand. Diese LJV-Stellungnahme  erinnert inhaltlich stark an die am gleichen Tag (18. Dezember 2015) von der hessischen CDU-Landtagsfraktion veröffentlichte Pressemitteilung, in der sich die CDU selbst über den grünen Klee lobt und behauptet, sie habe „substanzielle Verbesserungen für die Jägerschaft erreicht“.“  Ich kann beim besten Willen weder die überaus positive Stellungnahme des LJV Hessen noch die der CDU zur Endfassung der Jagdverordnung nachvollziehen. Ganz im Gegenteil: Grüne, Nabu und radikale Tierschützer haben in der JVO ihre Ziele weitestgehend durchgesetzt.

Als nächstes werden Grüne und CDU gemäß ihrer Koalitionsvereinbarung „die Regelungen zur Tötung wildernder Hunde und Katzen einer wissenschaftlichen Bewertung unterziehen“. Wie das Resultat dieser „wissenschaftlichen“ Bewertung letztlich aussieht, haben die Diskussion um die Jagdverordnung und deren Endfassung deutlich aufgezeigt.

Auf das Ergebnis dieser „wissenschaftlichen Bewertung“ eines wesentlichen Elements des Jagd- und Tierschutzes dürfen die hessischen Jägerinnen und Jäger deshalb gespannt sein.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Röther“

Im Fortgang führt Röther die “einschneidenden Verschlechterungen” in der neuen Jagdverordnung (JVO) auf:

(Die neuen Jagdzeiten treten zum 1. April 2016 in Kraft!)

●  Bevor Feldhase und Stockente bejagt werden dürfen, wird ein Monitoring (Bestandserfassung) Pflicht. Dieses Monitoring  kann (und wird) auf weitere Niederwildarten ausgeweitet werden. An diesem Verfahren, dessen Details eine Arbeitsgruppe erst noch  festlegen soll,  werden externe „Wildbiologen“ beteiligt. Die JVO  führt das Monitoring allerdings quasi durch die Hintertür ein. „Für nicht abschussplanpflichtiges Niederwild, insbesondere Feldhase und Stockente, soll die Bejagung nur so erfolgen, dass sich die Strecke bei ausreichenden Besatzdichten im Rahmen des jährlichen Zuwachses bewegt…“, heißt es lediglich in § 3, Absatz 3 der JVO. Das Monitoring ist jedoch von der obersten Jagdbehörde unter Bezug auf diesen Paragraphen bereits per Erlass vom 17. 12. 2015 „als Grundlage nachhaltiger Bejagung“ eingeführt worden. (Zur Problematik des Monitorings erhalten Sie noch gesonderte Informationen!)

●  Fuchs: Schonzeit vom 1. März bis 14. August: auch Jungfüchse dürfen während dieser Zeit nicht bejagt werden.

● Waschbär: Schonzeit vom 1. März bis 31. Juli; auch junge Waschbären sind zu schonen.

●  Dachs: Jagdzeit verkürzt auf 1. August bis 31. Oktober.

● Baummarder, Iltis, Hermelin und Mauswiesel: keine Jagdzeit mehr.

●  Damit ist faktisch auch der Einsatz von Totschlagfallen verboten, weil bei der Fangjagd auf den Steinmarder nicht sichergestellt werden kann, dass nicht zufällig ein Baummarder gefangen wird.

●  Rebhuhn: Keine Jagdzeit bis Ende 2019,  ab 2020 Monitoring als Voraussetzung der Bejagung.

●  Ringeltaube: Jagdzeit verkürzt auf 1. November bis 15. Januar, Jungtauben: 1. 11. bis 20.02.

●  Rabenkrähe und Elster: Jagdzeit verkürzt auf 1. August bis 31. Dezember.

●  Türkentaube: Keine Jagdzeit bis Ende 2019,  ab 2020 Bejagung nur bei „ausreichenden Beständen“.

●  Rehbock: Jagdzeit verlängert bis 31. Januar.

● Graugänse können zwar weiterhin vom 1. August bis 31. Oktober bejagt werden. Aber in ihren zwölf wichtigsten hessischen Verbreitungsgebieten („Vogelschutzgebieten“) müssen sie auf stehenden Gewässern  und in deren Umkreis von 70 Metern geschont werden.

● Wildfütterung: Eine Notzeit für Rot- und Rehwild sowie andere Wildwiederkäuer gibt es im Winter nur noch bei einer Schneehöhe von über 60 Zentimetern und mehr als drei Wochen Dauer oder bei einer Schneehöhe von über 30 Zentimetern mit starker Verharschung und Vereisung, die länger als zwei Wochen andauert.

● Bei der Übertragung von Aufgaben durch das Ministerium an die Jagdverbände wird die jagdliche Ausbildung des Jägernachwuchses gemäß der hessischen Jägerprüfungsordnung als bisherige besondere Aufgabe des LJV und seiner Jagdvereine gestrichen. Natürlich können die Jagdvereine weiterhin Jungjäger ausbilden. Zwölf Prüfungstermine, die pro Jahr eingeführt werden, fördern jedoch das  Abwandern von Jagdscheinanwärtern zu kommerziellen Jagdschulen.

● Auch die „Förderung von Hegemaßnahmen“ durch den LJV“ wird als dessen Aufgabe gestrichen.

● Die Anerkennung und Bestätigung brauchbarer Jagdhunde obliegt nun der obersten Jagdbehörde und nicht mehr dem LJV. Jagdhunde ohne Papiere und Mischlinge aller Art könnten folglich als „jagdlich brauchbar“ anerkannt werden.

Und was schreibt der LJV dazu in seiner Pressemitteilung vom 18. Dezember 2015:

„Der Protest des Landesjagdverbandes Hessen im Zuge der hessischen Jagdverordnung hat Wirkung gezeigt: Nahezu alle Forderungen der Jäger sind in die Verordnung übernommen worden.“

Na dann Prost!

Mit den besten Grüßen und Waidmannsheil

Klaus Röther

Folgende Anlagen hat Röther an seine Mail angehängt:

●   Vergleich der bisherigen Jagdzeiten,  die im Jagdverordnungs-Entwurf geplante Regelung und die neuen Jagdzeiten. (Die neuen Jagdzeiten treten am 1. April 2016 in Kraft).Diese Tabelle hat der Vorsitzende des Jagdvereins Oberhessen, Helmut Nickel, erstellt.

● Eine zweite Tabelle des gleichen Verfassers enthält zum Abgleich die Jagdzeiten der benachbarten Bundesländer Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, in denen ebenfalls unter der Regie von grünen Umweltministerien u. a. die Jagdzeiten reduziert worden sind.

● Die Pressemitteilung des LJV Hessen vom 18. Dezember 2015 zur neuen Jagdverordnung sowie die Pressemitteilung des Nabu Hessen.

Beitragsbild: Die Pressemitteilung des LJV Hessen (Ausschnitt) vom 18.12.2015, auf die sich Röther bezieht. (Copyright: LJV Hessen)

6 Gedanken zu „Hessen: LJV-Pressesprecher tritt zurück

  1. Joachim Orbach

    Herr Dr. Röther hat meiner Meinung nach richtig gehandelt, denn die Jägerschaft braucht weder der CDU noch der SPD nach dem Maul zu reden, wenn unsinnige Gesetze usw. nach dem Willen einer Verbotspartei wie der Grünen beschlossen werden. Hier muss sich der Bürger doch Fragen: Wird nach reinem Erhalt der Machtgeilheit regiert? In diesem Sinne sollte man die breite Masse durch Öffentlichkeitsarbeit informieren. Wie z.B. sich die Bürger zur Zeit in NRW erregen, zeigen uns doch die Vorfälle von Köln, wo lückenlose Aufklärung verlangt wird. Da dürfte auch Minister Jäger noch nicht aus dem Schneider sein. Bereiten wir als Jäger nicht den Weg der Ökodiktatoren mit !!!

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Bei verschiedenen Landesjagdverbänden (allen?) und beim DJV hat sich anscheinend noch nicht herumgesprochen, was Salamitaktik bedeutet. Man erkennt dort nicht klar genug, wohin in Sachen Jagd die Reise nach den Vorstellungen der Ökodiktatoren gehen wird, und man hat anscheinend immer noch nicht erkannt, wie von den Grünen und anderen Jagdgegnern vorgegangen wird. Und wenn an der einen oder anderen Stelle eine der vollkommen idiotischen Forderungen der Gegenseite durch Jägerprotest abgewendet werden kann, fängt wie in Hessen der Jubelchor an, man habe ja schließlich noch Schlimmeres verhindert. Dass dies Schlimmere dann beim nächsten Angriff der Ökofantasten doch noch geschafft wird, merkt offenbar keiner. Beispiele dafür gibt es in vielen Bundesländern. In NRW fing es mit dem Ende der Jagdzeit auf das Mauswiesel und endete vorläufig mit dem sog. “ökologischen” Jagdgesetz, das mit Ökologie im wissenschaftlichen Sinne so viel zu tun hat wie Astrologie mit Astronomie! Es ist bedauerlich, dass unsere Verbände sich nicht energisch genug gegen diese schleichende Erosion unseres Jagdwesens und die Enteignung der Jagdrechtsinhaber zur Wehr setzen, und ich als Mitglied frage mich, ob ich in diesem Verband noch gut aufgehoben bin, ob die Verbandsoberen wirklich auch für meine Ziele und die Ziele der Mehrheit der Mitglieder so einsetzen, wie es nötig ist. Für mich ist Jagd nach wie vor nachhaltige und absolut legitime Nutzung einer natürlichen Ressource und erhaltenswertes Kulturgut. Ich möchte, dass auch meine Urenkel noch so jagen können, wie wir das heute tun. Wenn sich das im Jagdverband nicht realisieren lässt, muss man über Alternativen endlich ernsthaft nachdenken!

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  3. Joachim Orbach

    Sehr geehrter Herr Pfannstiel,

    mit ihrer Meinung sprechen Sie auch meine Meinung und sicherlich auch die vieler anderen Jäger aus. In NRW müssen wir und doch ernsthaft Fragen: Was haben wir denn erreicht? Was hat uns der anfängliche Kuschelkurs mit Herrn Remmel denn gebracht? Warum wurden denn Aktionen auf der unteren Ebene ( 1000 Hörner ) änfänglich nicht vom LJV NRW unterstütz usw.? Deshalb müssen wir endlich ernsthaft über Alternativen, insbesondere u.a. auch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit nachdenken.

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  4. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Falknerei ist bereits als Weltkulturerbe anerkannt, sehr geehrter Herr Hahmann. Ich lade Sie zu einem Gespräch über die Thematik ein, um Ihren Kenntnisstand in Sachen Jagd in Mitteleuropa ein wenig zu verbessern. Sagen Sie mir wann und wo.

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  5. Berthold Geis

    Ich gebe Herrn Pfannenstiel vollkommen Recht! Diese Salamitaktik der sogenannten “Naturschützer und Tierfreunde” zur letztlichen Abschaffung der Jagd hat Methode: Maximale Verbote fordern, “kleine Erfolge” verbuchen und es dann bei nächster Gelegenheit wieder versuchen, bis die “Wurst” aufgegessen ist! Das dies der Hessische Landesjagdverband nicht erkennt und sich hier auch noch selbst als “Gewinner” feiert, ist nicht nur in meinen Augen der falsche Weg.
    Ja, der LJV Hessen hat gegen diese unselige Jagdverordnung gekämpft, was ich auch anerkenne. Ja, tausende Jäger, Falkner, Waldbesitzer, Angler, Verbände des ländlichen Raums haben es ebenfalls getan. Und Ja, wir haben in vielen Teilen zur ursprünglichen Verordnung “verloren”. Wer kämpft kann auch verlieren, aber dann muß ich es doch nicht als “Sieg” hinstellen wie es der LJV Hessen macht. Lieber LJV Hessen, wissen Sie eigentlich noch was die Basis denkt! Dies was hier als “Erfolg” hingestellt wird, ist was dem Großteil ihrer Mitglieder missfällt. Warum kann man nicht zugeben das wir viel verloren haben. Gehen wir jetzt genauso herab auf das Niveau dieser Politiker von Grün und Schwarz die das erst ermöglicht haben und ebenfalls als Erfolg feiern?
    Ich kann Hernn Dr. Röther verstehen, das es gegen seine Überzeugung und Liebe zur Jagd ist, so enttäuscht zu werden vom Vorstand des LJV Hessen, das er seinen Rücktritt nach über 30 Jahren bekannt gibt. Lieber LJV Hessen, merken Sie noch wohin die Reise geht? Wissen Sie eigentlich, das viele Jäger sich mit dem Austritt aus dem LJV Hessen beschäftigen, da es nicht nur bei der Jagdverordnung im LJV Hessen Probleme gibt? Was ist mit der angekündigten Klage gegen diese Verordnung? Weissen Sie die Politik und Parteien die gegen die Jagd sind mit klaren Aussagen und Taten in ihre Schranken, so wie es nicht nur Herr Röther getan hat. Dann und nur dann, können Sie sich bei mir und den Hessischen Jägern als Gewinner feiern lassen!

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